„Mazel tov“ für die Bundeskanzlerin

Capture d’écran 2014-06-22 à 16.11.38Zur Überreichung des Lord Jakobovits-Preises des Europäischen Judentums an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Brüsseler Großen Synagoge erhoben sich die Anwesenden und applaudierten lange. Am Abend des 22. Mai 2013, nach dem Ende der Tagung des Europäischen Rates, überreichte ihr Pinchas Goldschmidt (Moskau), der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, diesen Preis. Er besteht aus einer Skulptur, die drei geschlossene Torah-Rollen abbildet.

Den Preis erhält die Bundeskanzlerin in Anerkennung „ihres fortgesetzten Einsatzes für europaweite Harmonie zwischen den Gemeinschaften, für ihre Freundschaft mit der jüdischen Gemeinschaft und ihre herausragenden Beiträge zur Förderung von Toleranz und gegenseitigem Verständnis“.

 

Gegen Antisemitismus

Von einem Preis für „Leadership“ sprach Rabbiner Goldschmidt in seiner auf Englisch gehaltenen Rede, und er nannte es „nicht einfach“ für einen Rat von Rabbinern, den Preis zur Erinnerung an Lord Immanuel Jakobovits, den früheren Präsidenten der Konferenz, an eine „deutsche Kanzlerin“ zu verleihen. Der Redner berief sich auf klare Stellungnahmen Angela Merkels in der Vergangenheit – wie 2009 gegen die Äußerungen des Bischofs Williamson von der Pius-Bruderschaft, der die Shoah leugnete.

Goldschmidt erinnerte auch an ein deutsches Gerichtsurteil aus dem Jahre 2012, das die religiös vorgeschriebene Beschneidung von Jungen als „Köperverletzung“ qualifizierte. Die Kanzlerin hatte wesentlich zur juristischen Lösung des Problems beigetragen.

 

Dank der Kanzlerin

„Ich danke Ihnen von Herzen für diese große Ehre“ erklärte die Kanzlerin. Der Preis sei für sie vor allem ein Ansporn. Es gebe noch viel zu tun.

Es grenze an ein Wunder, dass es in Deutschland wieder ein „blühendes jüdisches Leben“ gebe. Man verdanke dies Jakobovits und all denen, die aus Deutschland „einen Ort der Freiheit und des Friedens“ gemacht hätten. Zur Freiheit gehöre auch das Menschenrecht auf Religionsfreiheit. Ohne sie sei eine Gesellschaft nicht frei.

Toleranz sei die Grundlage, nicht jedoch falsch verstandene Toleranz für Antisemitismus und Gewalt, die im Namen einer Religion ausgeübt wird. Sie versprach, dass Deutschland weiterhin gegen antisemitische Tendenzen überall in Europa vorgehen werde.

 

Bekräftigung der Israel- und Nahostpolitik

Frau Merkel erwähnte die vielen Formen der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel und gab ihrer Hoffnung für eine friedliche Zukunft des Landes zum Ausdruck. Deutschland wolle eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts durch direkte Verhandlungen mit dem Ziel zweier Staaten. Das sei nicht unmöglich. Sie habe es im geteilten Europa erlebt: „Nichts muss bleiben, wie es ist“.

 

Gebet und Glückwünsche

Der Chor der Synagoge begleitete den Festakt musikalisch, und die Orgel schloss die Zeremonie mit den Klängen der Europa-Hymne. Ein Gebet für Europa hatte der Brüsseler Oberrabiner Albert Guigui gesprochen. Er hatte auch einen Glückwunsch von José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission, an die Laureatin verlesen.

Philippe Markiewicz, Präsident der jüdischen Gemeinschaft Belgiens (CCOJB), hielt seine Rede auf Deutsch und beglückwünschte die Kanzlerin und Deutschland mit dem traditionellen Wunsch „Mazel Tov“ (Viel Glück).

Foto: (c) Bundesregierung/Kugler.


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