Künstliche Intelligenz – Spitzentechnologie made in Belgium

Von Sandra Parthie.Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) sind die großen Trends unserer Zeit. Das Smartphone ist für viele schon fast zum Körperteil geworden – von der Wetter-App über die Fotofunktion bis zur Email – das Gerät ist im Dauereinsatz. Und dabei generiert es jede Menge Daten, die einigen Wirtschaftsexperten bereits als das „Öl des 21. Jahrhunderts“ gelten.

Die Namen der größten Unternehmen, Google, Facebook, Alibaba, Amazon, sind allgegenwärtig. Sie sind es auch, die die Entwicklung von künstlicher Intelligenz vorantreiben. Doch, was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Und was gibt es dazu in Belgien?

Gemeint ist zumeist die Sammlung von großen Datenmengen und Datensätzen in Verbindung mit großer Rechenleistung zur Erkennung und Verwertung von Mustern. So werden beispielsweise Verkehrsdaten zum frühzeitigen Erkennen von Staugefahren genutzt. Oder die bisherigen Produktvorlieben beim Einkauf via Zalando für das Generieren der nächsten passenden Klamottenvorschläge verwendet. Für einige klingt das eher gruselig, andere wollen genau das – statt sich endlos durch Online-Kataloge zu klicken, bekommt Frau gleich die Sachen zu sehen, die sie vermutlich am interessantes findet, und nicht die Herrenschlafanzüge oder Manschettenknöpfe.

Was KI wirklich kann und tut, hängt davon ab, wie der Mensch den Algorithmus, der dahintersteckt, programmiert. Wenn der Rechner mit unsinnigen Datensätzen gefüttert wird, kommt am Ende auch Unsinn raus. Ein inzwischen berühmt-berüchtigtes Beispiel ist die Nutzung von KI für die Stellenbesetzung in einem großen amerikanischen IT-Unternehmen: der Algorithmus bekam als Datenbasis jede Menge Lebensläufe gefüttert und sollte auf dieser Basis die passenden neuen Angestellten aussuchen. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass die KI die Bewerbungen von Frauen immer schlechter bepunktete als die von Männern – weil beim Einfüttern offenbar viel mehr Lebensläufe von Männern, als von Frauen genutzt wurden und vergessen worden war, auf Geschlechterneutralität zu achten. Daraus leitete die KI ab, dass Männer besser auf die Stellen passten als Frauen. Dieser „bias“ (englisch für Neigung/Beeinflussung) ist kein Problem des Algorithmus’, sondern seiner Programmierer.

Das zeigt – von der Weltherrschaft der Roboter und Computer kann keine Rede sein. Es geht bei KI vor allem darum, die großen Datenmengen unserer Zeit sinnvoll zu strukturieren. Und dabei tut sich ein belgisches Unternehmen weltweit hervor: Kantify ist ein inzwischen preisgekröntes Start-up der Belgierin Ségolène Martin, das alle möglichen KI-basierte Anwendungen entwickelt. Dabei werden gemeinsam mit den verschiedensten Unternehmen KI-Lösungen ersonnen. Einen der Preise erhielt Kantify zum Beispiel für ein neues Modell, mit dem Herzerkrankungen frühzeitig erkannt werden können.

Die Kantify-Chefin Ségolène Martin im Interview mit belgieninfo:

BI: Du engagierst Dich bei „Women in AI“, einem internationalen Konsortium von Frauen in der AI-Branche. Warum ist das Dir das wichtig?

SM: Als Kantify anfing gut zu laufen, begaben wir uns auf die Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und da wurde mir bewußt, dass die deutliche Mehrheit der Bewerbungen von Männern kam.

BI: Ja, und? Ist das so schlimm?

SM: Ein erfolgreiches Unternehmen braucht Diversität. Nur Männer einzustellen, führt zu Eindimensionalität und „bias“. Das ist nicht gut. Es muss einen guten Mix geben, aus Männern und Frauen, aber auch von Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Fähigkeiten. Nur Programmierer zu haben, reicht nicht aus, um ein Unternehmen wirklich nach vorne zu bringen.

BI: Belgien gilt nicht unbedingt als KI-Zentrum. Täuscht der Eindruck?

Ségolène Martin ist “Belgiens Botschafterin“ für Women in AI, hat einen Master in Europäischen Studien sowie einen MBA. Bevor sie Kantify gründete, arbeitete sie in verschiedenen Technologieunternehmen als Verantwortliche für die Unternehmensentwicklung, Public Affairs und Strategie.

 

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