Von der Zahnklinik zum postnationalen Museum

Von Jan Kurlemann.

Als Zahnklinik hat es begonnen – das Haus der Europäischen Geschichte im Leopold-Park in Brüssel unterhalb von den Gebäuden des Europäischen Parlaments. Das Gebäude kenne ich: In den neunziger Jahren hatte ich mein Büro in der Pressestelle des EP in eben diesem „Eastman-Gebäude“, das der Eigentümer der Firma Kodak für die Zahnbehandlung der Brüsseler Kinder aus sozial benachteiligten Familien gestiftet hatte.

Schmerzhaft verzogen Brüsseler Freunde und Bekannte das Gesicht, wenn sie hörten, wo mein Büro angesiedelt war. Sie waren nicht nur als Kinder zu Zahnuntersuchungen in dieses Gebäude gekommen, sondern man hatte ihnen dort auch Zähne gezogen oder diese konservativ behandelt, auf traditionelle handwerkliche Weise, ohne Betäubung. In einem „Dental Blog“ klagen noch 2017 frühere kleine Patientinnen und Patienten über die erlittenen Schmerzen.

George Eastman, ein amerikanischer Philantrop

Der Kodak-Inhaber und Erfinder des Rollfilms George Eastman stiftete mehrere Zahnkliniken in Europa und hinterließ sein ganzes Vermögen der Wissenschaft. König Leopold III, Königin Elisabeth und Königin Astrid von Belgien nahmen an der Einweihung der Brüsseler Zahnklinik im Juli 1935 teil. Es war der letzte öffentliche Auftritt der Königin Astrid vor ihrem tragischen Unfalltod.

Neue Rolle

Mein altes Büro ist der Abrißbirne zum Opfer gefallen. Die Art-Deko-Fassade des Eastman-Gebäude erstrahlt wieder hell im Grün des Parks.

Mancher bekommt Zahnschmerzen, wenn er an Europa denkt. Vielleicht ist ein Besuch des sehenswerten Museums ein geeignetes Mittel dagegen.

Mehr über das Haus der Europäischen Geschichte erfahren Sie in einem Beitrag von Tom Weingärtner.

Ein Kommentar

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