Selbsterfahrungsgruppe Verkehrsteilnehmer

DownloadDas Leben in Brüssel hält einige spannende Neuentdeckungen bereit. Ich selber stamme aus einem kleinen Städtchen in der Nähe von Düsseldorf. Rüpelhaftes Fahrverhalten steht hier nicht auf der Tagesordnung. Staus auch nicht, und auch nicht zugestellte Kreuzungen. An die Verkehrssituation in Brüssel musste ich mich erst einmal gewöhnen. Dabei hatte ich gedacht, dass ich durch meine Fahrten in Köln oder Düsseldorf einiges gewohnt bin. Weit gefehlt!

Warum blinken in Brüssel eigentlich alle Autofahrer so wahnsinnig ungern? Wenn mal geblinkt wird, dann in den seltensten Fällen von einem Fahrzeug mit belgischem Nummernschild. Dabei wäre es in manchen Situationen recht hilfreich, besonders beim Verlassen eines Kreisverkehrs. Ständig wird gehupt, egal ob es dafür eine Berechtigung gibt oder nicht. Ich ertappe mich selber dabei, wenn das Fahrzeug vor mir an der Ampel nach dem Umschalten auf Grün nur einen Moment zögert, drücke ich auf die Hupe. Manche Eigenarten nimmt man wohl ganz gerne an.

Eine kleine Psychologie des Hupens

Es gibt unterschiedliche Arten des Hupens, das sachte Anstupsen, der Sinn ist in diesem Fall selten eindeutig geklärt. Das dynamische Hupen, eine deutliche Aufforderung endlich mal loszufahren und dann das aggressive Hupen. Dieses wird gerne benutzt, wenn der hupende Fahrer auf einen kleineren oder grösseren Stau trifft. Einfach mal von hinten hupen, egal ob es Sinn macht oder nicht.

Schneller löst sich durch dieses Hupen der Stau allerdings auch nicht auf.

Staus in Brüssel gibt es jeden Tag! Aber warum gerade am Dienstagmorgen eine Strasse verstaut ist, und zur gleichen Zeit am Mittwoch wieder recht gut befahrbar, bleibt ein Rätsel. Einen Zeitpuffer einzurechnen ist wirklich Gold wert!

Recht hat, wer das größere Auto fährt

Die rechts vor links Regel fällt mir immer noch schwer und den anderen Verkehrsteilnehmern offensichtlich auch. Hier liegt wohl das Fahrrecht bei dem, der das grössere Auto fährt. Diese Regel findet sich auch innerhalb grösserer Kreisverkehre wieder. Ich fahr einfach mal, es passiert schon nichts, die anderen werden schon bremsen. Ich wundere mich wirklich, warum ich fast keine Auffahrunfälle beobachte!

Dennoch besitzt eigentlich jedes fünfte Fahrzeug deutliche Kratzer oder Beulen. Wo kommen diese wohl her? Das Auto in Belgien ist eindeutig ein Gebrauchsgegenstand, die Stossstange wird beim Ein- und Ausparken auch als solche genutzt.

Ich selber entdecke regelmäßige neue kleine oder grössere Beulen oder Kratzer an meinen Auto, die wie aus dem Nichts einfach da sind. Leider verschwinden sie auch nicht genauso unmerklich, schade.

Von alten Damen und kleinen Parklücken

Vor ein paar Wochen beobachtete ich eine sehr alte Dame, wie sie versuchte, ihr genauso altes Auto in eine eigentlich viel zu kleine Parklücke herein zu zwängen. Dabei stieß sie so oft vorne und hinten an die parkenden Autos an, bis sie wirklich sehr gut und durchaus gerade in der kleinen Parklücke stand. Bei dem hinteren Fahrzeug handelte es sich leider um mein Auto.

Ganz im Geheimen verdächtige ich aber die Motorrad- und Rollerfahrer, die Kratzer an meinem Auto zu verursachen. Quetschen sie sich doch durch jede noch so kleine Lücke, sie erscheinen wie aus dem Nichts und sind auch genauso schnell wieder verschwunden. Bei diesem waghalsigen Hürdenlauf stockt mir immer kurz der Atem und ich bin froh, wenn die Gefahr gebannt ist. Auch die Fahrradfahrer sind nicht ganz ohne, ich bin immer dankbar, dass die meisten Fahrradfahrer eine Warnweste tragen und ich im letzten Moment das Hindernis erkenne und ihm ausweichen kann.

Auto fahren in Brüssel ist ein kleines Abenteuer, aber auch hier gilt die Regel, man gewöhnt sich an alles und taucht in den Strudel aus rüpelhaften Fahrverhalten einfach unmerklich mit ein! Gute Fahrt!

Miriam Thabea Pankarz

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