„Meet the Belgians“ – neue Brüsseler treffen auf Alteingesessene

IMG_7306Von Thomas Philipp Reiter.

Häufig wird beklagt, dass es „das“ eine Brüssel eigentlich nicht gibt, sondern mindestens zwei: die „Eurobubble“ (Europablase) rund um die Plätze Schuman und Luxemburg sowie das andere, „echte“ Brüssel. Mit „Meet the Belgians“ haben nun erstmals der niederländischsprachige Willemsfonds, der deutschsprachige Lions Club Brüssel Charlemagne und französischsprachige Anwohner in Auderghem versucht, zwischen diesen beiden Welten eine Brücke zu schlagen. Mit offensichtlichem Erfolg.

Obwohl gerade im September niemand in Brüssel eine Garantie auf schönes Wetter abzugeben bereit ist, wurden die Mutigen belohnt: rund 50 Besucher fanden am einzigen regenfreien Tag des ersten Septemberwochenendes ihren Weg in das Viertel rund um die Sankt Anna Kirche an der Chaussée de Tervueren. Dorthin, in einen kleinen Spielpark hinter der Kirche, hatten Willemsfonds und Lions Club eingeladen, um bei belgischem Bier sich dem „Pétanque“-Spiel, niederländischer Rockmusik oder einfach nur zwanglosen Unterhaltungen zu widmen. Letzteres wird in Brüssel „zwanzen“ genannt.

Dass der Spielplatz direkt über dem früheren Friedhof der Kirche errichtet wurde, wusste von den Anwesenden niemand, hätte aber wohl auch niemanden gestört. Hier nämlich, in einer ziemlich bürgerlichen und unspektakulären Gegend Brüssels, entstanden soziale Kontakte zwischen einheimischen Belgiern und Neubürgern aus Deutschland und der Schweiz, die man rund um die europäischen Institutionen häufig vermisst. Auch die Lokalpolitik machte ihre Aufwartung. Die Gemeinde Auderghem hatte für die Veranstaltung Tische, Stühle und Zelte zur Verfügung gestellt. Sie war durch den Schöffen Dirk Hornaert von der Parteienliste „Samen4Oudergem“ vertreten. Hornaert ist in der Gemeindevertretung für flämische Angelegenheiten, kommunale IT und Chancengleichheit zuständig. Darüber hinaus war mit der Abgeordneten Carla Dejonghe von den auf föderaler Ebene mitregierenden Liberalen der „Open VLD“ sogar eine Parlamentspräsidentin erschienen.

Itch, der Golden Retriever

Carla Dejonghe ist Vorsitzende des aus den 17 niederländischsprachigen Mitgliedern des Brüsseler Regionalparlaments bestehenden „Parlaments der Flamen in Brüssel“, offiziell „Raad van de Vlaamse Gemeenschapscommissie (VGC)“ genannt. Sie ist der Öffentlichkeit vor allem durch ihren Golden Retriever „Itch“ bekannt, den sie für die Vereinigung zur Zuweisung von Hilfshunden an Behinderte auszubilden hilft.

Diese und andere Feinheiten der belgischen und Brüsseler Politik bleiben den für den Beruf von außen Kommenden häufig verborgen. Das soll sich nun ändern, eine Integrationsaufgabe, der sich die beteiligten Gruppen von nun an regelmäßig stellen wollen. Weitere Aktivitäten, wie der Besuch des Brüsseler Parlaments, sind bereits in der Planung.

 

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