„Karma“ und Spiritualität im Europaparlament

Von Heide Newson.

So etwas hatte das Europarlament seit dem Besuch des Dalai Lama im Jahr 2008 nicht mehr erlebt. So weit der Blick reichte: Rasierte Köpfe und organgefarbene Gewänder, gemischt mit einem guten „Karma“ und viel Spiritualität im proppevollen EP-Sitzungssaal.

Gekommen waren viele europäische Beamte und etliche andere Interessierte, um einen buddhistischen Mönch zu erleben, der in seiner Heimat Taiwan fast wie ein Popstar gefeiert wird. Die Rede ist von Huei Kai, Vize-Abt des Fo Guang Shan Klosters und Professor an der Nanhua Universität. Er referierte aus seinem Fachgebiet „Life, Living, Dying,“ und ein Leben nach dem Tod.

Zunächst sprach der aus Taiwan stammende Mönch über unterschiedliche Glaubensrichtungen. Lange sei er auf der Suche nach der für ihn richtigen Religion gewesen. Fragen über Fragen habe er sich zum Sinn des Lebens gestellt und zum von der Menschheit gefürchteten Tod. Aber keine Lehre habe ihm eine Antwort gegeben, noch dabei geholfen, den richtigen Lebensweg zu finden. Alles sei ihm sinnlos vorgekommen, er habe sein Leben nicht in den Griff bekommen. Das habe mit seinem Job, der ihm keine Befriedigung gab, angefangen. „Ich war auf der Suche nach etwas „Erfüllenden“, fand es aber nicht“, gestand er.

Erleuchtung mit 26

Pläne habe er zwar gehabt. Doch realisieren konnte er sie nicht. Er fühlte sich wie paralysiert. Das sei die Folge seiner Furcht gewesen, dass es in unserem Leben nichts Ewiges gäbe und mit dem Tod alles endete. Aber diese Furcht sei unbegründet gewesen. Mit 26 Jahren habe er eine erleuchtende Wende erfahren. Der schon damals religiöse Huei fand, wonach er so lange gesucht hatte: Nämlich den buddhistischen Glaubens als die Glaubensform, die am besten zu ihm passte, und die ihm seit dem hilft, sein Leben zu gestalten. „Der Tod macht nur Sinn, wenn es ein Leben danach gibt,“ betont er. „Ich weiß, dass die Menschen im Westen selten an eine Wiedergeburt glauben, aber ich bin fest davon überzeugt.“

Ziel seines Ordens sei es, dem humanistischen Buddhismus weltweit bekannt zu machen, und ihn in das Leben und in die Herzen der Menschen zu bringen. Der Fo Guang Shan (Buddhas Berg des Lichtes) Orden ist ein chinesisch-buddhistischer Orden der Mahayana-Tradition. Sein Hauptsitz ist in Kaohsiung (Taiwan). Doch schon längst hat der Fo Guang Shan Orden internationale Bekanntheit erreicht. Weltweit gründet und leitet der Orden Tempel und Gruppen unter seinem Namen, darunter auch in Antwerpen.

1967 wurde der Orden durch Meister Hsing Yun, einem bekannten buddhistischen Mönch und Gelehrten, gegründet. Der Orden entwickelt und fördert den humanistischen Buddhismus, eine moderne buddhistische Philosphie, die mit Blick auf weltweite Katastrophen, Kriege, Terrorismus, zunehmend populärer wird. So fördert er Ausbildung und soziale Dienste und unterstützt den Erhalt und die Einrichtung öffentlicher Universitäten, buddhistische Hochschulen, Verlage und mobile Kliniken.

Der Tod ist nur ein Wendepunkt

Nach der buddhistischen Lehre über Leben und Tod, existiert der Tod eigentlich gar nicht. „Er ist nur der Wendepunkt zu einer Transition ins nächste Leben,“ so der taiwanische Mönch.

Der Tod an sich sei nicht das Problem. Das eigentliche Problem liege darin, ein Ableben in Würde zu erreichen. Schwer sei vor allem, sich in diesem entscheidenden Moment auf das nächste Leben vorzubereiten, und zu bestimmen, wie und wo man es leben will. Es sei wichtig, in unserer letzten Stunde über genügend mentale und physische Stärke und Energie zu verfügen, um bereits auf dem Sterbebett die richtigen Entscheidungen für unser künftiges Leben treffen zu können.

In Wirklichkeit ist der Tod nicht so fürchterlich wie die meisten Menschen annehmen,“ so Huei. „Einerseits ist der Tod ein Hindernis, andererseits erlaubt er uns eine große Ruhepause.“ Keiner brauche sich vor ihm zu fürchten, man solle dem Tod vielmehr positiv begegnen, über seinen Sinn nachdenken, sich auf die Zukunft und die Wiedergeburt vorbereiten.

Weisheit, Mitgefühl und Verständnis

Obwohl der Orden großes Gewicht auf das Konzept der Wiedergeburt und die Lehren des Karma legt, verschanzt er sich weder hinter antiquierten Dogmen, noch ist er verkrustet, oder „nur“ eine Stätte zum Meditieren. Geprägt ist der humanistische Buddhismus vielmehr von Weisheit, Mitgefühl und Verständnis. Seine Lehre ist modern, eloquent, und dient der Erfüllung und Realisierung des Einzelnen im diesseitigen Leben.

Ob man nun an die Wiedergeburt und an das „gute Karma Punkte“ sammeln glauben will oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Fest steht jedoch für mich, dass, diese Art von Glauben dem Leben im „Hier und Jetzt“, mehr Sinn geben kann.

Dazu die freudige sowie spirituelle Erkenntnis eines EU-Beamten: “In meinem nächsten Leben werde ich kein Beamter mehr werden.“ Worauf ein Kollege meinte, dass er gute Chancen auf einen anderen Job habe, da er sich in seinem Beamtenleben stets ethisch einwandfrei verhalten, und somit gute Karma Punkte gesammelt habe.

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