Martin-Luther-Platz in Antwerpen

Von Marion Schmitz-Reiners

Nun hat auch Antwerpen seinen „Martin-Luther-Platz”. Genau am Reformationstag wurde ein Plätzchen in der Nähe der St. Andreaskirche von Munt- in Maarten-Luther-Plein umgetauft. Ein beachtliches Ereignis für eine Stadt, die traditionell tiefkatholisch ist, im 16. frühen Jahrhundert aber das Zentrum reformatorischen Gedankenguts in den Habsburger Niederlanden war. Gleichzeitig wurde die Ausstellung „Ein lutherischer Frühling“ in der Andreaskirche erst festlich beendet und dann mit Lutherbier begossen.

Der Martin-Luther-Platz liegt in unmittelbarer Nähe der St. Andreaskirche (Sint-Andrieskerk) im Antwerpener Stadtzentrum. Der Umbenennung waren Bürgerproteste vorangegangen: Die Anwohner des Plätzchens konnten mit Luther nichts anfangen und klebten Plakate mit der Aufschrift „Luther-Blunder-Plein“ (Luther-Patzer-Platz) auf ihre Fensterscheiben.

Das tat der Freude der zahlreichen Geladenen keinen Abbruch. Unter Trommelwirbeln und Fanfarenklängen enthüllten der deutsche Botschafter Rüdiger Lüdeking und Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever ein Straßenschild. Es folgte die festliche Finissage der Ausstellung „Ein lutherischer Frühling – Toleranz und Repression in Antwerpen“ in der Andreaskirche. Knapp 10.000 Menschen hatten die Ausstellung besucht, die sie mit dem in Belgien eher unbekannten Phänomen der Reformation konfrontierte.

Mit Thesenanschlaghammer

Dr. Thorsten Jacobi, Pfarrer der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in der Provinz Antwerpen und Kurator der Ausstellung, empfängt die Besucher im Luthergewand und mit Thesenanschlaghammer in der Hand. Sein Auftritt ist bühnenreif. „Wir wollen uns nun laben und ergötzen an guten Worten und einem starken Bier“, zitiert er sein Alter Ego.

Bart De Wever, nicht gerade als Verfechter des (evangelischen) Glaubens bekannt, wächst in seiner Festrede über sich selber hinaus: „Luther hat den Keim der Aufklärung gelegt. Ohne ihn wäre die Geschichte anders verlaufen. Die Menschen wurden zur Gewissensfreiheit aufgerufen. Sie wurden angeregt, selber zu lesen und sich eine eigene Meinung zu bilden.“

Und was Antwerpen mit einem deutschen Augustinermönch aus dem 16. Jahrhundert zu tun habe? „Hier ganz in der Nähe, am Vrijdagmarkt, wurden Luthers Schriften gedruckt. Antwerpen war das Zentrum der Reformation in den Habsburger Niederlanden.“ Auch die beiden ersten Märtyrer der Reformation waren Antwerpener: Die Augustinermönche Heinrich Voss und Johann von Essen landeten 1523 in Brüssel auf dem Scheiterhaufen der Inquisition.

Auch Botschafter Lüdeking weist darauf hin, dass Luthers Lehre einen „Aufruf zur Zivilcourage“ impliziert. „Europa und die westlichen Werte sind ohne Luther nicht vorstellbar.“ Luther habe den „Anstoß zur Bildung breiter Bevölkerungsschichten“ gegeben. Und schließlich unterstreicht er seine Freude darüber, dass das Reformationsjubiläum – jedenfalls in Brüssel und Antwerpen – unter dem Zeichen der Versöhnung der Konfessionen gestanden habe. „Ich hoffe auf einen weiteren Fortschritt der Ökumene.“

Vier geistreiche Reden später trifft man sich im Gewölbekeller der Andreaskirche. Katholische, anglikanische, protestantische und evangelische Würdenträger plaudern angeregt miteinander und das Publikum labt sich am „starken“, dem Lutherbier – eine Spende der deutschen Botschaft. Dann zieht die Menge vereint zum ökumenischen Festgottesdienst in der protestantische Kirche „De Brabantse Olijfberg“. Beim Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ singen alle aus voller Brust mit. An diesem Abend ist die Versöhnung der Konfessionen Fakt.

Fotos: Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi alias Luther, Enthüllung eines Straßenschilds durch Botschafter Lüdeking und Bart De Wever.

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