Ratgeber, Wanderungen

Wanderungen rund um Brüssel: Über Stock und Kopfsteinpflaster

Overijse-Tombeek-Terlanen-Overijse (ca. 14 Kilometer, drei Stunden, Ausgangspunkt: Begijnhof, 3090 Overijse)

Von Michael Stabenow

Der in der Ortsmitte von Overijse beginnende, mehr als 14 Kilometer lange Rundweg führt zunächst durch die ebenfalls zur Gemeinde Overijse gehörenden Nachbardörfer Tombeek und Terlanen. Anschließend geht es in nordwestlicher Richtung über das nach dem Zweiten Weltkrieg als Lager für deutsche Kriegsgefangene dienende „Kamp Kwadraat“ und ein ausgedehntes Plateau wieder talwärts zurück zum Ortskern.

Da das Zentrum von Overijse seit längerem voller Baustellen ist, gestaltet sich die Parkplatzsuche derzeit nicht ganz leicht. Mit etwas Geduld findet sich jedoch meist ein Platz, auf dem man nicht nur an Sonntagen sein Fahrzeug länger als drei Stunden abstellen kann.

Drei Stunden sollte man schon für den oft ansteigenden, dann wieder abschüssigen Rundweg über Stock und Stein, genau genommen Kopfsteinpflaster, einplanen. Erst recht gilt das, wenn man in einem der beiden Lokale im Ortsteil Terlanen einkehren möchte („´t Klein Verzet“ oder das wiedereröffnete „De Sportman“).

Ausgangspunkt der Wanderung ist der am Schwimmbad und dem Kulturzentrum „Den Blank“ gelegene Begijnhof. Vom Knotenpunkt 3 aus geht es zunächst in östlicher Richtung am Schwimmbad und dann an einem großen Teich mit dem angrenzenden Altersheim „Mariëndaal“ vorbei zur Hauptstraße Terhulpensesteenweg. Dort nach rechts. Nach wenigen hundert Meter führt die steil ansteigende Kopfsteinpflasterstraße Hertstraat bergauf – eine der Steigungen beim alljährlich im April ausgetragenen Rennradklassikers „Brabantse Pijl“.

Nach der Überquerung der „Nijvelsebaan“ führt die nun schmale Hertstraat, jetzt wieder auf Kopfsteinpflaster, leicht bergab. Am Knotenpunkt 302 links abbiegen und nach rund 200 Metern über eine Pferdeweide durch eine Pforte in ein Waldstückchen hineingehen. Rechterhand taucht – kurz vor dem Knotenpunkt 301 – ein Teich auf, an dessen Ufer meist unbenutzt ein etwas geheimnisvoll wirkendes Ruderboot liegt.

Wir verlassen das Wasserschutzgebiet und erreichen Tombeek. Ehe man in die Ortsmitte gelangt, führt am Knotenpunkt 306 ein schmaler Pfad sehr steil links nach oben. Vorsicht ist bei der Überquerung der vielbefahrenen Nationalstraße 4 geboten. Auf Kopfsteinpflaster – schon wieder – geht es rechts bergauf, ehe sich nach einer Linkskurve ein idyllischer Blick auf die Brabanter Hügellandschaft sowie oft auch auf weidende Schafe, Rinder und Pferde eröffnet.

Am Knotenpunkt 307 biegen wir nach rechts in die ruhige Mommaertsstraat ein – mit ihrem erst unlängst erneuerten…Kopfsteinpflasterbelag. Rechts liegen ein paar schmucke Wohnhäuser. Die Straße mündet in die Absstraat, der wir mangels Feldwegen in nordöstlicher Richtung rund 800 Meter auf dem Bürgersteig folgen müssen. Dafür werden wir anschließend durch das am Knotenpunkt 308 beginnende Teilstück vollauf entschädigt. Es führt zunächst über das Flüsschen Laan hinweg auf ein zur Gemeinde Wavre zählendes wallonisches Stück Land. Wir lassen den imposanten ehemaligen Bauernhof „Ferme de Bilande“ linkerhand liegen.

Nun geht es nach einer Linkskurve parallel zur Laan über die Knotenpunkte 252, 251, 329 zu einem am Knotenpunkt 310 gelegenen älteren Herrenhaus mit angeschlossener kleiner Wassermühle. Links gegenüber lockt eine auf einer Wiese stehende Picknickbank zu einer Pause. Unterwegs kann man sich zuvor einen Eindruck von den Folgen der Borkenkäferplage machen. Wo einst ein Fichtenwald stand, haben die jüngsten Stürme für ein geradezu apokalyptisches Bild mit kreuz und quer mal noch stehenden, mal schon liegenden kahlen Baumstämmen gesorgt. Im Ortskern von Terlanen – Knotenpunkt 311 – befinden sich die beiden eingangs erwähnten Cafés.

Wir folgen anschließend der leicht bergauf führenden Bollestraat. Nach einem rechts gelegenen, heute bei Fledermäusen beliebten ehemaligen kleinen Bunker biegen wir in Richtung Knotenpunkt 256 ab und landen – nun zum letzten Mal – auf einen Kopfsteinpflasterweg. Über die Knotenpunkte 256, 257 und 258 gelangen wir in ein langgestrecktes Tal, dessen südliche Seite die Stürme leider ebenfalls verunstaltet haben.

Am Knotenpunkt 259 – nun auf einem Plateau – nehmen wir die kleine Straße mit Betonbelag nach links, die nach Passieren eines rechterhand gelegenen Bauernhofes in einen breiten Feldweg übergeht. Die Wanderroute führt nun über die Knotenpunkte 312, 38 und 37 bis zum Punkt 36 durch das heute als Ackerland genutzte Areal des ehemaligen „Kamp Kwadraat“. Es zählte nach Ende des Zweiten Weltkriegs rund 50000 deutsche Kriegsgefangene, darunter auch den späteren Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll. Zur Geschichte des Lagers gibt es an mehreren Stellen erläuternde Tafeln und Schaubilder.

Kurz vor Erreichen eines vor einigen Jahren in Wohnungen umgewandelten ehemaligen stattlichen Bauernhofs eröffnen sich weite Blicke über den Talgrund des Flüsschens Ijse hinweg. Am Knotenpunkt 300 führt anschließend die meist dunkel anmutende Grotstraat bergab zum Knotenpunkt 30 und damit zurück zum Zentrum von Overijse, wo es – natürlich – eine Reihe von Möglichkeiten zum Einkehren gibt, darunter auch eine Eisdiele.

Knotenpunkte: 3, 302, 301, 306, 307, 308, 252, 251, 329, 310, 311, 256, 257, 258, 259, 312, 38,37,36,300,30,3.


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