Oh Tannenbaum!!

Capture d’écran 2014-06-22 à 13.00.55Die Lichtskulptur „Xmas3“, die zum ersten Mal den traditionellen Weihnachtsbaum auf Brüssels Grand’Place ersetzt, erregt noch immer die Gemüter. Anscheinend so sehr, dass sie nun schon am 28. 12. verschwinden soll und nicht wie geplant bis zum Ende des Weihnachtsmarkts erhalten bleibt. Frühere und weitere Beispiele zeigen, dass es auch anders geht.

Offiziell werden Sicherheitsbedenken geäußert, um das 45.000 Euro teure Gebilde frühzeitig zu entsorgen. Während der frohen Festtage könnten beispielsweise allzu fröhliche Spaziergänger zum Klettern angeregt werden. Könnte ein stürmisches Klima auch eine Gefahr sein?

Sturm der Entrüstung

Der wahre Sturm war nämlich die Entrüstung, welche die Lichtskulptur „Xmas3“ hervorrief, die zum ersten Mal den traditionellen Weihnachtsbaum auf Brüssels Grand’Place ersetzt. „Was hat sich da Brüssels Bürgermeister Freddy Thielemans nur einfallen lassen, solch eine Abscheulichkeit hat einer der schönsten Plätze der Welt ganz einfach nicht verdient,“ meint die aus Marokko stammende Fathi Kadhi, die seit mehr als 30 Jahren in Brüssel lebt. „Damit leistet er uns einen Bärendienst und stachelt die Polemik zwischen Andersgläubigen nur unnötig an.“

„Nicht besonders weihnachtlich, dafür brauche ich zur schönsten Zeit des Jahres, nicht mehr nach Brüssel zu kommen,“ meint eine Touristin, die wie in den Vorjahren eigens aus Deutschland zur „Lichterfahrt“ nach Brüssel angereist ist, während ein 16jähriger Brite die Installation ganz „cool“ findet. „Dieses Gestell ist eine Beleidigung, ein Skandal. Es erhitzt die Gemüter, polarisiert, anstatt Menschen auf friedliche und besinnliche Weihnachten einzustimmen“, sagt Yves Vandenbosch, der sich an eine Tanne aus dem Jahr 1996 erinnert.

„Im Rahmen der Städtepartnerschaft Brüssel /Helsinki war ich zur Einweihung des Weihnachtsbaums, der aus Finnland stammte, eingeladen“, berichtet er. Eigentlich sei die Tanne, die aus der Tiefe des finnischen Espoo Waldes stammte, für die Papierproduktion vorgesehen. Ihre Eleganz und Frische habe sie vor solch einem schrecklichen Schicksal bewahrt.

Erinnerungen

Im Rahmen der belgisch-finnischen Weihnachtbande sei die 16 Meter hohe Schönheit von Helsinki nach Antwerpen verschifft worden. Während ihres langen Transports habe sie ähnlich wie Finnlands Premierminister volle VIP-Behandlung erfahren. Wie ein Megastar sei sie von einer Polizeieskorte begleitet worden, und wohlbehalten auf der Grand‘ Place eingetroffen. Mit belgischen und finnischen Flaggen sei sie bunt geschmückt worden, dazu hätten Kinderchöre aus Finnland und Belgien traditionelle Weihnachtslieder intoniert.

Ein Gegenprogramm zu Xmas3 ist in der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel zu bewundern, wo seit dem 4. Dezember ein riesengroßer Tannenbaum im Innenhof der Vertretung unterstreicht, dass zu Weihnachten ein echter Weihnachtsbaum gehört. „Da es auf der Grand‘ Place keinen echten gibt, müssen wir Jäger mit gutem Beispiel vorangehen“, schmunzelte Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des bayerischen Jagdverbandes, zufrieden. Mit den Verbandsmitgliedern hatte er ein 13 Meter hohes Prachtexemplar nach Brüssel gebracht und unter Beweis gestellt, dass der Spagat zwischen Moderne, (Weihnachts-) Traditionen, unterschiedlichen Auffassungen, Geschmäckern ganz ohne Polemik im Sinne von Frieden, Besinnlichkeit und viel Freude gelingen und jeden „happy“ machen kann.

 

Autor: Heide Newson

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