„Schutzwall“ statt Lockdown gegen Corona

Von Michael Stabenow.

Erneut sind in Belgien die Corona-Schutzvorkehrungen verschärft worden. Regierungnschef Alexander De Croo sprach von einem „Schutzwall“, der weitere Einschränkungen für Sport- und Kulturveranstaltungen, die Schließung von Freizeitparks sowie neue Vorgaben für Hochschulen, aber auch für Jugendcamps vorsieht. Für Wallonien und die Hauptstadtregion Brüssel wurden noch weiterreichende Einschränkungen beschlossen.

Wie nach der Sitzung des sogenannten Konzertierungsausschusses zu hören war, forderte einige Teilnehmende weitere Schritte in Richtung Lockdown. Premierminister Alexander De Croo hatte jedoch schon vor dem Treffen im Parlament klargestellt, dass es zunächst die Auswirkungen der bereits beschlossenen Maßnahmen abzuwarten gelte. Diese betrafen insbesondere die Schließung von Restaurants und Cafés sowie die Einschränkung auf einen „engen“ Kontakt außerhalb des eigenen Haushalts. Sollten die Infektionszahlen in den kommenden Tagen nicht deutlich sinken, wird der Konzertierungsausschuss sich nächste Woche wohl auf weitere Eingriffe verständigen müssen.

De Croo appellierte abermals an Bürgersinn und Eigenverantwortlichkeit bei der Befolgung der Schutzvorkehrungen, nicht zuletzt der Bestimmungen zur Maskenpflicht sowie der Abstands- und Hygieneregeln. „Die einzigen, die das Virus stoppen können, sind wir mit unserem Verhalten“, sagte der Regierungschef. Er verglich die inzwischen getroffenen Maßnahmen mit einem „Schutzwall“ gegen die weitere Ausbreitung des Virus.

Die am Samstag vorgelegten Zahlen zur Entwicklung der Pandemie deuten noch nicht auf eine Entspannung der Lage hin. So wurden im Schnitt der Woche vom 14. bis. 20. Oktober täglich 11.201 Neuinfektionen festgestellt. Dies entspricht einer Zunahme um 56 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die täglichen Krankenhausaufnahmen stiegen um 93 Prozent, die Zahl der Todesopfer pro Tag um immerhin 47 Prozent. Beide Entwicklungen geben derzeit keinen Grund zur Entwarnung. Der Virologe Steven Van Gucht, Sprecher des Corona-Krisenstabs, meinte am Freitag, ganz im Gegenteil, dass ein Anstieg der Neuinfektionen „in Richtung von täglich 20.000 wahrscheinlich“ sei. Dies hieße übertragen auf Deutschland rund 140.000 neue Fälle pro Tag.

Neue föderale und regionale Einschränkungen 

Die am Freitag bekanntgegebenen Einschränkungen sollen zunächst bis zum 19. November gelten. Für Kulturveranstaltungen gelten Maskenpflicht und eine Obergrenze von 200 Zuschauern. Wettbewerbe im Erwachsenen-Amateursport sind untersagt, während Veranstaltungen im Profisport fortan nur ohne Zuschauer stattfinden dürfen. Grund- und Oberschulen bleiben offen, während es für Hochschulen weitere Beschränkungen gibt. Freizeitparks sowie die Innenräumlichkeiten von Zoos – wie das Antwerpener Aquarium – müssen schließen. Im öffentlichen Nahverkehr sollen zu Stoßzeiten vermehrt auch private Busse verkehren, um der Überfüllung der öffentlichen Verkehrsmittel entgegenzuwirken. Wie der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo berichtete, soll die Kapazitätsauslastung im öffentlichen Nahverkehr nach Einführung der jüngsten Beschränkungen zu Wochenbeginn bereits von 70 auf 50 Prozent zurückgegangen sein. Dies könnte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass seither Telearbeit, wo nicht anders möglich, vorgeschrieben ist.

Am Freitag- und Samstagabend beschlossen sowohl die wallonische Region wie auch die Hauptstadtregion Brüssel zusätzliche Einschränkungen. So gilt dort fortan eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22 und 6 Uhr morgens, während es im Norden des Landes bei der geltenden Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens bleibt. Einkäufe sind nur zu zweit möglich. An französischsprachigen Hochschulen vorerst keinen Präsenzunterricht geben. Schließlich werden sportliche Aktivitäten – mit Ausnahme des Profisports – nur für Jugendliche bis 12 Jahre erlaubt sein.

In Brüssel ist zudem eine Schließung von Kinos, Theatern und Schwimmbädern angeordnet worden. Und auch für Kinder unter 12 Jahren gelten für den Sport drastische Einschränkungen. Öffentliche Ansammlungen von mehr als vier Personen sind in der Hauptstadt erstmal untersagt.

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