Vom traurigen Festtag der Deutschsprachigen Gemeinschaft

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DG-Ministerpräsident Oliver Paasch beim Interview

Von Heide Newson.

Sonntag gegen Mittag. Sirenen dröhnen in meinen Ohren, Polizeiautos auf dem Weg nach Molenbeek rasen an mir vorüber, ansonsten ist die Avenue Louise fast unheimlich menschenleer. Ich befinde mich auf dem Weg zur Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die anlässlich ihres Festtages, der mit dem Fest des Königs zusammenfällt, zum 11. Mal einen Empfang gibt. Ministerpräsident Oliver Paasch, neben ihm Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz sowie der Leiter der Vertretung, Alexander Homann, begrüßen die rund hundert geladenen Gäste, und finden für jeden die richtigen Worte.

Dennoch ist diesmal alles anders. Im Vorjahr betrat ein strahlender, soeben nominierter Ministerpräsident die Brüsseler Bühne. Mit seiner Festansprache, einer Mischung aus Charme, Witz und aussagekräftigen Visionen über ein „Belgien zu Viert“, hatte er seine Gäste beeindruckt und begeistert, die Lacher auf seiner Seite. Aber heute war Oliver Paasch weder zum Scherzen noch zu einer großer Festansprache zumute. Viel zu tief saß ihm der Schock der Pariser Attentate in den Knochen.

Solidarität und stilles Gedenken

„Ich habe mich entschieden, meine geplante Rede anlässlich des Festtages der Deutschsprachigen Gemeinschaft nicht zu halten,“ sagte er. Anstatt über die Verdienste der DG, den belgischen Förderalstaat, über Europa oder über das Gipfeltreffen der Staatschefs des deutschsprachigen Europas zu reden, das in der DG stattfinden wird, widmete er den Ehrentag der DG, im Sinne von Solidarität und des stillem Gedenken, den Opfern der Attentate in Paris.

„Durch die Pariser Ereignisse sind wir alle angeschlagen,“ sagte er bestürzt und erschüttert. Unsere Gedanken sind bei unseren französischen Freunden, wir weinen mit ihnen,“ sagte er. „Unmenschlich sind diese grässlichen Verbrechen, sie treffen uns mitten ins Herz.“ Gegen uns alle seien sie gerichtet, gegen unsere Wertevorstellungen, unsere Ideale, gegen alles was uns lieb und teuer sei. Werte wie unsere Freiheit, Menschenwürde, Brüderlichkeit, Humanität oder auch unser Lebensstil seien angegriffen worden.

Dazu habe Premierminister Charles Michel gestern etwas sehr Wichtiges gesagt. Er habe betont, dass keiner in die von den Terroristen gestellte Falle tappen dürfe. Paasch warnte vor einer Gesellschaft, in der Angst und Misstrauen regierten. „Wir müssen unser Leben weiter leben, wir dürfen unsere Werte nicht aufgeben, weil andere sie zerstören wollen.“

Toleranz bewahren

Dabei dürfe der gegenseitige Respekt und die Toleranz gegenüber anderen Kulturen nicht verloren gehen, auch wenn diese nicht zu der Wertevorstellung der von unmenschlichen und barbarischen Ideologien geprägten Extremisten gehöre.

„Wir werden uns dieser Vision, in der Intoleranz, Hass, und Gewalt regiert, nicht beugen. Trotz des Terrors werden wir weiter unsere Werte leben. Im Sinne unserer Demokratie, der Wertevorstellung eines vereinten Europas werden uns weiter für die Demokratie, einen Rechtsstaat, die Freiheit, Brüderlichkeit, Menschlichkeit, Solidarität und Toleranz einsetzen. Keine Bombe, Sprengsätze, Sprenggürtel wird uns daran hindern.“

„Oliver Paasch fasste in Worte, was wir alle empfinden. Trotz unserer Traurigkeit macht uns seine Rede Mut,“ so Julien De Ridder, seit vielen Jahren beim Ausschuss der Regionen tätig. „Es wäre falsch gewesen, den Empfang abzusagen. Das hätte den Terroristen nur in die Hände gespielt.“ Dieser Meinung schließt sich Matthieu Hornung an, der die Entscheidung, den Festtag wie geplant, in Brüssel zu begehen, eine sehr kluge Entscheidung nannte, um so mehr, da er ja im Mittelpunkt der Solidarität und des stillen Gedenkens und des Miteinanders stünde.

Abwesenheiten

Wegen der Ereignisse in Paris, deren terroristische Spur auch nach Brüssel, genauer nach Molenbeek führt, mussten Belgiens Außenminister Reynders und Premierminister Charles Michel, ihre Teilnahme am DG-Fest in letzter Minute absagen. Das wird Didier Reynders besonders schwergefallen sein. Noch im Vorjahr hatte er mir berichtet, wie gerne er in die Deutschsprachige Vertretung käme, und wie sehr er sich stets auf den Empfang der DG freue.

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