Kultur

Kunstfestival Europalia 2021 – Die Eisenbahn in der Kunst

Von Reinhard Boest.

Als Beitrag zum europäischen Jahr der Schiene 2021 widmet das belgische Kunstfestival „Europalia“ sein diesjähriges Programm der Eisenbahn. 2021 gibt es nämlich mehrere Jubiläen zu feiern: vor 175 Jahren fuhr der erste Zug zwischen Brüssel und Paris, vor 40 Jahren der erste TGV und vor 25 Jahren der erste Thalys. Die Europalia ist ein Kunstfestival, das seit 1969 in Belgien alle zwei Jahre organisiert wird und ein Gastland vorstellt. 2021 gibt es erstmals keinen geografischen, sondern mit der Eisenbahn einen thematischen Schwerpunkt.

Wahrscheinlich hat kaum jemand gemerkt, dass 2021 das « Europäische Jahr der Schiene » war. Eigentlich sollten die Vorzüge des Schienenverkehrs für Reisende, die Wirtschaft und das Klima vermittelt und der, etwas bürokratisch einheitliche « europäischen Schienenverkehrsraums ohne Grenzen », vorangebracht werden, der schon seit über einem halben Jahrhundert angestrebt wird.  Doch COVID führte zu großen Einschränkungen des Reisens und traf auch die Eisenbahn hart. Die Passagierzahlen waren im freien Fall und insbesondere das Angebot im grenzüberschreitenden Verkehr wurde massiv zurückgefahren. Aber auch seit die Züge wieder häufiger fahren, sind sie noch nicht wieder so voll wie früher. Die Renaissance der Eisenbahn, die sich vor Beginn der Krise abzeichnete, braucht wohl länger.

Doch so schnell will man in Belgien nicht aufgeben. „Europalia“ trotzt den Schwarzmalern und widmet ihr diesjähriges Programm der Eisenbahn. Das belgische Kunstfestival findet seit 1969 alle zwei Jahre statt und beschäftigt sich normalerweise mit einem Gastland. Doch für 2021 hat man sich erstmals keinen geografischen, sondern mit der Eisenbahn einen thematischen Schwerpunkt gegeben.

Die Veranstaltungen thematisieren u.a. die Rolle der Eisenbahn in den Kriegen, bei der Kolonisierung in Afrika und beim Holocaust. Auch die Zukunft der Eisenbahn als nachhaltigstes Verkehrsmittel wird aufgegriffen; dabei sollen sich vor allem junge Menschen einbringen.

Unter dem Titel « Trains and Tracks » gibt es zwischen dem 14. Oktober 2021 und dem 15. Mai 2022 insgesamt über 70 Kunstprojekte, vor allem in Bahnhöfen und Zügen in Belgien und seinen Nachbarländern. Schwerpunkte des multidisziplinären Programms sind « Eisenbahn und Gesellschaft », « Zeit und Bewegung » und « Treffen und Abschied ».

Den Auftakt bildet die Ausstellung « Gleise in die Modernität », die vom 14. Oktober 2021 bis 13. Februar 2022 im Musée des Beaux Arts in Brüssel gezeigt wird. Zu sehen sind Werke namhafter Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts von Monet und Caillebotte über Mondrian bis Delvaux und Magritte, die die Faszination für das Neue, aber auch die Furcht davor thematisieren.
https://www.fine-arts-museum.be/fr/expositions/europalia

Die großen Bahnhöfe in Brüssel, Antwerpen, Liège Guillemins, Verviers, Brugge, Leuven und andere sind überraschende Schauplätze für Konzerte, Lesungen, Slam Poetry und Performances. Die Intercity-Linie zwischen Oostende und Eupen, die alle Regionen und Sprachgebiete Belgien berührt, wird zum « Endless Express »: an der Strecke stellen sieben junge Künstler ihre Werke an den Gleisen, auf Bahnsteigen und in den Bahnhöfen aus.

Zudem präsentiert das Museum der SNCB Trainworld in einer Sonderausstellung vom 26. Oktober 2021 bis 17. April 2022 den legendären Orient-Express – Mythos, Luxus, belgisch!

Das umfangreiche Gesamtprogramm findet sich hier: https://europalia.eu/en/trains-and-tracks/programme

Das Magazin LE VIF hat anlässlich dieser Europalia eine fast 200-seitige Sonderausgabe (La Fabuleuse Histoire du Train) veröffentlicht, in der vor allem die Entwicklung der Eisenbahn in Belgien geschildert wird: die erste Eisenbahn auf dem Kontinent, das dichteste Streckennetz der Welt (wovon heute nicht mehr viel übrig ist), die für Belgien typischen Überland-Straßenbahnen und vieles mehr (Preis 14,95 €).

Bild: @europalia, www.europalia.eu

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