Rückblick auf die „Ära Langlet“

Von Rudolf Wagner.

Jürgen Langlet verlässt Brüssel und die Internationale Deutsche Schule, die er sechs Jahre lang geleitet hat. Er ließ die unruhige Zeit an der Langen Eikstraat 71 unter seinem Vorgänger vergessen, aber auch er konnte die strukturellen Voraussetzungen dieser besonderen deutschen Auslandsschule nicht verändern: die Verweildauer der meisten Schüler hängt von den Brüsseler Entsendeverträgen ihrer Väter oder Mütter ab. Neue kommen, wie sie kommen, und die Schule kann immer nur „auf Sicht“ planen.

Es gilt deshalb, dem Trend entgegenzuwirken, dass Väter oder Mütter wochentags allein in Brüssel arbeiten und die Rest-Familie  in Deutschland bleibt. Das ist nicht familienfreundlich und schadet den Kindern, meint Langlet. Das gilt auch für die Fluktuation jener Lehrer, die aus Deutschland entsandt werden und sich mit den Ortskräften (sie sind in der Mehrheit) in einem drei- oder vierjährigen Rhythmus neu zusammenfinden müssen.

Gemeinsam gestalten und sichern sie mit dem Schulleiter, den Eltern, dem Trägerverein und natürlich mit den Schülerinnen und Schülern die Lebens- und Bildungsqualität an der iDSB. Die notwendige Koordination aller Interessen und Fähigkeiten ist wahrlich kein Zuckerschlecken.

Wie geht das? Jürgen Langlet ist ein Norddeutscher, geboren in Ostfriesland und aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Norddeutschen sagt man nach, sie seien vergleichsweise wortkarg, aber tatkräftig. Ein Klischee? Vielleicht, aber bekanntlich ist an vielen Klischees ja etwas Wahres dran.

Mut, Respekt, Verantwortung

In seinen Brüsseler Jahren hat Langlet wahrlich viel auf die Beine gestellt. „Bei meiner Ankunft gab es mehr Arbeit als erwartet“, erinnert er sich heute, „und gleichzeitig viel Ermutigendes“. Wie das „Herbstforum“ 2011, auf dem Kollegium, Eltern und Verwaltungsrat gemeinsam zu neuen Ufern aufbrachen und sich dabei an den Leitwerten „Mut“, „Respekt“ und „Verantwortung“ orientierten, an die noch heute jeder augenfällig im Schulhaus erinnert wird.

Als vielleicht am weitesten in die Zukunft weisendes Vorhaben wurde wenig später das Projekt eines Schulneubaus auf den Weg gebracht. Schon 2012 fand auf Langlets Initiative hin ein Architektur-Symposium mit renommierten Schulbauarchitekten statt, gefolgt von zahlreichen Workshops, um Anregungen aus allen Teilen der Schulgemeinschaft aufzunehmen. Gleichzeitig wurde das Profil der Schule durch den Ausbau des naturwissenschaftlichen Unterrichts und ein neues Sprachenkonzept geschärft, mit Erfolg: 2014 erhielt die iDSB zum zweiten Mal das Prädikat einer „Exzellenten deutsche Auslandsschule“.

International

Besonders bemühte sich Langlet um die weitere Internationalisierung der iDSB als einer Schule im Herzen Europas, zum Beispiel durch neue Schulpartnerschaften mit der „Patil School“ in Antwerpen und dem Lycée Français in Brüssel. Die iDSB hat sich damit weiter geöffnet und wurde zum Ort der Begegnung zwischen Schülern unterschiedlicher Nationen und Kulturen. In Erinnerung bleiben dabei vor allem mehrere schulübergreifende Projekte. 2014 wurde des Beginns des 1. Weltkrieges gedacht, im Folgejahr führte das Projekt „Toleranz“ wiederum Schülerinnen und Schüler aller drei Schulen zusammen, und in diesem Jahr lief das Zukunftsprojekt „Peace“ an, dessen Fortgang im kommenden Schuljahr bereits mit Spannung erwartet wird.

Sehr froh ist Langlet auch über den intensiven Kontakt zur Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Belgien. Die enge Zusammenarbeit im Bereich der Lehrerausbildung und der Kooperationsvertrag, der u. a. einen Austausch von Praktikanten beinhaltet, sind Dinge, die bleiben werden.

Nicht alles freilich entwickelte sich so, wie man es gehofft hätte: Dass man heute viel mehr über Sicherheit nachdenken muss, dass die Zäune höher sind als früher und die Schultore durch einen Sicherheitsdienst kontrolliert werden, widerspricht Langlets Ideal einer offenen Schule. Nicht ohne Wehmut erinnert er sich an den frei zugänglichen Gehweg, der durch das Lüneburger „Gymnasium Johannneum“ führt, dessen Leiter er zuvor war.

Eine Strahlkraft weit über die Schule hinaus

Gleichwohl entfaltete die iDSB gerade in den letzten Jahren durch Musical-Aufführungen, sportliche Events, als Kabarett-Bühne und nicht zuletzt als Austragungsort von „Jugend musiziert“ eine Strahlkraft weit über die Schulgemeinschaft hinaus. „Hätte man das nicht sogar höher hängen müssen?“, fragt er sich heute. Am wichtigsten war es ihm immer, bei Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern Begabungen hervorzulocken.

Noch ist Fahrradfahren angesagt, aber privat hat er in seiner Brüsseler Zeit auch ein Faible für das Golfspiel entdeckt. In Zukunft wird er sich dieser Liebe mit wesentlich mehr Muße widmen können als bisher, denn für Jürgen Langlet endet in diesem Sommer nicht nur seine Zeit in Belgien, sondern auch sein Berufsleben.

Und noch eine Entdeckung hat er gemacht, die er wohl mit vielen teilt, die eine Zeit im Ausland verbracht haben: die Sehnsucht nach der Heimat. Jürgen Langlet zieht es in die Hansestadt Bremen, gleichsam zurück zu den Wurzeln, denn nach wie vor schlägt sein Herz ganz für – Norddeutschland.

 

Ein Kommentar

  1. Thomas Grosse schreibt:

    Sechs erfolgreiche Jahre – nun gilt es darauf aufzubauen!

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