Lempertz-Auktion: Kunstgewerbe auf dem Vormarsch

Hausaltar Lempertz

Der Rokoko-Hausaltar

Wer sich in letzter Zeit auf dem Kunstmarkt umschaut, kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Vor allem die erzielten Preise für zeitgenössische Kunst sind so absurd wie die Kunstwerke selbst. Während der Giacometti, der unlängst bei Sotheby’s um 101 Millionen Dollar den Besitzer wechselte, noch mit Überzeugung als Kunst gewertet werden kann, setzt das Verständnis für den von Robert Gober (wer kennt ihn?) erzielten Verkaufspreis bei Christie’s aus: 3.5 Milioen Dollar für – drei Pissoirs (eine Installation aus dem Jahre 1988). Was Bendor Grosvenor, Autor der Financial Times zu dem Schluss kommen lässt: „Wir haben kollektiv die Fähigkeit verloren, Kunstwerke für uns selbst und durch sie selbst zu bewerten“ (FT, 18. November 2014).

Bei Lempertz sieht es, Gott sei Dank, anders aus. Kunstgewerbe gehört nicht zu den grossen Hits der Auktionshäuser. Zu Unrecht, schaut man sich den Katalog an.

Die Resultate der Auktion vom 14.11. zeigen, dass aussergewöhnliche, teure Stücke eher an den Mann (oder Frau) zu bringen sind, als durchwegs gute Objekte in mittlerer Presiklasse (zwischen 1000 und 5000 EUR), denen aber das gewisse Etwas fehlt. Dieses hatte sichtlich das „Liebespaar bei der Schokolade“, eine Meissener Figurengruppe um 1736, deren Haltung erahnen lässt, dass es wohl nicht bei der Schokolade bleiben würde (siehe Foto). Geschätzt auf atemberaubende 60-80.000 EUR, erhielt sie den Zuschlag bei 148.000 EUR. Dagegen ist der indiskrete Harlekin, ebenfalls von Meissen, um 47.000 EUR direkt eine Mäzie.

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Auch sonst zeigten sich die Käufer von ungewöhnlichen Objekten angezogen: der silberne Tafelaufsatz in Form eines Dreimasters erreichte EUR 43.400 (14.400 mehr als der obere Schätzwert), zwei Teller aus der Dresdener Hofsilberkammer wechselten den Besitzer um EUR 6000 (anstatt der geschätzten 900). Nur ein Objekt enttäuschte: Niemand fand sich für den seltenen Rokoko-Hausaltar aus Salzburg. Aber vielleicht waren EUR 90.000 für ein stilles Gebet doch zu viel.

Lempertz versteigert Qualität, und hat das auch mehrmals schon in seiner Brüsseler Dependance gezeigt. Die nächste Auktion findet übrigens hier am 27. Januar 2015 statt: Tribal Art.

Margaretha Mazura

Mehr Info: https://www.lempertz.com/

Aus dem Belgieninfo-Archiv: Tribal Art: Otto’s Uli bei Lempertz in Brüssel

 

Tags: Kunst

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