Pieter Bruegel der Ältere digital: Ein Augenschmaus zum 450. Todestag des Meisters

Von Margaretha Mazura.

Das Kunsthistorische Museum in Wien besitzt mit 12 Gemälden von Pieter Bruegel dem Älteren in etwa ein Drittel des weltweiten Gemäldebestandes des Malers. Das ist nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass während Bruegels Leben – geboren um 1528 in oder nahe von Breda, gestorben 1569 in Brüssel – das Gebiet der damaligen Niederlande in der Hand der Habsburger war. Und diese waren eifrige Kunstsammler.

Überhaupt galt das 16. Jahrhundert in Brabant, Flandern, Holland, etc. als die niederländische oder auch nordische Renaissance. In den Wirtschaftszentren (vor allem durch den Handel) bildete sich eine reiche Oberschicht, die viele Künstler förderte. Man sagt, dass es um 1560 in Antwerpen 169 Bäcker, 78 Fleischer, aber 300 Meister der Graphik und Malerei gab. Und Pieter Bruegel war der erfolgreichste, der mit seinen beiden Söhnen Pieter Bruegel der Jüngere und Jan Bruegel der Ältere eine Malerdynastie aufbaute.

Sein Stil, beeinflusst von Hieronymus Bosch, nahm sich des täglichen Lebens an, er erzählte Geschichten, spannende, mit Menschen beladene Szenen, die nicht ohne Gesellschaftskritik waren. Dies Genre-Bilder trugen ihm den Namen “Bauern-Bruegel” ein, was aber nur unzulänglich seine Bandbreite an Subjekten darstellt. Lebensfreude, Sünde, Tugend und Laster sind das oft ironische Milieu seiner Bilder.

Zum 450. Todestags des Meisters 2019 hat das Wiener Kunsthistorische Museum eine “once in a lifetime” Monographie-Ausstellung Pieter Bruegel d. Ä. zusammengestellt, mit vielen Werken, die zum ersten Mal gezeigt werden. Aber nicht alle können deswegen nach Wien kommen. Und die vielen Bruegel-Fans werden ihre Freude an einer neuen, digitalen Webseite haben, die die 12 Gemälde des Kunsthistorischen Museums in genauester Auflösung zeigt:

https://www.insidebruegel.net

Inside Bruegel” ist ein Projekt des Museums, unterstützt von der Getty Stiftung, das Bruegels Gemälde allen zugänglich machen will. Man findet u.a. die Bauernhochzeit, den Turmbau zu Babel, die Jäger im Schnee, alle in Großauflösung, so dass einem kein Detail entgeht. Ein Erlebnis, das kein Original bieten kann. Dazu kommen Bilder der Restaurierung, Röntgenfotos, oder auch die Rückseite der Gemälde, die abrufbar sind. Es ist eine spannende Spurensuche, ein Entdecken vieler Kleinigkeiten, wie z.B. die Pfauenfeder an der Kappe des Kindes, der Eishockeyspieler, oder die Windmühle auf dem Felsen – wo findet man sie?

 

Einzige kleine Enttäuschung: die Webseite gibt keine Hintergrundinformation zu den abgebildeten Gemälden – das ist schade, da auch die Entstehungsgeschichte ein Teil des Kunstwerks ist.

[P.S.: Die Auflösung, aus welchen Gemälden die drei abgebildeten Details stammen, findet sich unter den praktischen Hinweisen].

Praktische Hinweise:

Zur Ausstellung in Wien (mit ein wenig Hintergrundinformation)

https://www.bruegel2018.at/once-in-a-lifetime/

Inside Bruegel (digital)

https://www.insidebruegel.net

 

Auflösung der drei Details:

Pfauenfeder: Die Bauernhochzeit

Eishockeyspieler: Jäger im Schnee

Windmühle: Kreuztragung Christi

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