Das Land, Tourismus

Staycation – Wanderungen durch die Mark Brabant

Von Michael Stabenow.

Als „Wanderprovinz“ bezeichnet sich die Brüssel umringende Provinz Flämisch-Brabant. Untermauern soll diesen Ruf eine Broschüre mit dem Titel „Wandelen in Vlaams Brabant, da´s BUITEN gewoon“. Sie enthält Beschreibungen zu nicht weniger als 24 Rundwanderungen.

Wer die Wanderschuhe schnürt, spürt rasch, dass die Selbstbeweihräucherung der Provinz nicht jeglicher Grundlage entbehrt. Die vorgeschlagen Routen vermitteln eindrucksvoll die landschaftliche und kulturelle Vielfalt einer Region, die viele Bewohner Brüssels nur vom Durchfahren kennen. Zu den Routen zählen einige „Klassiker“, wie die „Warande-Wanderung“ rings um das renovierte Afrika-Museum in Tervuren oder die „Königliche Wanderung“ im nahegelegenen Wald „Arboretum“. Nur Eingeweihten bekannt sein, dürften hingegen die vorgeschlagenen Rundwanderungen in Galmaarden oder Landen.

Nachstehend finden sich Eindrücke von fünf in der Broschüre aufgeführten Wanderrouten. Da die Wege oft auf und ab, über Stock und Stein und manchmal durch auch im Sommer ausgesprochen feuchtes Gelände führen, ist festes Schuhwerk zu empfehlen. Viele der Wege, in Belgien nicht weiter verwunderlich, führen an Gaststätten unterschiedlichster Art vorbei. Damit auch in diesen Zeiten meist für das leibliche Wohl der Wanderer (und gemächlichen Spaziergänger) gesorgt ist. Ein Großteil der Routen ist durch die in Flandern üblichen rotweißen „Knotenpunkte“ markiert; in einigen Fällen muss man sich mit größeren sechseckigen – ebenfalls rot-weißen – Beschilderungen begnügen.

1. Antitankgrachtwandeling (Länge: 11,7 Kilometer, Ausgangspunkt: Sporthal Den Dijk, Dijkstraat 1, 3150 Wespelaar)

Benannt ist der Rundweg nach einem kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dem Überfall Deutschlands auf Belgien  ausgehobenen Panzerabwehrgraben. Daran führt die Route, die zum Teil durch ein Naturschutzgebiet verläuft, über gut drei Kilometer entlang. Man sollte sich nicht durch den eher unattraktiven Startpunkt an einem Sportkomplex und die ersten hundert Meter entlang einer Hauptstraße entmutigen lassen. Rasch biegt die flache Wanderroute rechts ab in ein verwunschen wirkendes Waldgebiet, in dem allenfalls Warnhinweise zu einem „aggressiven Mäusebussard“ das idyllische Bild ein wenig trüben. Anschließend führt der Weg durch das Zentrum des Städtchens Haacht mit seiner Sint-Remigius-Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Aus der Ortsmitte kommend erreicht man über freies Gelände und nicht asphaltierte Wege den Panzerabwehrgraben. Das letzte Teilstück des Weges führt, zum Teil über Knüppeldämme an kleinen Gewässern entlang, wieder durch den Wald zum Ausgangspunkt zurück.

2. Broekemwandeling (Länge: 10 Kilometer, Ausgangspunkt: Kasteel van Horst, Horststraat 28, 3220 Sint-Pieters-Rode)

Das beeindruckende, wegen Renovierungsarbeiten voraussichtlich erst 2024 wieder für Besucher zugängliche mittelalterliche Wasserschloss von Horst bildet den Ausgangspunkt für eine ausgedehnte Wanderung, meist auf Feld- und Waldwegen. Höhepunkt – in doppelter Hinsicht – ist der im Südosten der Route gelegene „Troostemberg“-Mischwald. Das Naturschutzgebiet ist nach der gleichnamigen Familie benannt, die das Waldgebiet mit seinen Hohlwegen vor einigen Jahrzehnten für Besucher freigegeben hat. In einem versteckten Winkel befindet sich die, jeweils Donnerstag bis Sonntag geöffnete, Brasserie „Gempemolen“. Dort können Ausflügler etwas mehr Ruhe finden als in der gelegentlich – vor allem an Wochenenden – überlaufenen Gartenwirtschaft am Schloss von Horst.

3. Kruisborrewandeling (Länge: 9 Kilometer, Ausgangspunkt: Hopmarkt, 1730 Asse)

Auf den ersten Blick wirkt das, vor den nordwestlichen Toren Brüssels gelegene, Städtchen Asse wie ein Ort, den Fußgänger absolut meiden sollten. Doch der hässliche Eindruck der von Läden, Tankstellen  und Werkstätten gesäumten Anfahrtsstraße zum Zentrum trügt. Nach den ersten hundert, durch Wohnstraßen führenden Metern, erwarten den Wanderer weitgehend nicht asphaltierte Wege durch hügeliges und fruchtbares Ackerland, gesäumt von Weiden und Bauernhöfen. Es liegt mehr als ein Hauch von „Pajottenland“ in der Luft – jenem weiter südlich gelegenen und ebenfalls mit einem sehr guten Wanderwegenetz lockenden Brabanter Landstrich. Kern des Wanderwegs ist der auch als Wallfahrtsroute genutzte „Kapellekensweg“, der seinen Namen der Fülle kleiner Kapellen auf der Strecke verdankt. Hauptsehenswürdigkeit ist die aus dem Jahr 1622 stammende „Kruisborrekapel“, nach der die Rundwanderung benannt ist. Wer nicht in dem am Weg gelegenen Gasthof „De Koekoek“ einkehren möchte, gelangt alsbald zum Weiler Asbeek und über eine klassische belgische Kopfsteinpflasterstraße sowie anschließend querfeldein zum Ausgangspunkt in Asse zurück.

4. Norbertijnenwandeling (Länge: 9,1 Kilometer, Ausgangspunkt: Nobertijnenabtij Averdode, Abdijstraat 1, 3271 Averbode)

Der Ausgangspunkt befindet sich an der ursprünglich im Jahr 1135 gegründeten, prächtig renovierten Prämonstratenserabtei in Averbode. Dass der erste Teil, des in Form einer acht um die Abtei markierten Wegs, durch die Provinz Limburg führt, mag manche Flämisch-Brabant-Puristen ein wenig irritieren. Aber auch sie dürften rasch Gefallen an den meist über sandigen Wald- und Heidegrund führenden Wegen finden. Nach einem weiten Schlenker nach Osten geht es an einem flachen, auch von Radfahrern genutzten, breiten Weg zum Ausgangspunkt zurück. Während zur Linken große Teiche inmitten einer ausgedehnten Parkanlage auftauchen, geben rechts die Bäume an einigen Stellen prächtige Blicke auf die Abtei frei. Man kann in die Abteikirche hineinschauen oder in der nahegelegenen Gastwirtschaft sowie dem Laden mit örtlichen Bier- und Käsespezialitäten einen Zwischenstopp einlegen und kommt dann, nach dem Überqueren einer Hauptstraße, in ein hügeliges Naturschutzgebiet. Bei der Mischung aus Sandwegen, Kiefern, Eichen und kleinen Gewässern kann man fast vergessen, dass man in Belgien ist und nicht etwa irgendwo auf den Spuren von Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Da der Rundweg nicht nur weitgehend aus Naturpfaden besteht, sondern auch viel Schatten bietet, empfiehlt er sich besonders an heißen Sommertagen.

5. Wijngaardbergwandeling (Länge 7,3 Kilometer, Ausgangspunkt: Bezoekerscentrum van de Hagelandse Wijn, Kerkstraat 16, Wezemaal (Rotselaar)

Das nördlich und östlich von Löwen gelegene Hageland zeichnet sich in Zeiten der Erwärmung der Erdatmosphäre durch eine zunehmende Anzahl von Weinbergen aus. Dieser Rundweg, dessen Ausgangs- und Endpunkt sich im putzigen Ortskern des Dorfs Wezemaal befindet, veranschaulicht, dass man in der Region große Hoffnungen in den Rebensaft setzt. Kurz nach Verlassen der Dorfmitte führt der Weg zum steil aus der Ebene herausragenden „Wijngaardberg“, wo die Geschichte des Brabanter Weinbaus bis ins späte Mittelalter zurückreicht. Neben einem älteren Weinberg gibt es auch neue Anpflanzungen. Hinter einem bewaldeten Stück stößt man auf einem Plateau nicht nur auf Obstbäume, sondern auch eine rund 1,5 Kilometer lange, aus örtlichen rötlichen Eisensandsteinen im Jahr 1815 angehäufte „Weinmauer“. Diese soll die am Südhang des Hügels gelegenen Reben vor kalten Winden schützen. Der Rückweg über die Nordseite, an der sich ebenfalls manch schönes Panorama bietet, verläuft überwiegend durch bewaldetes Gebiet. Vor dem Abstieg nach Wezemaal führt der Weg zwischen Buchen hinauf zum meterhohen „Heilig Hart“-Standbild. Wo einst eine Windmühle stand, breitet seit 1926 ein unter den dem Eindruck der Grauen des Ersten Weltkriegs dort errichteter, steinerner Jesus seine Arme schützend über die in der Ebene wohnenden Dorfbewohner aus.

 

5. Windmolenwandeling (9,2 Kilometer, Ausgangspunkt: Onze-Lieve-Vrouwkerk, Koning Albertstraat 160, 1760 Onze-Lieve-Vrouw-Lombeek)

Ausgangspunkt ist die Kirche Onze-Lieve-Vrouwkerk. Ist sie geöffnet, lohnt sich ein Blick in das Innere auf das aus dem frühen 16.Jahrhundert stammende Marien-Altarretabel. Man verlässt – am Knotenpunkt 85 – das putzige Zentrum des Orts und folgt zunächst einem kleinen Bach durch ein Waldstückchen, danach wieder zur Hauptstraße zurück, von der ein asphaltierter Weg hinauf zur Windmühle „Hertboommolen“ führt. An der Mühle öffnet sich der Blick über die Hügellandschaft des Pajottenlandes. Die weitere Route führt – zunächst asphaltiert, später auf Feldwegen – durch Ackerland an zum Teil prächtigen Gehöften vorbei. Nach Überquerung der Hauptstraße wird das Gelände hügeliger und man erreicht über ein etwas verwildertes Waldstück schließlich wieder den Ausgangspunkt im Ortskern und dort die eine oder andere Einkehrmöglichkeit.

Knotenpunkte: 85-8-83-88-801-816-800-815-232-24-25-21-22-2-162-166-169-84-85.

 

 

6. Lintersewandeling (9,2 Kilometer, Ausgangspunkt: Stationsplein, 3350 Drieslinter)

Der Ausflug in den Osten der Provinz Flämisch-Brabant bietet landschaftliche Reize und überwiegend nicht asphaltierte Wege. Das Areal ist auch gut für kleinere Kinder geeignet, da es an einigen Stellen Spielplätze gibt.

Der Ausgangs- und Endpunkt befindet sich an der Gaststätte „De Smed“. Nach einem kurzen Abstecher durch ein Waldstück geht es auf freier Strecke nach Südwesten entlang der „Grote Gete“. Am Knotenpunkt 103 überquert man den kleinen Fluss nach Norden. Der Weg führt jetzt bald durch bebautes Gelände und anschließend durch Obstplantagen ringsum die Kirche im Ortsteil Neerlinter und dann weiter in östlicher Richtung. Von der Hauptstraße aus gelangt man nach Süden in ein Naturschutzgebiet. Das abschließende Stück führt nach der Überquerung der „Grote Gete“ durch ein unbesiedeltes Auen- und Waldgebiet wieder an die „Grote Gete“ und dort über eine moderne, leicht schwankende Hängebrücke wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Auf Wandersleute mit kleineren Schuhgrößen und weniger Lust auf große Entfernungen ist der „Avonturenpad Getevallei“ gemünzt. Der dazugehörige Rundweg ist 3,7 Kilometer lang.

Knotenpunkte: 1-140-100-101-102-103-104-106-105-11-139-138-101-19-10-1.

7. Van Berg tot Bergwandeling (10,7 Kilometer, Ausgangspunkt: Onze-Lieve-Vrouwekerk, Bergstraat, 3390 Tielt-Winge)

Dieser ausgesprochen schöne, auch für Hitzetage geeignete Rundweg beginnt und endet an der Kirche im Ortsteil Tielt. Er überrascht durch die Vielfalt des östlich von Löwen gelegenen Hagelandes. Das erste Stück führt in und durch den Walenbos, einen vor zwei Jahrhunderten aufgeforsteten Laubwald mit einer Reihe schöner Lichtungen. Auch im Sommer präsentiert sich der Untergrund an einigen Stellen reichlich feucht. Nach Verlassen des Waldes gelangt man zum Ortsteil Houwaart. Zum Glück biegt die Route nach einigen hundert Metern von der Hauptstraße nach links ab. Schnell wird man entschädigt durch den Anblick eines größeren Weinbergs, an dessen Rand es durch ein Waldstück steil nach oben geht. Auf dem Plateau findet sich ein weiterer Weinberg mit verschiedenen Rebsorten. Das letzte Teilstück führt zunächst talwärts und dann in einem Waldstück steil nach oben, wo man den höchsten Punkt erreicht – immerhin 94 Meter über dem Meeresspiegel und damit 71 Meter höher als der niedrigste Punkt der Wanderung. Abermals geht es an Reben vorbei und entlang von Getreidefeldern, ehe im Osten wieder die Kirche von Tielt auftaucht.

Knotenpunkte: 2-22-23-243-241-242-231-229-230-226-225-157-222-221-21-2.

 

 

 

8. Der Dreiklang von Holsbeek (14,7 Kilometer, Ausgangspunkt: Sint-Mauruskerk, Sint-Maurusstraat,3220 Holsbeek)

Dieser fast 15 Kilometer lange Rundweg erfordert einiges Geh- und Stehvermögen. Ausgangspunkt ist die Kirche Sint-Maurus im Ortskern von Holsbeek. Rasch kommt man von der Straße auf einen durch Felder führenden Weg, der durch ein Naturschutzgebiet entlang des Bachs Winge in einen Mischwald hineinführt. Der zweite Abschnitt (zwischen Holsbeek und Kortrijk-Dutsel) führt zunächst bergauf und eröffnet weite Ausblicke auf Acker- und Weideland. Aufmerksamen Wanderern wird wenig später ein ausgeschachteter Graben auffallen; er soll bei heftigen Niederschlägen das Wasser zurückhalten und der Bildung von Schlammlawinen entgegenwirken. Auf zum Teil schmalen Pfaden erreicht man einen Parkplatz, der als Ausgangspunkt für kleinere Rundwanderungen im nahegelegenen Wald „Chartreusebos“ dient. Der Weg verläuft erst steil in den Wald hinein, ehe er in nördlicher Richtung abfällt. Schließlich –  nach insgesamt gut drei Stunden reiner Gehzeit – erreicht man wieder den Ortskern von Holsbeek mit mehreren Gaststätten.

Knotenpunkte: 1-11-16-104-105-602-601-129-130-126-122-121-119-118-117-52-57-114-113-109-110-17-11-1.

 

 

 

9. Rundweg in Bonlez (ca. 1,5 Stunden, Ausgangspunkt: Parkplatz Rue d´Enhaut, 1325 Bonlez)

Die Provinz Wallonisch-Brabant bietet mit ihrer abwechslungsreichen, oft hügeligen Landschaft sowie ausgedehnten Wäldern und Ackerland hervorragende Wandermöglichkeiten. Allerdings haben es nicht ortskundige Fußgänger nicht leicht mit der Orientierung – auch wenn es inzwischen eine Reihe von Wanderführern und Broschüren mit Vorschlägen für Wanderungen gibt.

Der Rundweg des im Herzen der „Brabanter Ardennen“ gelegenen Dorfs Bonlez vermittelt einen guten Eindruck von den Reizen dieses südlich von Wavre gelegenen Landstrichs. Er weist einige Ähnlichkeiten mit einer englischen Hügellandschaft auf. Ausgangspunkt ist der unterhalb der Kirche gelegenen Parkplatz. Vor dort nimmt man die Straße nach rechts, überquert den Bach „Le Train“ und geht bergauf bis zur Weggabelung mit der Pumpe. Dort halblinks weiter auf einen in den Wald führenden Hohlweg. Am Ende des Waldwegs geht es rechts auf eine asphaltierte Straße, an der eine kleine Kapelle und ein rosafarbener Gebäudekomplex mit einer ehemaligen Fischzucht liegen.  Die Straße geht schnell in einen Kopfsteinpflaster- und anschließend, vorbei an einem Reitstall, in einen Waldweg über. Nach etwa 1km nimmt man den rechtsab in den Wald führenden „Sentier de la Grange au Sart“. Nach einigen hundert Metern trifft der Wandernde auf einen Betonweg, der aber schnell einem angenehmen Weg weicht, der vorbei an Feldern wieder in den Wald führt. Die leicht bergab gehende Straße führt letztlich wieder in den Ortskern von Bonlez.

 

10. Bertemboswandeling (Länge: 7,2 Kilometer, Ausgangspunkt: Bosstraat, auf Höhe der Hausnummer 187, 3060 Bertem)

Der Rundweg verläuft zunächst durch einen Hohlweg und danach an Weiden vorbei in ein bewaldetes Gebiet (Eikenbos). Auf dem Plateau mit schönem Ausblicken auf das Brabanter Hügelland befindet sich die imposante „Belgocontrol“-Radaranlage zur Überwachung des Flugverkehrs. Jüngere Zeitgenossen dürften sich mehr für die daneben gelegenen großen Spielplatz „’t Vossenhol“ interessieren. Von dort geht es auf einem geraden Hohlweg und, teilweise, unbequemem Kopfsteinpflaster hinab in eine für diesen Landstrich typische Wohnsiedlung. Nach dem Überqueren der Bosstraat gelangt man rasch auf einen Feldweg und anschließend in den eigentlichen Bertembos. Es ist ein unberührt wirkender Mischwald, der dem Spaziergänger manches Auf und Ab abverlangt. Wer im Frühling hierher kommt, wird sich an üppig blühenden weißen Waldanemonen erfreuen können. Der Waldweg mündet wieder auf die Bosstraat, an der man einige hundert Meter entlang gehen muss. Entschädigt wird man durch einen Kopfsteinpflasterweg, der an einem Bauernhof und einigen, zum Teil etwas verwunschenen Häusern vorbei zum Ausgangspunkt zurückführt.

11. Halewijnwandeling (Länge: 11,3 Kilometer, Ausgangspunkt: Oud Hospital, Paardenbrugstraat, 3440 Zoutleeuw).

Die Wanderung führt aus dem Ortskern des Kleinstädtchens Zoutleeuw heraus und rings um den als größten natürlichen Binnensee Flanderns gepriesenen „Het Vinne“. Er ist rund 100 Hektar groß – aber derzeit leider ausgetrocknet und von Baggern besiedelt. Ziel der umfassenden Sanierungsarbeiten ist es, die Boden- und Wasserqualität und die Lebensbedingungen für die vielfältige Fauna und Flora zu verbessern. Ende März 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Für den etwas trostlosen Anblick wird man durch einen zum Teil durch Waldgebiet, aber auch entlang von Birnenplantagen führenden Weg entschädigt. Als Ausgangspunkt kann auch das Informations- und Besucherzentrum am westlichen „Ufer“ dienen. Es bietet neben einer großen Gastwirtschaft einen noch größeren Spielplatz sowie Bienengehäuse und einen Gewürzgarten. Für kulturell interessierte Besucher empfiehlt sich der Start und Endpunkt der Wanderung im historischen Zentrum Zoutleeuws.

Sehenswert Hauptattraktion ist zweifellos der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Rathausbau. Glanzpunkt ist die St.Leonardus-Kirche. Da sie vom Bildersturm des 16. Jahrhunderts verschont blieb, beherbergt die bis zum heutigen Tag beeindruckende, spätgotische Kunstschätze. Dazu zählen neben Altarbildern und Malereien ein 1552 vollendeter, 18 Meter hoher Sakramentsturm. (Öffnungszeiten bis Ende September täglich von 14 bis 17 Uhr, im Oktober an Wochenenden von 14 bis 17 Uhr, von November bis März nur jeweils am ersten Sonntag des jeweiligen Monats).

12. Koninklijke Wandeling (Länge: 7,5 Kilometer, Ausgangspunkt: Parking Vlaktedreef, 3080 Tervuren)

Sie ist der Klassiker unter den Rundwegen im Großraum Brüssel. Die „Königliche Wanderung“ ist eine der positiven Hinterlassenschaften von König Leopold II., der für seine brutale Kolonialherrschaft im Kongo zuletzt kräftig in Verruf geraten ist. Der vorgeschlagene Weg beginnt an dem zwischen Tervuren und Jezus-Eik gelegenen Parkplatz und führt durch das den östlichen Rand des Forêt des Signes/Zoniënwoud bildende „Arboretum“. Es wartet nicht nur mit Buchen, Eichen und Nadelhölzern, sondern auch mit einer Reihe exotischer Baumarten auf. Sollte im Winter, was zuletzt selten geworden ist, Schnee liegen, ist der an der Kapucijnendreef gelegene Rodelabhang zu empfehlen.

13. Margijswandeling (Länge: 8,3 Kilometer, Ausgangspunkt: Schloss von Neerijse, Lindenhoflaan 3, 3040 Neerijse)

An den Ufern der Dijle und der kleineren Ijse verläuft dieser schöne Rundweg. Er führt zunächst nach Osten in das sumpfige Naturschutzgebiet „De Doode Beemde“. Ein Knüppeldamm sorgt in feuchteren Jahreszeiten dafür, dass man trockenen Fußes die Ufer der meist ordentlich Wasser führenden Dijle erreicht. Von dort geht es durch oft feuchte Auen nach Süden, bis man die Straße Neerijsebaan erreicht. Ihr muss man 900 Meter auf einem Fuß- bzw. Radweg folgen, ehe es zwischen Feldern bergauf in den unberührt wirkenden Margijsbos geht. Nach dem Abstieg geht es rund zwei Kilometer nach Nordosten entlang der Ijse zum Ausganspunkt zurück.

14. Schavaaiwandeling (Länge: 7,8 Kilometer, Ausgangspunkt: Sint-Hilariuskerk, Dorpsstraat 26, 3360 Bierbeek)

Bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts reichen die Ursprünge der im Zentrum Bierbeeks gelegenen St.Hilarius-Kirche zurück. Der noch romanische Elemente aufweisende Bau ist Ausgangspunkt für die knapp acht Kilometer lange „Schavaaiwandeling“. Auf einem kleinen Pfad verlässt man in südlicher Richtung den Kirchenvorplatz und geht zunächst an einem Bach durch ein Wäldchen, ehe es zwischen den Feldern, zum Teil durch Hohlwege geht. Daran schließen sich rund 3,5 Kilometer durch ein Waldgebiet an, das „Meerdaalwoud“ an. Eine am Knotenpunkt 72 gelegene Holzhütte, von der aus sich ein Ausblick auf die tiefer gelegene Landschaft eröffnet, ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten für Besucher gesperrt. Wer noch einige Kilometer dranhängen will, dem sei das ausgedehnte Wegenetz im Wald empfohlen.

15. Auf den Spuren von Heinrich Böll und Hans-Werner Richter (Länge: 8,3 Kilometer, Ausgangspunkt: Parkplatz an der Kirche von Overijse-Terlanen, Bollestraat, 3090 Overijse)

Oberhalb von Overijse breitet sich das Plateau „Terlanenveld“ mit Ackerland und schönen Ausblicken bis nach Löwen und Wallonien aus. Dass hier gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ein 200 Hektar großes britisches Kriegsgefangenenlager mit der Bezeichnung „POW 2228“ lag, wussten bis vor Kurzem auch nur wenige Einheimische. Das hat sich jetzt geändert. Anlässlich des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Gelände zahlreiche Informationstafeln aufgestellt. Sie geben Aufschluss über die Geschichte des Lagers. Zu den prominenten Insassen gehörten, die deutschen Schriftsteller Hans-Werner Richter und Heinrich Böll.

Als Ausgangspunkt für den Rundweg eignet sich der an der Sint-Michielskerk des Ortsteils Terlanen gelegene Parkplatz (Knotenpunkt 311). Der Weg führt zunächst entlang der Bollestraat leicht bergauf. An der Linkskurve, wo ein steiler, von Radfahrern gleichermaßen geschätzter wie auch verfluchter Anstieg beginnt, geradeaus den Kopfsteinpflasterweg nehmen. Über die Knotenpunkte 256, 257 und 258 gelangt man in ein langestrecktes idyllisches Tal (Varendelle).

Anschließend schlängelt sich der Weg nach oben, ehe man am Knotenpunkt 259 auf einen Betonweg stößt. Dort nach links und an einem Bauernhof vorbei – dann weitet sich der Blick auf das Gelände des einstigen Lagers, wo es nicht nur im Winter reichlich zugig und unwirtlich sein kann. Zwischen den Feldern geht es weiter über die Knotenpunkte 38 und 37 bis zu dem unweit eines zuweilen sehr lebhaften Hundeheims gelegenen Punkt 309. Dort Richtung Punkt 308 den in dieser Region obligatorischen, aber nur kurzen Kopfsteinpflasterweg nehmen. Auf angenehmerem Untergrund geht es weiter durch die Felder, über denen gelegentlich Mäusebussarde kreisen. Nach der Überquerung der Hauptstraße zwischen Tombeek und Terlanen führt Richtung Knotenpunkt 252 eine nicht asphaltierte Straße über die Lane und am imposanten einstigen Vierkanter-Bauernhof „Bilande“ vorbei.

Über die nahe beieinander gelegenen Knotenpunkte 252, 251, 250 und 263 erreicht man wieder Terlanen. Im Ortskern, nahe der Kirche und dem Endpunkt 311, befindet sich die unlängst eröffnete, bei Radfahrern und Wanderern beliebte putzige Kneipe „Het klein Verzet“.

16. Die Runde von Ottenburg (Länge: 13,8 Kilometer, Ausgangspunkt: Parkplatz an der Kirche von Overijse-Terlanen, Bollestraat, 3090 Overijse)

Ottenburg grenzt direkt an die wallonische Region. Es bietet eine landschaftliche Vielfalt wie nur wenige andere Orte in Flämisch-Brabant. Einen guten Eindruck davon vermittelt dieser ebenfalls an der Kirche von Overijse-Terlanen beginnende, fast 14 Kilometer lange Rundweg. Er führt zunächst vom Knotenpunkt 311 rund einen halben Kilometer in südlicher Richtung zu den Knotenpunkten 310, 263.  Dort links in einen schmalen Feldweg in Richtung des Knotenpunkts 249 einbiegen. Der Weg führt sehr steil in den hier als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Sint-Agatha-Rode-Bos. Auf der Höhe überwiegen neben Kiefernbestand Heide und Sandböden.

Nach rund einem Kilometer verlässt man den Wald, überquert die Hauptstraße und geht auf die Knotenpunkt 248  und 247 zu.  An Wohnwagen und ein paar neueren Häusern vorbei geht es zum Punkt 246 durch ein bewaldetes Gebiet, ehe der Weg talwärts und dann über eine Straße wieder durch Weiden weiter wieder bergauf führt. Am Punkt 245 biegt man rechts ab und folgt dann am Punkt 244 nach links fast einen Kilometer lang der Tommestraat bis zum Punkt 243.

Entschädigt wird man durch ein sich anschließendes, fast vier Kilometer langes Teilstück (Knotenpunkte 242, 241,240). Die Route ist praktisch durch kein Gebäude gesäumt und wirkt mit ihrer Mischung aus Wald und Agrarland sehr ursprünglich. Der Weg führt anschließend talwärts und mündet in die Florivalstraat ein. Hier biegen wir links ein und folgen der Straße einige hundert Meter, ehe ein Kopfsteinpflastersträßchen rechts bergauf führt. Am Knotenpunkt 240 rechts gehen. Der Weg verläuft durch Felder und dann an einer etwas weiter rechts gelegen Obstbaumplantage vorbei zum Knotenpunkt 239.

Dann erreichen wird den am Ostrand des Sint-Agatha-Rode-Bos gelegenen Knotenpunkt 238. Im Wald schlängelt sich der Weg dann rechterhand bergab, ehe wir nach 700 Metern den Knotenpunkt 255 erreichen und nach links abzweigen. Beim Verlassen des Waldes zeigt sich hinter dem ersten Gebäude rechterhand ein verwunschen wirkender großer Teich. Der flache Weg führt zum Knotenpunkt 263 und von dort nach rechts nach einigen hundert Meter zur Kirche von Terlanen zurück.

17. Auf und ab in den „Flämischen Ardennen“ (Länge: über 13 Kilometer, Ausgangspunkt: Parkplatz neben der Sint-Jozefskerk, Muiterij, 9660 Everbeek (Brakel)) (https://www.wandelknooppunt.be/nl/routes/region/vlaamseardennen/routedetail/174)

Die „Flämische Ardennen“ sind ein Wallfahrtsort für Radsportfans aus aller Welt. Hier, südlich des mittelalterlichen Scheldestädtchens Oudenaarde, liegen die mythischen Steigungen der „Ronde van Vlaanderen“(Flandern-Rundfahrt) wie der Oude Kwaremont, der Koppenberg oder auch ein besonders giftiger Anstieg namens Paterberg. Aber nicht nur Zeitgenossen auf zwei Rädern, auch Wandersleuten auf zwei Beinen bietet das Hügelland der Provinz Ostflandern eine große Auswahl landschaftlich reizvoller Wege. Einer davon ist ein mehr als 13 Kilometer langer Rundweg. Ein geeigneter Ausgangs- und Endpunkt ist die auf einem Plateau gelegenen Kirche des Ortsteile Everbeek-Boven (bitte die Route im Uhrzeigerzinn, beginnend mit den Knotenpunkten 1 und 5, benutzen). Der Weg verläuft zunächst mit einem Schlenker in nördlicher und östlicher Richtung durch Weiden mit schönen Ausblicken auf die Hügellandschaft. Danach geht es allmählich – Richtung Süden – abwärts, zum Teil auch durch waldiges Gebiet und später an einem Wasserlauf entlang. Im Kern des Ortsteils EverbeekBeneden scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Über ebenes Gelände durchkreuzt der Weg anschließend Ackerland und Weiden. Wer sich nach einer Sitzgelegenheit für eine Rast gesehnt hat, wird an der „Pijskapel“ sogar mit zwei Bänken belohnt. Hier befindet sich die Ruine der gleichnamigen Kapelle, die drei Söhne von Everbeek nach der Rückkehr vom Russlandfeldzug wohl im Jahr 1812 aus Dank für ihre wohlbehaltene Heimkehr errichten ließen. Anschließend geht es nach einigen hundert Metern durch kleine Wege und zum Teil waldiges Gebiet wieder bergauf, ehe man wieder den in 107 Meter Seehöhe gelegenen Ausgangspunkt in Everbeek-Boven erreicht.

18. Abstecher in die Provinz Namur: Nicht nur etwas für Pferdenarren (Länge: 12 Kilometer, Ausgangspunkt: Eglise Saint-Maximin, Chaussée de Gramptinne, 5340 Gesves (https://issuu.com/optnticbxl/docs/wallonie_insolite_15_balades_famili?e=2072161/67714 812, S.56 der Broschüre)

Pferdenarren ist der Ort Gesves, rund 20 Kilometer Luftlinie südöstlich von Namur gelegen, ein Begriff. Mehrere Reitschulen und der Reiterverband für Wallonien und Brüssel (LEWB) sind hier beheimatet. Aber auch wer in dem Hügelland zu Fuß unterwegs ist, kommt rings um Gesves auf seine Kosten. Ausgangspunkt des 13 Kilometer langen und meist gut gelbweiß markierten Rundwegs über Stock und Stein ist der Parkplatz an der Kirche im Zentrum des alten Ortskerns von Gesves. Nach ein paar Schritten bergab in nördlicher Richtung biegt man in einen Waldweg ein. Schon nach wenigen Minuten steht auf einer steil ansteigenden Straße ein erster Konditionstest an. Dafür wird man anschließend durch einen schönen Ausblick auf das Samson-Tal und das umliegende Hügelland entschädigt. Hier kommt man an den ersten Kunstwerken des Projekts „Sentiers d´art“ örtlicher Künstler (www.lafetedemai.org) vorbei, die an mehreren Stellen des Rundwegs aufgestellt sind. Durch waldiges Gebiet nähert man sich der einzigen unübersichtlichen Stelle des Rundwegs. Nach dem Passieren einer links des Weges gelegene Gedenkstelle an die Kriegswirren des Jahres 1944 verläuft der Weg leicht talwärts bis zu einer asphaltierten Straße. Wer dort ein paar Schritte nach rechts geht und dann wieder in waldiges Gebiet abbiegt, ist auf dem richtigen Weg zum Samson-Tal. Nach knapp drei Stunden Gehzeit ist der Ausgangspunkt der abwechslungsreichen Rundwanderung wieder erreicht.

19. Mene- en Jordaanwandeling (Länge: 9 Kilometer, Ausgangspunkt: Sint-Ermelindiskerk, Sint-Laurentiusstraat 4, 3320 Meldert)

Obwohl Auto- und Eisenbahnstrecken nur ein paar Steinwürfe entfernt liegen, vermittelt dieser in der Nähe von Tienen und Hoegaarden gelegene Rundweg Ruhe und Gelassenheit. Ausgangspunkt der mit rot-weißen Schildern gut gekennzeichneten Wanderroute ist Zentrum des Dorfes Meldert. Acker- und Weideland sowie Obstplantagen beherrschen die leicht hügelige Landschaft. Oberhalb des Bachs Mene geht es in nordöstlicher Richtung zum Weiler Hoksem. Nach dem Aussichtspunkt „Pallox“ ist die Sint-Janskerk der Blickfang in Hoksem. Ihr romanischer Westturm stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im großen Bogen führt die Route, zum Teil durch Waldgebiet und auf nur von wenigen Gehöften gesäumten Wegen, zurück in das Zentrum von Meldert.

 

Fotos: Michael Stabenow

Die Veröffentlichung ist über das Internet (kostenlose zuzüglich Versandkosten von 2,76 Euro) unter https://www.toerismevlaamsbrabant.be/thema/dewandelprovincie/ ,aber auch in Gemeindeverwaltungen der Provinz (dort kostenlos) zu beziehen.

Genaue Routenbeschreibungen finden sich unter dem Link.

Weitere Wanderweginfos https://www.toerismevlaamsbrabant.be/hoofdthema/wandelen/

 

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