Jazz im Duo

Von Ferdinand Dupuis-Panther.

Dave Brubeck, Van Heusen, Martino … – klangvolle Namen in der Geschichte des Jazz und zugleich eine Herausforderung sich mit diesen Giganten des Jazz auseinanderzusetzen. Das gelingt dem Duo Carlo Nardozza und Christophe Devisscher in ganz eigener Weise. Die Kunst scheint dabei, Nähe und Ferne zum Original zugleich zu demonstrieren. Variationen und gekonnte Improvisationen sind allemal gefragt, wenn das Unterfangen nicht zu einem reinen Covern verkommen will. Also das Wie hat hier Vorrang vor dem Was!

 Standards im Duo – Duology

Das Duo des belgischen Trompeters Carlo Nardozza und des Kontrabassisten Christophe Devisscher haben sich nicht nur mit „It could happen to you“ (Van Heusden/Burke), „In your own sweet way“ (Brubeck) und „How insensitive“ und „Estate“ (Marino) beschäftigt, sondern haben sich auch an „Aus der neuen Welt“ von Dvorák herangewagt, also den Bogen zur klassischen Musik geschlagen.

Mit „minimalistischem Ansatz“

Bestechend ist der minimalistische Ansatz der beiden belgischen Jazzer, die eben nicht das Orchestrale suchen, sondern sich mit der wohl intimsten Formation den Giganten des Jazz und deren Werke nähern. Ein Wagnis war es, das unterstreichen die Aufnahmen, dann wohl doch nicht. Ein swingender Bass trifft bei „It Could Happen To You“ auf den kristallklaren Klang der Trompete. Weder vermisst man Drums, noch Piano. Die beiden Musiker genügen sich nicht nur selbst, sondern zeigen wie fein abgestimmt auch ein Duo funktionieren kann. Dabei lassen sich die beiden auch genug Spielräume, so dass der Bass auch noch paraphrasierend aufspielen kann, wenn die Trompete Spielpause hat. Das ist ein wahrer Hörgenuss.

Mit einem Stück von Dave Brubeck – nein, nicht „Take Five“ – setzen beide Musiker ihre Ode an die Heroen des Jazz fort: „In Your Own Sweet Way“. Schnörkellos gelingt Nardozza/Devisscher der Spagat von Revue und Musical zum Modern Jazz. Sehr lyrisch angelegt ist der Song, wobei Devisscher durchaus ein rhythmisch ausgerichtetes Bassspiel bevorzugt. Zudem darf sich Devisscher auch von seiner melodischen Seite zeigen, wenn er sein Solo präsentiert und Nardozza nur hier und da hintergründig kurz kommentierend zu hören ist. Ein fließendes Auf und Ab dringt ans Ohr des Hörers. Dabei sind Aufregungen und Aufruhr fern, auch wenn es um die eigene unübertroffene Art geht.

Der Walzer der Schnecken

„Valse des Escargots“ ist die einzige Eigenkomposition auf der vorliegenden Veröffentlichung. Mit „How Insensitive“ rückt Brasilien ganz nahe, könnte man beim Namen des Komponisten, niemand anderer als Jobim, denken: Eröffnet wird der Titel von Devisschers Solo am Bass. Nein Bossa, Calypso und Samba vernehmen wir nicht, wenn es um „Gefühllosigkeit“ bzw. „Instinktlosigkeit“ geht. Sehr einfühlsam beginnt der Song, der sich im Verlauf durchaus dramatisch, bisweilen anklagend und mahnend klingend, verändert. Auch der viel zu früh aus dem Leben geschiedene Chet Baker spielte den Song „I fall in love so easily“, ein Liebeslied, wie unschwer zu bemerken. Dabei ist auffällig, dass die Liebe doch komplizierter scheint, als angenommen, und durchaus mit dramatischen Verwickelungen aufwartet.

Sammy Cahn äußerte sich zum Song mit nachstehenden Worten: „This song was written one night in Palm Springs. When I sang the last line, Jule Styne looked over at me and said, ‚So. That’s it.‘ I knew he felt we could have written on, but I felt I had said all there was to say, and if I had it to do over, I would stop right there again.“ Aus dem Broadway-Musical „The Boys from Syracuse“ stammt „Falling in love with love“, unter anderem im Repertoire von Frank Sinatra. Auch das Duo Nardozza/Devisscher hat diesen Song interpretiert und ihm eine lyrisch-narrative Note gegeben. © fdp

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