Miterlebt: TUI-Horrorflug von Athen nach Brüssel

Von Heide Newson.

Der griechische Urlaub ist vorbei. Ich befinde mich am Flughafen in Athen und warte mit überwiegend belgischen Fluggästen auf den TUI-Flug TB5564, der am 29. Juni um 20.20 Uhr in Richtung Brüssel starten soll. Die Laune der tief gebräunten Belgier ist bombastisch. Sonne, Strand, griechischer Wein, Feta, Moussaka, und dazu die Heldentaten der « Roten Teufel » haben ihre positiven Spuren hinterlassen. Jetzt freuen sich alle wieder auf ihre Lieben in Belgien.

Dann die Ankündigung, dass der Flieger Verspätung habe. Von zwei Stunden ist die Rede. Details gibt´s keine. Aber die belgischen Fluggäste nehmen´s mit entspannter Gelassenheit. Nach zwei Stunden Wartezeit dann der Aufruf zum « Boarding ». Pässe, Personalausweise, Bordkarten werden gecheckt. Nur mit einem kleinen Koffer als Handgepäck nehme ich neben meinem Mann und einem Afrikaner, der mich wie eine alte Bekannte begrüßt, Platz.

Der Flieger ist proppevoll. Das viele Handgepäck ist verstaut, die Flugpassagiere sind angeschnallt, die Motoren lärmen, wir stehen kurz vor dem angekündigten Start. Ein Flieger nach dem anderen hebt ab, nur wir nicht. Schwitzend warten wir auf einen Hinweis vom Kapitän, den wir erst nach einer halben Stunde bekommen. Ohne Angabe von Gründen für die erneute Verspätung werden wir ausschließlich in englischer Sprache, die nicht jeder beherrscht, gebeten, uns weiter zu gedulden. Und Geduld ist für die nächsten zwei Stunden tatsächlich gefragt.

Zahlenspiel

Mit tänzelndem Schritt geht der Flugbegleiter auf dem Gang auf und ab, zählt die Fahrgäste, und macht gute Miene zum kuriosen Zahlenspiel. Danach sind seine Kolleginnen an der Reihe, die ebenso zählend mindestens 20 Mal die Sitze entlang laufen. Langsam fängt das an zu nerven. « Was soll die Zählerei, das ist ja wie im Kindergarten, was ist los ? » fragt mein afrikanischer Nachbar die Flugbegleiterin, und erhält keine Antwort.

Nach einer Stunde dann ihre knappe Erklärung, dass ein Passagier zu viel an Bord sei, und den gelte es aus Sicherheitsgründen zu finden. Jetzt wird unsere Ungeduld durch Angst abgelöst, wir sind stark verunsichert. Islamistische Anschläge, Selbstmordattacken auf Flughäfen, in Flugzeugen sind nur in zu guter Erinnerung. Dann werden wir aufgefordert, unsere Pässe, Personalausweise und Bordkarten zu zeigen. Noch ist unklar, wer die mysteriöse, nicht auf der Passagierliste stehende Person sein soll. Nach langem Suchen wird ein Mann ausgemacht, der den Flieger verlässt.

Eine Familie mit Kindern ebenso, aber aus einem ganz anderen Grund. Zu groß ist ihre Angst vor Anschlägen an Bord.

Auf eigene Kosten?

Weitere Passagiere überlegen, auf eigene Kosten, den nächsten Flieger zu nehmen. Denn jetzt müssen wir alle unser Handgepäck, und das gleich mehrfach, identifizieren. Und für weitere Aufregung sorgt dann ein großer pinkfarbener Rucksack, der keinem zugeordnet werden kann. Das herrenlose Stück wird, zur schnelleren Identifizierung, von der Flugbereiterin durch die Luft gewirbelt, was viele Passagiere gar nicht lustig finden. « Da kann doch eine Bombe drin sein, » meint eine Flämin besorgt. Was mit dem verdächtigen Rucksack passiert, ist unklar.

Nach zwei Stunden Wartezeit im stickigen Flieger dann endlich die lang erwartete Entwarnung, und die Mitteilung, dass wir startklar seien. Wir heben in Richtung Brüssel ab, aber irgendwie fliegt die Angst mit. Als wir dann endlich um 3 Uhr morgens auf einem gespenstisch wirkenden Flughafen in Zaventem landen, fühlen wir uns alle erschöpft, aber erleichert.

Anruf versprochen

Am Montagmorgen rufe ich gleich die TUI- Pressesprecherin, Sarah Saucin, an. Ich erkläre ihr den Sachverhalt und bitte um schnelle Aufklärung. Ich will vor allem wissen, wie es bei den so strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich war, dass sich ein nicht registrierter Passagier sowie ein herrenloser Rucksack an Bord befinden konnten. Sie werde sich erkundigen, verspricht sie, und mich noch heute zurückrufen. Der versprochene Anruf bleibt aus. Auf meine weiteren Anrufe, auch an den folgenden Tagen, ich hinterließ stets eine Nachricht, mit der Bitte um einen Rückruf, kein Lebenszeichen.

Ob unsere Angst begründet oder unbegründet war, ob es beim Flug TB5564 einen konkreten Terrorverdacht – oder auch keinen gab, steht somit weiter in den (TUI) Sternen. Fakt ist, dass die gefühlte Terrorangst real war. Und bei dieser gefühlten Angst hätte man eine Erklärung von der Fluggesellschaft schon erwarten dürfen.

Ein Kommentar

  1. Alexander Drechsel schreibt:

    Wie habe ich als Leser den mehrfachen Hinweis auf Ihren “afrikanischen” Sitznachbar zu verstehen? Ich kann nicht erkennen, dass die Information für das Verständnis des Artikels erforderlich ist.

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