Panorama

Palastgeschichten: Sturm und Ruhe

 

Von Heide Newson. 

Die Augen der Weltöffentlichkeit sind mal wieder auf das britische Königshaus gerichtet. Explosive Aussagen, harte Anschuldigungen, versteckte Hinweise auf Rassismus: Prinz Harry und Herzogin Meghan haben im großen Enthüllungs-Interview mit US-Talkmeisterin Oprah Winfrey so richtig gegen das britische Königshaus ausgepackt und ausgeteilt. Ob das niederländische, schwedische, spanische oder belgische Königshaus – jedes hat auch schon einmal für Skandal-Schlagzeilen gesorgt. Aber gemessen am Aufruhr durch die britischen Enthüllungen haben ihre Extravaganzen nicht die Monarchie in Gefahr gebracht.

Im Vergleich zu den britischen Royals erscheint das belgische Könighaus derzeit geradezu fade und unspektakulär. Wenn im belgischen Königs-Palast längst Ruhe eingekehrt ist, war das nicht immer so. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Belgien anderen Könighäusern in Sachen Skandal-Faktor kaum nachstand. Selbst der beliebte König der Belgier, König Baudouin, der am 31. Juli 1993 in seinem spanischen Urlaubsdomizil nach einem Herzanfall verstarb, und der nur 63 Jahre alt geworden war, hatte einst für negative Schlagzeilen gesorgt.

Das Abtreibungsgesetz

Der Vater der Nation, der über 40 Jahre lang regiert hatte, und bei dem Themen wie Gerechtigkeit oder Menschlichkeit im Mittelpunkt seines Lebens standen, löste im Jahr 1990 eine Staatskrise aus, die weltweit Schlagzeilen machte. Wie seine Frau Fabiola war er ein sehr gläubiger Mensch. Aus diesem Grunde weigerte er sich im Jahr 1990 ein Gesetz zu unterschreiben, dass die Liberalisierung der Abtreibung vorsah. Aus einem Gewissenskonflikt heraus trat er drei Tage von seinem Amt zurück , um der Regierung die Möglichkeit zu geben, ein neues Abtreibungsgesetz ohne seine Unterschrift in Kraft zu setzen. Die Belgier verziehen ihm diesen Trick mit der Verfassung, umso mehr, da er der Garant für die Einheit des Landes war.

Sein Bruder Albert, der für seine joviale Art, weltliche Laster, schnelle Motorräder und Autos bekannt war, folgte ihm auf den Thron. Leider wurde seine Amtszeit, die insgesamt erfolgreich war, durch eine Liebesaffäre überschattet, die die belgische Monarchie erschütterte. Die adlige Sybille Longchamps enthüllte, dass sie 18 Jahre lang ein Verhältnis mit König Albert II. gehabt hatte, und dass aus der Beziehung im Jahr 1968 die Tochter Delphine hervorgegangen sei. Albert bestritt jahrelang das außereheliche, folgenreiche Verhältnis.

Delphine gibt es

In seiner Neujahrsansprache 1999 räumte der Monarch erstmals ein, vor langer Zeit eine Ehekrise gehabt zu haben. Das wurde von Beobachtern als implizite Anerkennung seiner Vaterschaft von Delphine Boel gewertet. Aber erst nach dem Ende seiner Regentschaft, und 51 Jahre nach der Geburt Delphines, bekannte er sich öffentlich dazu, der biologische Vater von ihr zu sein. Zuvor hatte das Gericht einen DNA-Test angeordnet, der diese Vermutung zur Gewissheit machte. Zur Erleichterung der Belgier war durch diese Anerkennung der Skandal aus dem Weg geräumt, auch wenn viele heute meinen, dass Albert viel zu lange gezögert habe.

König Philippe und Königin Mathilde, sind seit dem 4.Dezember 1999 verheiratet. Im September hatte Prinz Philippe seine hübsche Verlobte den Pressevertretern vorgestellt. Ich erinnere mich. Hand in Hand, überaus verliebt, traten sie bei Königswetter auf Schloss Laeken vor die Presse. Unbekümmert beantworteten sie die vielen Fragen. Ja, sie hätten sich beim Tennisspiel kennengelernt. „Noch spreche ich kaum Niederländisch, ich werde es aber lernen“, sagte Mathilde mit einem umwerfenden Lächeln. Wir alle waren sofort hingerissen von der Natürlichkeit, Intelligenz und dem Charme der gelernten Logopädin mit viel Glamour-Faktor. Im Dezember dann die feierliche Traum-Hochzeit in der Brüsseler Kathedrale, über die ich damals ebenso berichtete. Auch während des abendlichen Empfangs überzeugte eine stilsichere hübsche Braut durch Wärme, Bodenständigkeit, natürliche Schönheit und durch ihren einzigartigen Umgang mit Menschen.

Shoppen mit Kindern

Seit 2013 sind König Philippe und Königin Mathilde die Monarchen des Königreichs Belgiens und Eltern von vier Kindern. Die Ehe gilt nach wie vor als glücklich. Die beiden ergänzen sich und machen einen guten Job. Wie Ottonormalverbraucher kann man ihr mitunter auf dem Boulevard de Waterloo beim Shoppen mit ihren Kindern begegnen und mit einem freundlichen Lächeln bedacht werden.

Als schwarzes Schaf der Familie galt lange König Philippes Bruder Prinz Laurent. Als „Prinz Peinlich“, der zudem von der Presse den zweiten Spitznamen „Prinz Vollgas“ bekam, machte er in der Vergangenheit durch zu schnelles Fahren, eigenmächtige Trips und umstrittene Touren in den Kongo mit Kontakten zu libyschen Rebellen etc. Schlagzeilen. Wegen Rasens in der Stadt musste er einst sogar seinen Führerschein abgeben, von seinen etlichen damit verbundenen Strafzetteln sowie verbalen Entgleisungen ganz zu schweigen. Im Jahr 2007 erregte er mit der Veruntreuung von Marine-Geldern in Millionenhöhe Aufsehen. Damit er seine Apanage nicht verliert, hat der Prinz, der angeblich an Depressionen leidet, und wegen einer Lungenentzündung im Jahr 2015 im Koma lag, zugestimmt, künftig Auslandsreisen mit der belgischen Föderalregierung abzusprechen. Seine Schwester Prinzessin Astrid, Mutter von fünf Kindern, ist dagegen im Einsatz des Königshauses unermüdlich und anerkannt erfolgreich tätig.

Hoffnungsträgerin der Monarchie

Mehr und mehr Interesse als die einstigen Skandale der Familie weckt derzeit die hübsche und intelligente Kronprinzessin Elisabeth, die unlängst ihren 18. Geburtstag feierte und die vom Palast verstärkt in den Vordergrund gerückt wird, das öffentliche Interesse. Sie gilt als künftige Hoffnungsträgerin der belgischen Monarchie und verkörpert mit ihrer bodenständigen, volksnahen authentischen Wesensart eine moderne, zeitgemäße Monarchie, die den Zusammenhalt ganz Belgiens bewahren soll. Im Gegensatz zu den Aussagen von Prinz Harrys Ehefrau Meghan, die sich hinter den britischen Palastmauern wie eine Gefangene gefühlt habe, hat man alles andere als den Eindruck, dass sich die belgischen Royals in ihren Rollen gefangen fühlen.

 

One Comment

  1. Alfons van Compernolle

    Sage ich es einmal so: Das was wir die Belgier/innen dort in Brüssel als Staatsoberhäupter besitzen ist von Charakter – Intelligenz und menschlicher Zuwendung getragen.
    Ich jedenfalls und es geht mir nicht alleine so , habe den Eindruck , dass der königlichen Familie insgesamt ohne Standesdünkel & Abgehobenheit als uns zugehörig gesehen werden wollen. Als Sozialist gestehe ich ein , dass wir Belgier/innen dort in Brüssel mit unserem König & Königin zwei charakterstarke dem Mitmenschen zugewandte Staatsoberhäupter besitzen.
    Meine Besorgnis gilt der Kronprinzessin Elisabeth an deren junge Persönlichkeit heute schon
    turmhohe Erwartungen gestellt werden !! Wäre es nicht besser diesem jungen Menschen noch etwas mehr LUFT UND FREIRAUM ZUR SELBSTFINDUNG zu gewähren ??
    Insgesamt aber können wir Belgier/innen uns mit dieser königlichen Familie als Familie & Staatsoberhäupter mehr als nur zufrieden sein ! Dort regieren Mitmenschen mit Charakter!

Leave a Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.