Metaphern in Farbe am Jeu de Balle

230116_Summertime_2Von Jan Bernheim. Summertime ist eine unauffällige, aber betörende Ausstellung, die von den Gemälden des gebürtigen Brüsselers Livio Giametta (*1967) am Place du Jeu de Balle. Auf dem täglich dort stattfindenden Flohmarkt, wo Glück und Verderben nah beieinander liegen, herrscht stets gute Laune. Die Brasserie „Le Chineur“ befindet sich an dessen nördlichen Ecke und ist ein Ort der kulinarischen Freude und des geselligen Austauschs über das „Leben“.

Die Sammlung der Bilder „Summertime“, die Giametta im Herzen von Brüssel ausstellt, in den Marollen, ist dort an seinem richtigen Platz. Es ist eine unerwartete Ausstellung, eine Entdeckung! Der Künstler, vielleicht, begründet in seinen Wanderungen und Eskapaden italo-bohémien, war bis vor kurzem nur einem kleinen Kreis von Kennern bekannt und präsentiert seine Werke nun einem breiteren Publikum.

Sein Duktus ist brutal und gleichzeitig von einer verwirrenden Einfachheit. Die Farben sind schillernd, auflachend und freudig im grauen Winter. Sie drücken einen knirschenden Humor aus und vor allem eine ausgelassene Lebendigkeit.

230116_Summertime_1Im Bereich der Wiederkehr der Figuration (in der Malerei), belegt Giametta einen ganz besonderen Platz. Er ist ebenso bewegend wie Vanriet und ebenso unberechenbar wie Tuymans, aber sein Ding ist die Farbe. Er bedient sich ihr wie ein Dichter sich Metaphern bedient, um die Dinge echter als das Original erscheinen zu lassen. Die blauen Bäume sind echte Bäume und die orangen Gesichter sind wirklich menschlich. Der Rückentorso eines Jugendlichen ist von einer verwirrenden Nacktheit. Die vor einer schwarzen Fläche in Szene gesetzten Kirschen sind verführerisch, aber seltsam beunruhigend zugleich.

Giamettas Werk ist sehr viel umfangreicher und variierter, als die Ausstellung am Jeu de Balle bis Sonntag, den 24. Januar, vermuten lässt. Glücklicherweise werden die verkauften Bilder nach und nach durch andere Bilder ersetzt. Auf diese Weise, werden wir mit etwas Glück auch andere Seiten des Künstlers entdecken können, die, in Bildern der Zerstörung in Baghdad, in Porträts und Landschaftsbildern ihren Ausdruck finden. Aber überall ist Farbe, Farben, alle Farben, mehr als Farben.

Ja, Sie können diese wunderbaren Bilder auch genüsslich, bei Speis und Trank, im „Chineur“ betrachten: Die Suppen und Vorspeisen im Allgemeinen sind empfehlenswert. Einzig der „Stoemp“ ist etwas enttäuschend. Giametta, er, ist ganz begeisternd.

Summertime. Livio Giametta

Le Chineur, 3-4, place du Jeu de Balle, 1000 Brüssel.

27.12.2015 – 24.01.2016.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.