Sie braucht 300 Stimmen für mehr Europa in Etterbeek

Von Sandra Parthie.

Am 14. Oktober finden hier in Belgien Kommunalwahlen statt. Als hier lebende EU-Bürgerin darf ich nicht nur wählen, sondern mich auch zur Wahl stellen. Und das tue ich nun auch – zum ersten Mal in meinen Leben. Ich kandidiere in der Gemeinde Etterbeek auf der Liste der belgischen Sozialdemokraten mit dem Namen PS sp.a+. In Etterbeek hat die frankophone PS eine gemeinsame Liste mit der flämischen sp.a und das „+“ steht für eine ganze Reihe von Europäern, von Spaniern bis Holländern, die sich ebenfalls zur Wahl stellen.

Da Etterbeek einen Anteil von 40% nicht-belgischen Einwohnerinnen und Einwohnern hat, ist es wahrscheinlich prädestiniert für eine entsprechende Liste. Aber es ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Die Liste der Etterbeeker Sozialdemokraten ist eine der europäischsten in ganz Brüssel, über alle Parteien und Stadtteile hinweg.

Ich war sehr positiv überrascht von der Offenheit und Freundlichkeit, mit der wir „Europäer“ von den belgischen Kolleginnen und Kollegen aufgenommen wurden und dem Interesse, dass sie an unseren Vorschlägen, von Radwegen über sauberere Straßen bis hin zu längeren Öffnungszeiten der Ämter und mehr e-Services und Digitalisierung von Verwaltungsgängen, zeigen.

Der Wahlkampf allerdings ist eine ganz neue Erfahrung. Von Haustür zu Haustür gehen, Leute auf Märkten ansprechen oder sein Konterfei auf Wahlplakaten sehen – alles sehr gewöhnungsbedürftig. Viele Menschen sind, dankenswerterweise, nett und schlagen einem weder die Tür vor der Nase zu, noch laufen sie vor einem davon. Dennoch, für sich selbst Werbung zu machen, über die anstehende Wahl und die Parteipositionen zu informieren und herauszufinden, was die Leute gern an ihrem Stadtviertel geändert sehen wollen, kostet erstmal etwas Überwindung.

Für den demokratischen Diskurs

Aber ich finde es, gerade in Zeiten des umsichgreifenden Populismus und Radikalismus wichtig, sich für einen demokratischen Diskurs zu engagieren und sich für ein besseres Miteinander der Menschen in meiner Gemeinde einzusetzen. Das ist auch das Ziel meines Wahlkampfs – im Alltag Möglichkeiten zu schaffen, bei denen sich die belgischen und nicht-belgischen Etterbeeker und Etterbeekerinnen kennenlernen können, über die Vorgänge in ihrer (Wahl-) Heimat, von Infrastrukturprojekten und Baustellen, bis hin zu Schul- und Kindergartenformalitäten informiert zu sein und sich, bei Zeit und Interesse, auch selbst einbringen zu können.

Das belgische Wahlsystem erlaubt das direkte Wählen von Kandidaten einer bestimmten Liste. D.h., selbst wer weiter unten auf der Liste steht, hat Chancen in den Stadtrat einzuziehen, wenn er oder sie ausreichend Direktstimmen bekommt. Ausreichen würden in Etterbeek dafür ca. 300 Stimmen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Chance bekäme, eine Stimme der Europäerinnen und Europäer in unserem Stadtrat zu sein. Aber auch ohne Amt hoffe ich, auch nach der Wahl die nun geknüpften guten Kontakte zu den Belgiern aufrecht erhalten und im gegenseitigen Interesse nutzen zu können.

(Red.) Belgieninfo.net wünscht der deutschen Kandidatin Sandra Parthie viel Erfolg bei den Kommunalwahlen!

3 Kommentare

  1. Juliane Rinas schreibt:

    Viel Erfolg, Sandra!

  2. Nadja Pohlmann-Shanshou schreibt:

    Toll, dass es Leute gibt, die sich so engagieren. Gerade in Zeiten des Populismus finde ich das sehr unterstützenswert!

    Weiterhin so viel Energie und viel Erfolg bei den Wahlen!

  3. Alfons van Compernolle schreibt:

    Als Hamburger Belgier und als Mitglied der SP.a Gent und SPD Bruessel verstehe ich sehr gut, dass sich „Sandra“ und so einige andere EU.-Mitbuerger zur Wahl stellen. Warum auch nicht !
    Wobei es mir ziehmlich egal ist , ob diese Menschen Belgier/innen sind oder nicht, es sind Mitmenschen diese sich fuer unser schoenes Belgien einsetzen wollen.
    Viel Glueck !!

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