Internationale deutsche Schule Brüssel wie im Kaiserreich

Von Sandra Parthie.

Das neue Schuljahr begann an der internationalen deutschen Schule Brüssel (idSB) mit einigen Veränderungen. Zum einen natürlich die von Corona diktierten, zum anderen eine personelle: Jörg Heinrichs übernimmt kommissarisch die Schulleitung, nachdem die langjährige Direktorin, Bettina Biste, nach Deutschland zurück gegangen ist. 

Jörg Heinrichs ist seit einem Jahr an der idSB und war bisher stellvertretender Direktor. Er kennt Brüssel allerdings schon länger, war, samt Familie, bereits von 2009-2012 in der Stadt, damals an der Europäischen Schule Woluwe. Der aus Bayern stammende Englisch,- Geschichts- und Erdkundelehrer ist vielen in der deutschen Gemeinde also bereits ein Begriff und er selbst froh darüber, die Schule und das gesamte Kollegium bereits zu kennen. Denn in Corona-Zeiten sehen sich alle mit vielen neuen Fragestellungen konfrontiert. Und das hilft es, das Team zu kennen und eingespielt zu sein.

Beim Gespräch mit Belgieninfo stellte Jörg Heinrichs auch die neue Leiterin der Verwaltung, Petra van den Beukel, vor und ist erleichtert, mit der 16 Jahren an der Schule Tätigen, eine erfahre und kompetente Kraft an der Seite zu haben. Überhaupt, Heinrichs ist voll des Lobes über „sein“ Kollegium: Teamwork und gegenseitige Unterstützung seien immer wichtig, aber derzeit noch viel mehr als sonst. Nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, auch alle anderen Kolleginnen und Kollegen, so Heinrichs, seien sehr engagiert, die Anforderungen der flämischen Verwaltung an den Corona-gerechten Schulbetrieb umzusetzen. Teilweise wurde sogar auf Urlaub verzichtet, um die Schule und die Tages- und Lehrabläufe „Corona-fest“ zu machen.

Klassenzimmer wie im Kaiserreich

Heinrichs erklärt, mit einem Augenzwinkern, dass die Klassenzimmer wieder aussähen wie im Kaiserreich – Tische stünden mit viel Abstand voneinander, morgens sammeln sich die Klassen am Eingang und werden von ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer in ihre Schulzimmer geführt. Da endet dann aber auch schon die Ähnlichkeit mit Kaisers Zeiten. Nicht nur das neue Einbahnstraßensystem für die Laufwege im Gebäude und die strikte, permanente Maskenpflicht kämen den Pennälern von damals wohl seltsam vor.

Auch die technische Ausstattung dürfte überraschen: die idSB ist gut aufgestellt und hat während des Lockdowns im Frühjahr rasch auf virtuelle Klassenzimmer und Online-Angebote umgestellt. Die Reaktionsfähigkeit und -schnelligkeit brachten, so Heinrichs, sogar ein Lob der deutschen Kultusministerkonferenz ein. Dennoch, die Erfahrung hat gezeigt, dass trotz Quantensprungs bei der Digitalisierung der Abläufe, ein ausschließlicher Online-Kontakt beschränkender ist, Debatten dadurch sowohl im Unterricht, wie auch bei Lehrerkonferenzen oft zu kurz kommen.

Derzeit besteht jedoch glücklicherweise noch keine Notwendigkeit für einen erneuten virtuellen Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler sind froh, wieder in die Schule zu können, waren sie während des Lockdowns doch sehr von ihren sozialen Kontakten abgeschnitten. Der Ausfall der Schule als Begegnungsort, als Rahmen für kulturelle Veranstaltungen und Elterntreffen wird sich jedoch so schnell nicht ändern, obwohl das, wie Heinrichs aus Gesprächen mit den Eltern weiß, vielen fehlt. Auch das Angebot an Arbeitsgemeinschaften ist weiter beschränkt, um ein unkontrollierbares Mischen der Klassen zu vermeiden. Für den Fall der Fälle, den „Code Organe“, der bei entsprechendem Infektionsgeschehen gemeinsam von der Schule und den flämischen Behörden ausgerufen werden würde, ist vorgebaut. Das Szenario dafür sieht vor, die Klassen um die Hälfte zu reduzieren und den Unterricht halb in Präsenz und halb von zu Hause durchzuführen. Wenn auch die Tagesabläufe aktuell komplizierter geworden sind, so hofft man doch allerseits, den Code Orange zu vermeiden.

Neue Ideen

Die Schule ist in der glücklichen Situation, so Heinrichs, über eine gute technische Infrastruktur zu verfügen. Dadurch können auch neue Lösungen entwickelt werden. An der Fachoberschule (FOS) der idSB sei man beispielsweise dabei ein Pilotprojekt für hybriden Unterricht umzusetzen. Kameras und weitere technische Ausstattung werden angeschafft, so dass der FOS-Unterricht auch an anderen deutschen Schulen im Ausland verfolgt werden kann.

Unabhängig von Corona sind Heinrichs und van den Beukel sowie ihre Teams dabei, das Angebot der idSB noch attraktiver zu gestalten. Künftig soll es ab der 5. Klassenstufe bilingualen Unterricht in englisch oder französisch geben. Die Schule hat, so van den Beukel, auch noch Kapazitäten für weitere Zugänge und ist offen für neue Anmeldungen.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.