Das Land, Geschichte

Schaarbeek oder Schaerbeek? Brüsseler Ortsnamen und ihre Herkunft

Von Madeline Lutjeharms.

Vielen ist das wohl schon aufgefallen: manche Ortsnamen in Brüssel werden zweimal angegeben. Es besteht dann ein kleiner Unterschied in der Rechtschreibung wie bei Schaarbeek/ Schaerbeek oder gelegentlich auch ein großer, z.B. bei Oudergem/ Auderghem. Namen von anderen Gemeinden, wie Molenbeek oder Etterbeek, werden nur einmal angegeben. Was ist der Grund?

Alle die verschiedenen Formen sind Niederländisch – Brüssel liegt ja im niederländisch-sprachigen Gebiet Belgiens– und haben oft eine Bedeutung, die auch noch erkennbar ist. So steht beek beispielsweise für ‚Bach‘. Die Häufigkeit der Ortsnamen die auf beek enden zeigt, dass es in der Gegend der belgischen Hauptstadt mal viel Wasser gab. Auch der Name Brussel selbst hat einen Wasserbezug, er bedeutet „der Wohnort im Sumpf“- Broeksela. Broek ist jedoch ein veraltetes Wort und heute nicht mehr gebräuchlich. Elsene dagegen ist heute noch verständlich: els ist der Erlenbaum. Ursprünglich war es Elsele, also „Wohnort bei der Erle“.

Das Niederländische hat eine jahrhundertelange Tradition von Rechtsschreibreformen, größere und kleinere, die bis heute anhält. Eine größere Reform wurde 1946 in Belgien und 1947 in den Niederlanden durchgeführt. Aus mensch wurde damals mens, weil die Aussprache sich geändert hatte. Für die Angabe langer Vokale nutzte man nicht mehr e oder i, sondern die Doppelschreibung des Vokals, wie bei Watermaal, oder einen einfachen Buchstaben in einer sogenannten offenen Silbe, z.B. Laken, Sint-Joost-ten Node. Y wird in germanischen Wörtern durch i ersetzt: Heizel/Heysel, Veeweide/Veeweyde. Bei geographischen Bezeichnungen wurde diese Rechtschreibreform in den Niederlanden nicht durchgeführt. Im Norden wird noch heute Den Bosch oder ‘s-Hertogenbosch, Cadzand, Zutphen, Aerdenhout, Goirle …. geschrieben. Die geplante Änderung wurde damals zunächst aufgrund des Widerstands in der Bevölkerung verschoben und fand schließlich nie statt. In Belgien dagegen werden niederländische Ortsbezeichnungen seit 1946 nach der damals neuen Rechtschreibung geschrieben. In Brüssel schreibt man also heute auf Niederländisch Solbos, Schaarbeek oder Kantersteen. Im Französischen wurde die alte niederländische Rechtschreibung beibehalten: Solbosch, Schaerbeek, Cantersteen. Allerdings nicht immer systematisch.

Bei den Namen der Brüsseler Gemeinden bestehen im Französischen manchmal sprachliche Mischformen. So wurden alle Heiligennamen übersetzt: Berchem-Sainte-Agathe, Saint-Josse-ten-Noode, Woluwé-Saint-Pierre usw.. Watermael-Boisfort ist auch eine Zweisprachen-Mischform. Evere wird dagegen in beiden Sprachen gleich geschrieben, die Aussprache ist jedoch ziemlich anders durch die unterschiedliche Betonung (Niederländisch auf der ersten Silbe, Französisch auf der zweiten, wobei die letzte Silbe nicht ausgesprochen wird). Koekelberg wird auch im Französischen nach der neuen Rechtschreibung geschrieben. Im Mittelalter kommt Coeckelbergh vor, heute so nur als Nachname, im 18. Jh auch Koeckelberg.

Nachnamen als Bezeichnung für Straßen, Plätze oder Viertel, wie Dansaert oder Bockstael bleiben natürlich unverändert. Es fällt auf, dass Nachnamen in den Niederlanden häufiger als in Belgien nach “neuen” Regeln geschrieben werden. Das ist eine Folge der Festlegung der Nachnamen in der französischen Zeit um 1800. Manche haben die damaligen Vorschläge für eine neue Rechtschreibung ihres Namens verwendet. In den Südlichen Niederlanden (also: Belgien) fand eine solche Registrierung nicht statt. Daher ist bei einigen Namen die erste Form üblicher im Süden, die zweite im Norden: Dedecker vs. DekkerPeeters vs. Peters, Konings vs. Koninckx.

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