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Tamara Bach exklusiv an der iDSB

Tromm3Von Friedhelm Tromm.

Sie hat den Deutscher Jugendliteraturpreis, den Deutsch-französischer Jugendbuchpreis und viele andere Auszeichnungen erhalten. Am 12. Oktober präsentierte die mehrfach preisgekrönte Autorin Tamara Bach in der internationalen Deutschen Schule (iDSB) einen Querschnitt aus ihrem Werk, vor allem aber eröffnete sie dabei Einblicke in ihr Leben als professionelle Erzählerin.

Der Weg zum Schreiben

„Ich wollte eigentlich nie Schriftstellerin werden“, berichtet sie zu Beginn mit entwaffnender Offenheit, „es war eine glückliche Verkettung von Umständen, die dazu führte. „Ursprünglich wollte ich etwas Sicheres“, erzählt sie, „und so habe ich Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert, aber dann kam alles ganz anders“.

Ihr erstes Werk entstand, als sie in England war, um dort zu unterrichten – nur nebenbei arbeitete sie an einem Roman. Ein Verlag war von dem Manuskript jedoch so begeistert, dass er es sofort in sein Programm aufnahm, und noch vor der Veröffentlichung des Textes erhielt das Buch den Oldenburger Kinder- und Jugendpreis. Inzwischen hat Tamara Bach fünf Bücher veröffentlicht – und rät dennoch allen potentiellen Autoren im Publikum: „Lernt oder studiert ruhig etwas ‚Richtiges’, dann seid ihr unabhängig. Sonst kann es euch passieren, dass ihr eines Tages die Geschichten anderer schreiben müsst anstatt eure eigenen“.

Eine Werkschau

Tromm1Tamara Bach liest an diesem Vormittag aus mehreren ihrer Romane, die aus ihrer Sicht bei aller Verschiedenheit eines gemeinsam haben: „Eigentlich handeln alle meine Bücher von dem Verlust der Unschuld, ‚Unschuld’ ist dabei nicht sexuell gemeint“, erläutert sie, sondern „es geht um den Punkt, an dem sich plötzlich etwas ändert im Leben eines Menschen, an dem er eine neue Erfahrung macht, die beglückend, aber auch verstörend sein kann.“

Wie in ihrem Debut „Marsmädchen“, in dem sich zwischen der 15-jährigen Mirjam und der etwa gleichaltrigen Laura eine unerwartet enge Beziehung entwickelt, die zuerst die Protagonistin selbst und dann ihre Schulkameraden mächtig irritiert. Oder in „Jetzt ist hier“, in der die Freunde Zanker, Bowie, Mono und Fienchen zu Silvester gemeinsam gute Vorsätze fassen – und dann doch erfahren müssen, wie schwer diese umzusetzen sind.
In „Was vom Sommer übrig ist“ schließlich nimmt sich Louise viel für ihre Sommerferien vor, doch längst nicht alles gelingt. Stattdessen begegnet ihr immer wieder diese seltsame Jana, die ihr wie ein Schatten folgt.

Aus der ‚Werkstatt’

Tamara Bach unterbricht ihre Lesung immer wieder, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen und ermuntert das Publikum, sich zu äußern. „Haben Sie diese Geschichten selbst erlebt?“, ist eine der ersten Fragen, die die Schüler stellen. – „Ist das überhaupt wichtig?“, entgegnet Tamara Bach und erläutert dazu: „Natürlich sind wir alle die Summe unserer Erfahrungen, aber einfach mein Leben zu erzählen, das wäre relativ langweilig“, und fügt hinzu: „Wichtig ist mir jedoch, Geschichten zu erzählen, die glaubwürdig wirken, vor allem die Charaktere müssen stimmen, dann ergibt sich der Rest oft wie von selbst.“

Tromm2„Wie schreiben Sie denn?“, lautet die nächste Frage. – „Meistens nachts“, meint sie lächelnd, „da wird man nicht abgelenkt“, und erzählt weiter: „Bei mir zu Hause liegen überall Notizbücher herum, falls mir etwas einfällt, am liebsten hätte ich ja auch in der Dusche einen Edding. Man sammelt erstmal Ideen, diese wirken wie Magnete, die anderes anziehen, und daraus entsteht allmählich eine Handlung. Irgendwann kriegt man ein Gefühl dafür, wie eine gute Geschichte aufgebaut ist. Manche schreiben jeden Tag ein bestimmtes Pensum, das schaffe ich nicht, aber ich reiße mich schließlich doch zusammen – ich bin tatsächlich ziemlich gut darin, mich selbst zu treten.“ Offenbar am Ende mit Erfolg, sonst hätte sie wohl kaum so viele Bücher fertigstellen können, und die nächsten sind bereits in Arbeit.Als sie ihr erstes Buch schrieb, gab es in der Welt der Jugendlichen weder Smartphones noch das Internet, so dass manches Detail auf heutige Leser fast schon nostalgisch wirken muss, die Bedingungen, unter denen Teenager heute groß werden, verändern sich teilweise rasant. Dass es Tamara Bach ein großes Bedürfnis ist, mit ihren Lesern in Kontakt zu bleiben, war an diesem Tag deutlich zu spüren.

Bericht und Fotos: Friedhelm Tromm

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