Wie wir im Sommer 2020 verreisen

Von Franziska Annerl.

Endlich wieder offene Grenzen in Europa, endlich wieder ein Schritt mehr in Richtung Normalität in Corona-Zeiten: Mit Spannung wurde der 15. Juni erwartet, an dem die europäischen Binnengrenzen wieder öffneten. Die erwünschte grenzenlose Reisefreiheit hat das Datum aber noch nicht gebracht. Die Tage seither haben gezeigt: nicht alle Grenzen sind offen und sie können auch jederzeit wieder geschlossen oder nicht für alle uneingeschränkt passierbar werden.

 

Wohin kann’s aus Brüssel gehen?

Wenn man in Brüssel zuhause ist und endlich wieder die Familie in der alten Heimat Österreich oder Deutschland sehen will, lässt einen die Situation etwas ratlos. Es beginnt schon damit, dass sich die lieben Verwandten und alten Freunde nicht festlegen, wann sie diesen Sommer in den Urlaub fahren und wann ein Besuch daher am besten passt. Man kann es ihnen nicht verdenken, wie sich schnell zeigt: So ist in einem Falle die erste Reise seit Februar nun für Ende Juli nach Norddeutschland geplant. Corona-sicherer geht es doch nicht. Und weil einem das Fliegen noch nicht ganz geheuer ist, lieber mit dem Zug. Gebucht wurde das ICE-Sparpreis-Ticket allerdings vor dem Corona-Ausbruch bei Tönnies und der partiellen Reisewarnung Österreichs für Nordrhein-Westfalen (die mittlerweile auch schon wieder aufgehoben ist). Wäre in diesem Fall eine kostenlose Stornierung möglich gewesen? Laut Bahn-Informationen zum Reisen in der Corona-Zeit ‚nein‘: Nur wenn man ein (wesentlich teureres) Flex-Ticket kauft, kann man kostenfrei umbuchen bzw. stornieren. Ausnahme: Fahrkarten, die vor dem 13. März 2020 gekauft wurden. Die sind bis 31. Oktober 2020 flexibel nutzbar. Immerhin bieten die meisten Hotels derzeit eine kurzfristige, kostenlose Stornierung auch bei den günstigsten Tarifen an.

Regelvielfalt in Deutschland

Kompliziert wird es bei Reisen nach Deutschland auch, da nicht in jedem Bundesland die gleichen Corona-Regelungen gelten oder sich laufend ändern. Bei den beiden Reisezielen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gilt immerhin einheitlich, dass sich höchstens zehn Personen in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Die Maskenpflicht an öffentlichen Orten wie Bahn, Verkehrsmittel, Geschäfte gilt in NRW vorerst bis 1. Juli, in Niedersachsen bis auf weiteres. Man sollte sich jedenfalls am Vorabend der Reise nochmals über die aktuell gültigen Maßnahmen informieren. In ganz Deutschland gibt es seit 16. Juni die Corona-Warn-App: Sie ermöglicht es, im Nachhinein festzustellen, ob wir uns in direkter Nähe zu einem mit dem Virus infizierten Menschen aufgehalten haben.

Österreich erwartet

Nach Österreich ist es auch nicht unbedingt einfacher. Gern nähme man den Nachtzug, doch die Strecke Brüssel-Wien wird leider ausgerechnet im Sommer nicht befahren. Dann eben mit dem Flugzeug: Immerhin sind die Fluglinien deutlich kulanter als die Bahn, um wieder Passagiere in ihre Kabinen zu bekommen: Bei Brussels Airlines können alle bis 31. August 2020 gebuchten Tickets mit einem Reisedatum bis 30. April 2021 einmal kostenlos auf ein neues Reisedatum und/oder Reiseziel umgebucht werden. Nach Wien fliegen statt wie üblich 5-6 derzeit nur 3-4 Maschinen täglich. Mund-Nasen-Schutz ist während der gesamten Reise natürlich Pflicht.

In Wien selbst geht es aufgrund der guten Infektionszahlen schon lockerer zu: In Österreich muss der Mund-und Nasenschutz nur mehr in den Öffentlichen Verkehrsmitteln, im Gesundheitsbereich inklusive Apotheken und bei Dienstleistungen ohne Ein-Meter-Mindestabstand getragen werden. Einem Urlaub in Österreich steht nichts im Wege: Alle Sehenswürdigkeiten, Museen, Hotels, Gastronomie und auch Badeseen und Sporteinrichtungen sind offen und empfangen ihre Gäste. Ab 1. Juli sind auch größere Veranstaltungen (250 Personen bei Indoorveranstaltungen und 500 Personen bei Outdoorveranstaltungen) wieder erlaubt.

Wer keine Lust auf stundenlanges Maskentragen im Zug oder Flieger hat und das eigene Auto nimmt, steht derzeit wenigstens nicht endlos im Stau: Die ersten deutschen Bundesländer sind vergangenes Wochenende sehr entspannt in den Sommer 2020 gestartet.

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