Übernachten wie einst Belgiens Premierminister Paul-Henri Spaak in seiner ehemaligen Sommerresidenz

Richmond1Wer hätte das gedacht? In einem historischen Landhaus in Godinne, das viele Jahre der Familie Spaak gehörte, und wo Belgiens Expremierminister Paul-Henri Spaak schon als kleiner Junge rumtollte, und später Kraft für seinen politischen Alltag tankte, kann man seit einigen Monaten wie Gott in Frankreich, oder vielmehr wie einst Paul-Henri fürstlich übernachten.

Vor etwa neun Monaten kaufte Belgiens bekannter Sternekoch Gaëtan Colin, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Isabelle Verjans, die ehemalige „Spaak- Residenz“, um die sich eine große Geschichte mit unzähligen Anekdoten rankt. Heute ist das zu einer prachtvollen Frühstückspension umgestaltete Juwel, das in den fünfziger Jahren auf den Namen „Le Richmond“ umgetauft wurde, mit Pool, Park, Fischteich, komfortablen, gemütlichen und hochmodernen Zimmern, der perfekte Ort zum Übernachten, Entspannen und Feiern.

Richmond2„Es war Liebe auf den ersten Blick. Vielleicht liegt es an der malerischen Lage, der Ruhe, dem Blick auf die Maas, der intakten Natur, der altehrwürdigen Geschichte, der Nähe zu Dinant, Namur und Brüssel, oder dem Geist von Paul-Henri Spaak, aber das Haus hat etwas ganz Besonderes, ich musste es einfach kaufen, da brauchte ich gar nicht lange zu überlegen“, sagt Belgiens bekannter Sternekoch, der seit geraumer Zeit eine neue Herausforderung suchte. Als dann auch noch der Preis und die Größe des Hauses zur Verwirklichung seines geplanten Projekts stimmten, wurde man sich schnell handelseinig.

Ein weiteres Plus: Gaëtans Vorgänger hatte das aus dem 18. Jahrhundert stammende Haus bereits mit viel Liebe zum historischen Detail fünfzehn Jahre lang komplett renoviert. Als die Frühstückspension fertig war, stellte er nach drei Monaten fest, dass dieses Geschäftsmodell weder seinen Geschmack traf, noch zu ihm passte. Kurzerhand verkaufte er es an Belgiens Spitzenkoch. Es sei schon eine Kultur für sich, sein Haus, Küche, Wohnzimmer, Pool, Park mit Gästen zu teilen, und wohl nicht jedermanns Sache, konstatiert Gaëtan, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger, gerade diese Nähe zu den Gästen toll findet. Isabelle, seine Lebensgefährtin, die täglich nach Brüssel pendelt, wo sie beim Radiosender „NRJ“ als Moderatorin bereits am frühen Morgen viel Energie und gute Laune versprüht, teilt seine Ansicht. Mit derselben Energie unterstützte und unterstützt sie ihren Lebensgefährten Gaëtan, der in der gehobenen belgischen Gastronomie schon fast alles erreicht hat, was man erreichen kann.

Auf zu neuen Horizonten

Gaëtan, gebürtig aus Mons, mittlerweile 36 Jahre alt, war gerade mal 12 Jahre alt, als er seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckte. Während sich seine Freunde auf dem Fußballplatz amüsierten, experimentierte er am heimischen Herd. Das gefiel seinem Vater, einem erfolgreichen Architekten, so ganz und gar nicht. Als Gaëtan ihm mitteilte, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen wolle, tat er dessen Berufswunsch als jugendliches Hirngespinst ab. Er änderte seine Meinung erst, als seinem Sohn während eines Ferienjobs von einem renommierten belgischen Koch, ein großes gastronomisches Talent bescheinigt wurde. Nun stand Gaëtans Berufswunsch nichts mehr im Weg.

In diversen Brüsseler Spitzenrestaurants machte er eine steile Karriere, schon bald öffnete er eigene Restaurants, wie das Joala, die Brasserie d`Oude Pastorie oder als Traiteur le Château Jourdain. Auszeichnungen wie „Maitre Cuisinier de Belgique“, Teilnahme Belgiens am Bocuse d´Or, bester europäischer Koch beim S. Pellegrino Cooking Cup im Jahr 2011, und dann der Michelin Stern im Jahr 2012, häuften sich. Aber all dieses hatte seinen Preis. Ein 14-Stunden-Tag gehörte 20 Jahre lang zu seinem Arbeitsalltag. „So konnte es die nächsten 20 Jahre einfach nicht weitergehen“, sagt Gaëtan, zumal Isabelle im Juni ein Baby erwartet. Schweren Herzens trennte er sich bis auf das d´Oude Pastorie in Kraainem von seinen Restaurants, während er langfristig seine berufliche Zukunft im Richmond sieht.

Entspannen in privater Atmosphere zwischen Geschichte und Modernem

Wenngleich das Haus mit seinen fünf Gästezimmern den Komfort eines Hotels bietet, ist sein Charakter wesentlich privater. An dem großen Esstisch, der in der Küche steht, oder in den anderen gemütlich eingerichteten Wohnzimmern, lernen sich die verschiedensten Gäste recht schnell untereinander kennen. Es existiert zwar kein Zimmerservice, dafür wird jeder Gast ganz persönlich betreut, und das von einem renommierten belgischen Sternekoch und einer bekannten sowie charmanten Radiomoderatorin. Geprägt ist das Haus von einer großen Gastlichkeit. In privater Atmosphäre sitzt man nicht wie in einem Restaurant, an getrennten Tischen, sondern zusammen an einem gemütlichen Holztisch, wo das Frühstück, oder auf Wunsch das Dinner, gemeinsam eingenommen wird. Bei üppigem Baguette, Croissants, frischen Fruchtsäften, frischen Eiern, Wurst und Käse, kommt man zwanglos ins Gespräch. Selbst sprachliche Barrieren lassen sich in dieser privaten Atmosphäre schnell überwinden.

Die gesamte Innenarchitektur besticht durch Charme, Stil, Gemütlichkeit, Komfort und ist gleichwohl zeitgemäß. Meisterhaft gelang es Gaëtan den Bogen zwischen Geschichte und Modernem zu spannen, und Altes gekonnt mit Neuem zu verbinden. Dabei hat er ein feines Gespür für Tradition und viel Respekt vor der Historie. So kommt es nicht von ungefähr, dass die fünf luxuriös eingerichteten Gästezimmer berühmte Namen wie Léopold, Margot, Don Juan, Baudouin, oder Spaak tragen. Im Letzteren verweist er auf originale Fresken mit 9 bildhübschen Frauen der Spaak-Familie. Dass die dazugehörigen (Spaak-) Männer fehlen, hat einen fast tragischen Hintergrund. „Als mein Vorgänger das Haus renovierte, passierte seinen Arbeitern ein fürchterliches Missgeschick. Sie übermalten die ‚männliche’ Seite der Fresken“, sagt er ganz fassungslos. „Die Wandmalereien sind das Werk von Paul-Henris Onkel, Charles Spaak“, erklärt der Historiker Jacques Brilot, der sich schon immer für das altehrwürdige Haus und dessen geschichtsträchtige Bewohner interessierte.

Louise Spaak, die Tante des großen belgischen Staatsmanns, habe bereits im Jahr 1906 das Haus gekauft, und habe dort von 1918 bis 1924 ihren festen Wohnsitz gehabt. Später sei es von der Spaak-Familie als Ferienhaus benutzt worden. Die Wochenenden und Ferien habe Paul-Henri gerne in der grünen Idylle verbracht, viel Tennis habe er gespielt. Dabei hätten sich die Dorfkinder ein wenig lustig über seinen Brüsseler Akzent gemacht. Auch König Baudouin sei als kleiner Junge oft in Godinne gewesen. Genau gegenüber von dem Haus habe er in der Maas geangelt, berichtet er weiter. Das würden Fotos belegen, die er vor einigen Jahren während einer Ausstellung in Augenschein genommen habe. Weiter berichtet er, dass Belgiens politische Urgesteine in der „Spaak-Residenz“ ein- und ausgegangen seien. Im Jahr 1931 habe die Familie sodann das Haus verkauft, das im Laufe seiner langjährigen Geschichte eine Poststation und ein Altenheim war. Glücklicherweise sei die authentische Architektur des Hauses erhalten geblieben, und heute wie zu Paul-Henri Spaaks Zeiten, wieder mit viel Leben und Gastlichkeit erfüllt.

Obwohl das Anwesen nach wie vor von einem Hauch von Luxus umgeben ist, wirkt es keineswegs abgehoben. Edle Materialien, wie die von Mönchen verlegten Holztreppen, die bereits Paul-Henri bewunderte, treffen auf eine zeitgemäße Gemütlichkeit. Dabei stört kein Straßenlärm die private Atmosphäre. So wie es Belgiens großer Staatsmann getan hat, kann man hier wundervoll abtauchen und die Seele baumeln lassen. Und in dieser Oase der Ruhe fand Gaëtan zusammen mit Isabelle sein neues Karriereglück, ein Glück, das er mit den Hinterbliebenen der Spaak-Familie in deren ehemaligem Haus mal gerne teilen würde. Und dass er sie dann gastronomisch verwöhnen würde, steht außer Frage. „Vielleicht besucht uns ja mal jemand aus der Familie Spaak, wir würden uns auf jeden Fall freuen“, sagt Gaëtan Colin, der in dem Haus außer seiner neuen beruflichen Herausforderung, täglich neue (Koch-) Inspirationen findet.

Infos:

Le Richmond
39 Rue Grande,
5530 Godinne

Email: reservation@lerichmond.be
GSM: 0032 (0) 497/41 01 41

Text und Fotos: Heide Newson

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