Letzte Frist für Schorsch

Capture d’écran 2014-06-22 à 11.43.44Die Uhr tickt für das denkmalgeschützte Hotelschiff „Georg Büchner“, das im Stadthafen von Rostock liegt. Gebaut wurde es in Antwerpen. und unter dem Namen „Charlesville“ transportierte es Passagiere und Fracht zwischen Antwerpen und der Kolonie Belgisch-Kongo. Später fuhr es unter DDR-Flagge nach Kuba und Mexiko und diente schließlich in Rostock im Stadthafen als Hotel- und Herbergsschiff. Das Schiff ist das letzte einer Serie von kombinierten Fracht- und Personenschiffen, deren Namen alle auf „-ville“ endeten und die in Hoboken (Antwerpen) gebaut wurden.

Der Rechtsanwalt Dr. Tobias Schulze ist Insolvenzverwalter für den Trägerverein „Traditionsschiff Rostock e.V.“, der Eigentümer des Schiffes ist. Der Verein hatte im Februar 2013 beim Amtsgericht Rostock das Insolvenzverfahren beantragt, weil er die aufgelaufenen Kosten und den Unterhalt für die Georg Büchner nicht mehr bezahlen konnte. Laut Schulze sind schon 150 000 Euro an Liegegebühren und Bewachungskosten aufgelaufen. Einnahmen gibt es nicht mehr, weil das Schiff seit Ende 2012 als Hotel- und Herbergsschiff geschlossen ist. Um das Schiff zu erhalten, sind nach Schätzung von Experten weiterhin mindestens fünf Millionen Euro erforderlich.

Der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter erkannte einen abgeschlossenen Kaufvertrag über das denkmalgeschützte Schiff nicht an. Das Schiff konnte nicht verkauft werden, weil es auf der Rostocker Denkmalsliste stand und der Trägerverein als Eigentümer keinen Antrag gestellt hatte, den Denkmalsschutz aufzuheben. Deshalb stoppte der Denkmalschutz die Pläne, das Schiff nach Klaipeda (Litauen) abzuschleppen. Seitdem liegt es im Stadthafen fest.

Die Hansestadt Rostock hatte übrigens schon im November 2012 auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet.

Der anonyme „Käufer“

Der anonym gebliebene Kaufinteressent, der das Schiff kaufen. nach Litauen schleppen und dort verschrotten lassen wollte, ist weiter am Kauf interessiert. Dabei soll es sich laut „Ostsee-Zeitung“ um den südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung handeln, der das Schiff nach Verschrottung in Litauen als Stahlschrott weiter nach Spanien verkaufen wollte. Dass das Schiff unter Denkmalschutz stand und nicht verkauft werden konnte, sei dem Käufer nicht bekannt gewesen, hieß es. Die Kaufsumme von 900 000 Euro soll aber zu großen Teilen bereits bezahlt worden sein.

Die belgischen Initiativen

Die Hoffnung all derer, die das Schiff als maritimes Denkmal erhalten wollen, richten sich auf Belgien. Mehrere Initiativen setzen sich dafür ein, dass das Schiff in seine „Heimat“ geschleppt und dort als maritimes Denkmal bewahrt wird. Der Verein „Maritiem Erfgoed Vlaanderen“ unter dem Vorsitz des Antwerpener Seerechts-Anwalts Eric Van Hooydonk kümmert sich seit Jahren um das Schiff. Die Presseagentur Belga teilte noch am 8. April 2013 mit, der Verein habe zwei Interessenten gefunden, die das Schiff übernehmen und erhalten wollten. Die Namen konnte er der Öffentlichkeit noch nicht mitteilen.

Daneben betrieb der Verein Vvia (Flämische Vereinigung für industrielle Archäologie) eine Kampagne für die Rettung des Schiffs. Zu einer Zusammenarbeit mit Maritiem Erfgoed kam es nicht. Die Vereine und ihre Vertreter können sich gegenseitig offenbar nicht leiden. Facebook – Initativen entwickelten sich auf Deutsch („Rettet Schorsch“) und Niederländisch. Zuletzt wandte sich der „MS CharlesvilleVoG (VzW)“ an die Öffentlichkeit .Der Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht, einem deutschen „Eingetragenen Verein “ vergleichbar, sucht öffentliche Unterstützung „für die Erhaltung unseres letzten Kongoboots“.

Die flämische Regierung hatte ihrerseits Kontakt mit der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen.

Letzte Frist für alle Interessenten

Erstmals trafen sich am Freitag, dem 5. April, der Insolvenzverwalter, Vertreter des Denkmalschutzes für die Hansestadt Rostock und des Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern für Kultur- und Denkmalpflege, der Rostocker Hafenkapitän und ein niederländischer Bevollmächtigter des Interessenten, der das Schiff vom Trägerverein „gekauft“ hatte. Insolvenzverwalter, Landesamt und der Vertreter des Käufers einigten sich nach dem Treffen auf eine „letzte Frist von vier Wochen“, in der Interessenten ein Angebot vorlegen könnten. Bis Ende April muss ein Angebot auf dem Tisch liegen.

In einer NDR – Radiosendung am 6. April erklärte der Konkursverwalter, Interessenten, die das Schiff erhalten wollen, müssten ein „rechtlich und finanziell belastbares Konzept“ präsentieren. Nunmehr wird Besuch aus Belgien in Rostock erwartet.

Die Alternative: Verwertung

„Entscheidend ist, ob der Interessent das denkmalgeschützte Schiff erhalten wird“, so Dr. Michael Bednorz, Leiter des Landesdenkmalamtes in Schwerin.. Nur dann könnte das Landesamt einem Verkauf zustimmen.“Wir wollen schnell alle Möglichkeiten prüfen“, erklärte er. Ansonsten würde der Denkmalschutz neu bewertet werden, wie die Ostsee-Zeitung berichtete. Es wäre also denkbar, dass das Schiff von der Denkmalsliste genommen wird, weil dem insolventen Eigentümer der Erhalt des Schiffes nicht mehr zuzumuten ist.

Danach könnte es der Insolvenzverwalter als Insolvenzmasse verwerten. Erhaltenswerte, denkmalgeschützte Elemente könnten allenfalls ihren Platz in einem Museum finden. Ein Überschuss aus dem eventuellen Verkauf des Schiffes würde übrigens nicht an den Trägerverein fließen, sondern an die Stadt Rostock, die das Schiff dem Trägerverein für eine Mark überlassen hatte. Das teilte der Konkursverwalter mit.

 

Autor: Jan Kurlemann

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