Konzert mit Lkw und Bus: „Beethoven goes Jazz“

Von Sven Parthie.

Ein ziemlich ungewöhnliches Format Beethoven zu erleben, gab es diese Woche in Brüssel: der deutsche Jazz-Pianist Søren Gundermann stellte anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und des 250. Geburtstages Ludwig van Beethovens bei fünf Kurzkonzerten seine „Europe Variations“ vor. Er interpretierte dabei Beethovens „Ode an die Freude“ auf sehr unterschiedliche und unterhaltsame Weise.

Infolge der Corona-Krise waren klassische Konzertauftritte nicht möglich. Daher wurde man beim Organisator der Auftritte, also der Botschaft Deutschlands beim Königreich Belgien, sehr kreativ und stellte Pianist und Instrument kurzerhand auf die Ladefläche eines Lkws. Auf dieser gleichermaßen vor Corona und dem Regen geschützt, spielte der Künstler zunächst vor dem Europäischen Parlament auf dem Place Luxembourg auf, dann vor dem Universitätskrankenhaus Saint-Pierre, im Saal eines jüdischen Altersheims, vor einer Kinderklinik und zum Abschluss auf dem Place de la Monnaie.

Das erste Konzert auf dem Place Luxembourg wurde durch den deutschen Botschafter beim Königreich Belgien, Martin Kotthaus, mit einer kleinen Begrüßungsrede eröffnet. Kotthaus stellte dabei Beethoven als wahren Europäer heraus, dessen Familie aus dem belgischen Mechelen stamme, der in Bonn geboren und aufgewachsen sei, um dann in Wien berühmt zu werden.

Die von Søren Gundermann komponierten „Europe Variations“ wollen dann auch „eine Reflexion eines Kontinents voller Widersprüche“ sein, so der Künstler. Beethovens Melodie ist in den Variationen meist erst beim genauen Hinhören zu erkennen. Die Variationen sind mal stärker auf afrikanische Elemente („living stones“) abgestellt, mal von arabischen Einflüssen („west-östlicher Divan“) begleitet. Jazz („Belgian Rag“) oder andere Musikstile wie Rock und Klassik tauchen ebenfalls auf. Beethovens Melodie wird dabei zum verbindenden Element der verschiedenen Spielarten, oder eines in diesem Fall musikalisch vielfältigen Europas.

Das anschließende Konzert war für den Jazz-Pianisten Gundermann nicht nur sein erster Auftritt in Belgien, sondern auch ein Auftritt mit Hindernissen: Der als Bühne dienende Laster und Gundermann waren vom Publikum durch den vorbeifahrenden Verkehr getrennt, darunter auch der eine oder andere STIB-Bus. Dennoch war die Schar der Zuhörerinnen und Zuhörer begeistert, und der Künstler selbst erklärte auf Französisch, dass er den Auftritt genossen habe, auch oder gerade wegen des Verkehrs. Er freue sich auf weitere Auftritte in Belgien.

Mehr zum Künstler und den „Europe Variations“: http://www.soerengundermann.com/news/200214

Fotos: Sven Parthie

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.