Niemand begleitete sie. Zum Tod von Heidi Mauthner

3a568a6838Sie war eine Persönlichkeit, die Sprecherin der deutschsprachigen Gruppe Hospiz in Brüssel, Heidi Mauthner. Sterben war für sie Bestandteil des Lebens. Als Hospizhelferin sah sie ihre Aufgabe, mit dem „Leiden“ des Patienten umzugehen und Begleitung anzubieten, die auch den Familien helfen kann. Sie starb unvorhergesehen in der vergangenen Woche.

„Ich denke an ein gutes Ende. Ich weiß nicht, wie es danach aussieht. Ich bin keine Kirchgängerin, aber ich glaube schon, dass es etwas nach dem Leben gibt. Aber ich kann es nicht wissen. Wir Menschen haben auf solche Fragen keine Antworten“, sagte Heidi Mauthner in einem Gespräch mit Belgieninfo. Das war vor drei Jahren.

Sie musste damals zweierlei sein: eine lebenskluge Frau, die mit Sterbenden und ihren Familien umgehen kann, und eine Vereinsvorsitzende, die ihre Gruppe zusammenhält, ihre Mitglieder aus- und weiterbildet und sie psychisch für ihre Aufgabe stärkt. Sie konnte nicht immer erfolgreich sein und war es dann doch, wie sich aus dieser Schilderung ablesen lässt:

„Die Stimme am Telefon klang zugewandt, freundlich und hatte eine leise Note von Schulmeisterin. Das war meine erste Begegnung mit Heidi Mauthner.

Ich hatte mich nach einer Ausbildung zur Sterbebegleiterin erkundigt. Das ist fast drei Jahre her. Als ich wenig später meine Teilnahme an der Ausbildung wieder absagte, blieb die Stimme weiter gelassen und zu meiner Überraschung war kein Tadel oder Unmut darin, sondern viel Verständnis.

Als wir uns danach das erste Mal begegneten, schien für sie von meiner Absage nur noch die Information „noch eine, die dazugehört“ übrig geblieben zu sein. Ich hatte den Bonus, dass ich mich für die Arbeit ihres Sterbebegleiterkreises interessierte. In Heidi Mauthners Schilderungen zu Erfahrungen mit Sterbenden und ihren Familien erschienen Momente von Intimität – fast bis zur Konspiration. Wohl deshalb betonte sie häufig, wie wichtig Diskretion und Vorsicht seien.

Unser Umgang miteinander war weit vertrauter, als er durch unsere kurzen Gespräche und meine raren Teilnahmen an Horizont-Treffen zu erwarten gewesen wäre. Ihre informelle Erscheinung fiel auf, die fliegenden Haare, das rötliche Gesicht, nie alleine stehend, immer noch schnell eine Absprache mit ihren Gesprächspartnern treffend.

„Ich hätte sie gerne begleitet.“

Heidi Mauthner hatte sich vor zwei Wochen bereit erklärt, an der Vorstandsarbeit von belgieninfo.net asbl teilzunehmen. Wir bleiben dankbar für ihr Engagement.

Die deutschsprachige Trauerfeier für Heidi Mauthner findet am Freitag, 30. März, um 13. Uhr in der Eglise Sainte-Anne, Rue de la Paix 1 in 1410 Waterloo statt, um 15 Uhr ein Gedenken im Krematorium Uccle.

Von Rudolf Wagner und Friederike Gänßlen

 

 

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