Richard Deacon bespielt den Park Middelheim

Von Ferdinand Dupuis-Panther.

Wer den Antwerpener Park Middelheim und den dortigen Skulpturenpark kennt, weiß dass dort britische Bildhauerei nicht das erste Mal zu sehen ist. Erinnert sei in diesem Kontext nicht nur daran, dass „König und Königin“ von Henry Moore zur umfangreichen Sammlung gehören, sondern mit Antony Caro auch ein weiterer britischer Künstler bereits mit einer Sonderschau zu sehen war. Der in Wuppertal lebende Tony Cragg ist dogar dauerhaft zu sehen.

30 Werke von Richard Deacon sind nicht nur in dem als Hortiflora bezeichneten Parkteil, sondern obendrein im The House und im Braem Pavillon zu sehen. Wer sich mit der Kunst Deacons – sie wird noch bis zum 24. September 2017 ausgestellt – auseinandersetzen will, kann dies beim Besuch von Park Middelheim bei freiem Eintritt tun.

„Some Time“ lautet der Titel der sehenswerten Schau, die Deacon als nicht-klassischen Bildhauer vorstellt. In den meisten Fällen sind die Skulpturen weder modelliert noch aus Material wie Granit oder Marmor herausgearbeitet, sondern aus verschiedenen Teilen und Materialien zusammengesetzt und hergestellt.

„Some Time“ meint sowohl, dass nichts auf Dauer angelegt ist und zudem die Herstellung von Skulpturen à la Deacon eine gewisse Zeit dauert. Deacon spricht von seiner Arbeit auch im Sinne von einem Akt des Bauens und Konstruierens. Dabei sind Materialien wie Keramik, Holz, Pappe, Leder oder auch Ton mit im Spiel.

Erster Blickfang der Schau ist eine aus Stahl geschaffene, geschlossene Form in Gestalt eines Zeppelins. „Never Mind“ nennt Deacon diese Arbeit. Wie ein Fremdkörper wirkt dieses auf einer Rasenfläche aufgestelzt platzierte, ellipsenförmige Gebilde. Unweit davon steht ein riesiger Drahtkorb, in dem ein weißes Schleifengebilde abgelegt ist: „When the land masses first appeared“, eine frühe Arbeit Deacons. Aus geschichteten kleinen Boxen, die dann in Bronze gegossen wurden, entstand „Bronze Skin“, eher nach einem altertümlichen Steingrab ausschauend.

Im Pavillon „The House“ sind unter anderem Arbeiten aus Keramik zu sehen, so auch „Tomorrow and tomorrow and tomorrow ‚B‘“: Es ist ein organisches, wulstiges Gebilde, turmähnlich strukturiert und blau eingefärbt. Man könnte beim Anblick an ein Spielgerät für Kinder denken. Aus gedrehtem Holz und Stahl schuf Deacon „I remember (3)“ und „I remember (1)“. Das eine Werk ist eine Art lange „Sitzbank“, die aber keine herkömmliche Sitzfläche besitzt und somit im Kern funktionslos und so eher ein abstraktes Kunstwerk ist. Auch die andere Arbeit ist eine Archiskulptur, jedoch in Gestalt eines fragil erscheinenden Turmgebildes.

Arbeiten wie „Alphabet U“ und „Body of Thought #2“ findet man im Braem Pavillon. In dessen Nähe sind weitere Arbeiten Deacons wie „Infinity #31“ zu entdecken.

Die Titel der Kunstwerke sind im Sinne Deacons dazu gedacht, beim Betrachter Assoziationen heraufzubeschwören. Ob das in jedem Fall gelingt, scheint allerdings diskussionswürdig. © ferdinand dupuis-panther

Bildunterschriften von oben nach unten:
Covert, Lower and Hidden Custom, 2016
Never Mind, 1993-2017
Masters of the universe #1,2005 und im Hintergrund Never Mind
Big Time,2016

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