Warten auf den Gertrudistag

 

Von Heidrun Sattler.

Haben sich in diesem Jahr die Stürme zur Tag- und Nachtgleiche (oder wie die Fachleute sagen, die Äquinoxialstürme) zu früh eingestellt? Den Karneval dieses Jahres hat es jedenfalls ganz schön durcheinandergewirbelt. Und auch im Garten sind die Folgen zu sehen: Abgerissene Zweige, Blumentöpfe, bereit zum Einpflanzen unkontrolliert herum gekullert und die Meisen ungewöhnlich still.

Und doch, im Garten rührt sich etwas, kommen Sie mit!

Aufsehenerregendes

Sie müssen wohl einen besonders stimmigen Standort haben, meine Kamelien. Wenn ich sie nicht nach der Blüte gründlich beschneide, werden sie auf die Dauer baumhoch. Zwei Meter haben sie schon erreicht, besonders die einfache weiße Sorte mit ihren auffälligen gelben Staubgefäßen (Camelia japonica ‘Alba simplex‘). Echte Experten rümpfen zwar die Nase über die gefüllten Sorten, doch wenn meine rosa ‘Mrs. Tingley’ blüht, werden auch sie still!

Über die Winterhärte dieser Moorbeetpflanzen, zu denen auch der Teestrauch gehört, kann man trefflich streiten. Meine Erfahrung, seit ungefähr 15 Jahren, ist positiv. Zwar erfrieren die gerade geöffneten Blüten bei Frost, einen Strauch jedoch habe ich bisher nicht verloren. Allerdings müssen sie wie Rhododendren auf feuchtem Grund stehen, nötigenfalls sogar im Winter gegossen werden.

Eher bescheiden

Wer hat nicht schon einmal die kleinen Patio-Alpenveilchen (Cyclamen persicum) für wenig Geld im Gartencenter gekauft? Ich jedenfalls kann diesen attraktiven Töpfchen nicht widerstehen. In diesem Jahr habe ich mit der Hälfte meiner Erwerbungen den Test gemacht und sie auf der überdeckten Terrasse im Freien überwintert. Und sie stehen jetzt besser da als die verwöhnten im frostfreien Gewächshaus.

Wenig spektakulär, dafür aber eine der treuesten Gartenstauden sind die Wolfsmichsorten, an denen man die ganze Wachstumsperiode Freude hat, wie m Augenblick an der myrtenblätterigen Wolfsmilch (Euphorbia mirsinites).

Ein erfreulicher Anblick im südlich gelegenen Staudenbeet bot sich mir heute. Dort hatte sich schon ein lila Goldlack geöffnet! Diese als altmodisch verschrienen Bauernblumen gibt es inzwischen in sehr attraktiven Farben, wie hier meine ‚Bowles Mauve‘ (Erysimum x cultorum), die leider nicht jeden Winter überlegt.

Vorfrühling in der gemischten Hecke

Sie sind die Ersten nach den echten Winterblühern, die kleine gelben Glöckchen der Scheinhasel (Corylopsis sinensis). Sie lösen die Duftfleischbeere (Sarcococca), den Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) und den Winterschneeball (Viburnum x bodnantense ‘Dawn’) im Flor ab. Einzig eine andere Schneeballsorte, Viburnum tinus, blüht immer weiter. Im Juli und August erst legt er eine kleine Pause ein, um im Herbst wieder Knospen und Blüten gleichzeitig zu zeigen. Eine der zuverlässigsten Großpflanzen im Schattengarten, aber nicht nur dort.

Doch schnell folgen die Sternmagnolie, die jetzt schon weiß sehen lässt und die Lavendelheide (Pieris japonica). Letztere ist auch so eine Stütze meiner Schattenbepflanzung. Entlang eines romantischen Wegs auf der Nord-Ost-Seite beglücken sie erst mit ihren weiß-rosa Blütentrauben, danach durch einen spektakulären Austrieb. Bei der Sorte ‘ Forest Flame‘ erscheint dieses Gartenstück im April rot erleuchtet.

Die Zeit der Zwiebelgewächse

Für Tulpen ist es natürlich noch zu früh, doch die Krokusse öffnen sich bei Sonnenschein und sie späteren Sorten der Schneeglöckchen stehen in voller Blüte. Schon schmücken sich die öffentlichen Grünanlagen mit einem Narzissen-Blütenmeer und im Garten lassen sich die kleinen Sorten entdecken, jeden Tag einige mehr. Auch Hyazinthen habe ich schon entdeckt, und ihre kleine Schwester, die Traubenhyazinthe, tut ihr Bestes. Natürlich ist es noch nicht die große Fülle, eher die Zeit der erfreulichen Entdeckungen.

Doch nicht mehr lange, dann können die Farbenthusiasten schwelgen, am prunkvollste, im Keukenhof, in Lisse zwischen Amsterdam und Den Haag. Am 21. März öffnet er für die diesjährige Saison und ist gewiss einen Besuch wert: (https://www.bollenstreek.nl/keukenhof/?lang=de)

Wenn es Sie wie mich in den Finger kribbelt, im Garten zu beginnen, bleiben Sie geduldig! Noch ist es recht früh. Denn nach der Weisheit der Altvorderen ist erst der Gertrudistag (17.3.) der erste Gartentag. Indes räumt man in den Gärtnereien jetzt das neue Staudensortiment auf die Tische, vielleicht erfüllen Sie sich dort den einen oder anderen Frühlingstraum!

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