Warum die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in Bonn bestens aufgehoben wäre

Von Heide Newson.

Mit dem Brexit kommen auf die EU-Mitgliedstaaten auch in der Gesundheitspolitik gemeinsame Herausforderungen zu. Ein neuer Standort muß für die bislang in London angesiedelte Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gefunden werden. Deutschland bewirbt sich mit Bonn, neben 18 europäischen Hauptstädten, darunter Lille, Mailand, Barcelona, Bratislava, Brüssel und Amsterdam um den lukrativen Sitz. Wer den Zuschlag im November erhält, kann auf immense Zusatzeinahmen hoffen.

Ein Grund für Hermann Gröhe, den Bundesminister für Gesundheit, zusammen mit dem Sonderbeauftragten des Bundesministeriums für die EMA, Wolfgang-Clement, dem Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan sowie Prof. Dr. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, sowie dem Bonner Beethoven- und Jazz Pianisten Marcus Schinkel, in Brüssel, genauer in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen, auf Charmeoffensive zu gehen.

Brüssel gegen Bonn

Bonn ist eine europäische Stadt und erfüllt alle Voraussetzungen, die Europa an den neuen EMA-Standort stellt. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zu Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg und vor allem Belgien“,  so ein optimistischer Gröhe. Bonn sei nicht nur eine Stadt mit starkem gesundheitspolitischen, sondern auch internationalem Umfeld. Es vereine kurze Wege, habe viel Erfahrung mit Umzügen, einen hervorragenden Arbeitsmarkt, einen vergleichsweise preisgünstigen Wohnungsraum, liege am schönen Rhein, habe andere wundervolle Naherholungsmöglichkeiten und sei bestens für die EMA geeignet.

Als weltoffen, multikulturell, sicher und bunt, bezeichnete Ashok Sridharan Deutschlands ehemalige Bundeshauptstadt. Das sähe man ja an ihm, sein äußeres Erscheinungsbild verrate ja seine asiatischen Wurzeln. Und Clement meinte, dass er nicht nur mal wieder gerne in Belgien, sondern sehr gerne in seinem (Werbungs) Auftrag unterwegs sei.

Oder doch Brüssel für Bonn?

Obwohl sich die belgische Regierung seit März 2017 ebenso um die Übernahme der Agentur bewirbt, Brüssel jedoch wegen dem Sitz des Europaparlaments überhaupt keine Chance eingeräumt wird, hofft Bonn nunmehr auf belgische Unterstützung.

Ende September wird die EU-Kommission ihr Votum abgeben, wo die Agentur ihrer Meinung nach am besten aufghoben wäre. Im November werden dann die Vertreter der verbleibenden 27 EU Staaten den Sieger im Auswahlverfahren bestimmen. Ob Bonn es trotz Gröhes überzeugender Präsentation packen wird, ist fraglich, zumal sich Deutschland ja ebenso um den Sitz der europäischen Bankenaufsicht (EBA) in Frankfurt beworben habe. Dagegen hofft Bonns Oberbürgermeister, im April 2019 die Mitarbeiter der EMA mit einer Großen-Open Air Veranstaltung begrüßen zu können. Und nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“, wurde in der NRW-Vertretung schon jetzt tüchtig gefeiert. „Die Lebenslust, Geselligkeit und der Optimismus muss im Rheinland erfunden worden sein,“ so meine Kollegin von Politico, die Bonn trotz überzeugender Argumente kaum eine Chance einräumt.

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