Ritter Rudolf Wagner

MP Paasch und Wagner bei der Übergabe

Von Marion Schmitz-Reiners.

Nun ist er “Ritter des Kronordens“. Der Journalist Rudolf Wagner, ehemaliger Europa- und NATO-Korrespondent, Mitbegründer des Info-Portals Belgieninfo.net und dessen Chefredakteur, wurde mit einem hohen belgischen Orden ausgezeichnet. Seit 14 Jahren erklärt er gemeinsam mit einem Team engagierter Mitarbeiter und Journalisten einer deutschsprachigen Öffentlichkeit, wie Belgien „tickt“. Mit dem Orden wurde Wagners unermüdlicher ehrenamtlicher Einsatz für die belgisch-deutsche Verständigung gewürdigt.

„Auf Vorschlag des Ministers der Auswärtigen Angelegenheiten hat es Seiner Majestät König Philippe gefallen, durch Königlichen Erlass vom 5. September 2018 Herrn Rudolf Wagner, Journalist, die Auszeichnung eines Ritters des Kronordens als Anerkennung der geleisteten Dienste zu verleihen.“ So steht auf der gerahmten Urkunde zu lesen, die Rudolf Wagner am 18. Dezember überreicht wurde. Es war ein festlicher Abend im ehrwürdigen „Club des Officiers de Régiment des Guides“ an der Brüsseler Rue d’Arlon/Aarlenstraat. Erschienen waren zur Ordensverleihung Familie, Freunde und Weggefährten von Rudolf Wagner sowie Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG), Karlheinz Lambertz, Vorsitzender des Ausschusses der Regionen, und Yves Kreins, Leiter der Brüsseler DG-Vertretung.

„Belgien ist eine wundervolle Stadt“

Die Laudatio hielt Ministerpräsident Oliver Paasch. „Gestatten Sie, auch wenn es mir schwer fällt, mit einem Zitat von Donald Trump zu beginnen: ‚Belgien ist eine wundervolle Stadt‘“, hob er an. Sofort war die Atmosphäre entspannt: Dass den Herren, die ohne Krawatte im „Club des Officiers“ erschienen waren, vor Beginn des Festaktes eine solche zum Umbinden überreicht wurde, hatte den Gästen einigen Respekt eingeflößt. Belgien sei tatsächlich im Ausland nur wenig bekannt, fuhr Paasch fort. Rudolf Wagner habe mit Belgieninfo ein Angebot geschaffen, das es in dieser Form vorher nicht gegeben und Belgien zu mehr Sichtbarkeit verholfen habe. Sein Verdienst sei es, „nimmermüde über dieses komplexe, komplizierte, aber doch so schöne Land zu berichten.“ Paasch war es auch, der den Orden am Bande ans Revers von Rudolf Wagner heftete.

Gert Verhellen, Rechtsanwalt und Oberst der Reserve im belgischen Verteidigungsministerium, der Wagner beim Außenministerium für den Orden vorgeschlagen hatte, wies in seiner Ansprache auf das Alleinstellungsmerkmal von Belgieninfo hin und stellte die Frage, ob nicht eine Subvention des Portals durch die Deutschsprachige Gemeinschaft und Flandern möglich sei.

Annäherung an Belgien

Und dann ist der frischgebackene Ordensträger an der Reihe. Seine Ansprache gerät zu einer kritischen Liebeserklärung an Belgien. Als Europakorrespondent habe er wenig Kontakt mit dem Land gehabt. Die Annäherung habe mit einem Gespräch mit einem alten jüdischen Paar begonnen, das sich in Brüssel vor nationalsozialistischer Verfolgung versteckt hatte und, von den Nachbarn geschützt, überlebt hatte. „Sie verabschiedeten sich von mir mit feuchten Augen. Sie hätten mit mir zum ersten Mal seit Kriegsende wieder Deutsch gesprochen. Sie waren, wie ich, Berliner.“

Wie er von einer anderen Begegnung erzählt, wird die geschulte Stimme des ehemaligen Radioreporters unsicher. Er habe Carine Russo interviewt, Mutter der von Marc Dutroux entführten Melissa. Sie habe ihm das ganz in Rosa gehaltene Zimmer ihrer Tochter gezeigt: „Die Tür stand immer offen“ – damit das heimkehrende Kind sofort ins Bett gehen und sich ausschlafen könne. Er selber habe nicht geglaubt, dass das Mädchen noch lebt. Die Mutter habe Recht gehabt, ihre Tochter lebte zu diesem Zeitpunkt noch.

Plaudern mit Kronprinz Philippe

Belgieninfo stehe, so Rudolf Wagner, hinter einem einigen Belgien, dessen Symbole für ihn der König und die „Roten Teufel“ sind. Einmal habe er am Rande einer karitativen Veranstaltung zwanzig Minuten mit dem damaligen Kronprinzen über Goethe geplaudert. Sein Deutsch sei perfekt gewesen. „Großes Kompliment!“ Und der Sommer der letzten Fußballweltmeisterschaft sei ihm unvergesslich.

Aber ist er in Belgien wirklich zu Hause angekommen? Wer Rudolf Wagner und seine italienische Frau Perla kennt, weiß, dass ein Stück seines Herzens in Berlin und ihres Herzens in Italien geblieben ist. Jedoch: „Heimat ist, wo Perla kocht. Heimat ist die DG-Vertretung, wo ich ungestört mit Freunden arbeiten und feiern kann. Heimat ist ‚Le Chaplin‘, wo ich mit Freunden Skat spiele.“ Heimat sei auch das Land, „in dem die Autofahrer bei Rot Gas geben, um die Kreuzung voll zu stellen.“ Und dann sagt er: „meine belgische Heimat.“

„Der Orden hat den Richtigen getroffen“

Alle sind angerührt von der sehr persönlichen Rede eines Journalisten, der nicht ganz freiwillig in Belgien geblieben ist, aber Zuneigung zum Land gefasst hat. Danach plaudern die Gäste noch eine Weile im Empfangszimmer des Königlichen Husarenklubs. Umgeben von Dokumenten einstiger belgischer Größe: Ölporträts und verblasste Fotos, die die Wände zieren, Pokale von Reiterturnieren, eingerahmte Fahnen, gar ein echter Husarensattel mit vielen Taschen. Die Idylle setzt sich draußen fort: Vor dem Klub, auf der Place de Luxembourg, findet ein kleiner Wochenmarkt statt.

An genau diesem Abend stürzt die belgische Regierung. Die Krise war von den flämischen Nationalisten losgetreten worden. Belgieninfo bleibt ein kleiner Felsen in der Brandung. Oder, wie Oliver Paasch sagte: „Der Orden hat den Richtigen getroffen.“

5 Kommentare

  1. Lieber Rudolf, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr wir uns darüber freuen! Viele Grüße von uns Ex-Brüsselern Helene, Clemens & Sophia

  2. Friederike Gaensslen schreibt:

    Darauf haben wir alle gewartet.

  3. Pierre Chavet schreibt:

    Lieber Rudolf, es war vorgesehen daß ich bei der Feier dabei bin um Dir persönlich zu gratulieren. Aber es sollte anders kommen.
    Glückwunsch für diese verdiente Auszeichnung !

    Viviane & Pierre

  4. Renate Kohl-Wachter schreibt:

    Herzliche Glückwünsche, lieber Rudolf, und weiter viel Fortüne bei deinen Bemühungen, dieses komplexe, liebenswerte Land zu erklären! Renate

  5. Madeline Lutjeharms schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch, Rudolf, du hast die Auszeichnung verdient! Schade, dass ich nicht zur Überreichung kommen konnte.

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