In der Ostsee gesunken

Capture d’écran 2014-06-22 à 11.43.44Am Donnerstag, dem 30. Mai 2013 ist abends nach 20 Uhr das ehemalige Kongoschiff  „Charlesville“, heutiger  Name „Georg Büchner“, bei der Überführung von Rostock zur vermutlichen Verschrottung nach Klaipeda (Litauen ) in internationalen Gewässern gesunken. Personen waren nicht an Bord. Danach fuhr der Hochseeschlepper „Ajaks“ ohne seine Last direkt nach Danzig ( Gdansk), und die polnischen Behörden bestätigten den Verlust des Schiffes am nächsten Morgen.

Medien in Mecklenburg – Vorpommern und Flandern berichteten darüber, auch über unerklärliche Zickzack-Manöver des Schleppers vor dem Sinken des Schiffs, die auf der Webseite marinetraffic.com zu beobachten waren..

Monatelanges Gezerre  

Mit dem Untergang findet eine monatelange Auseinandersetzung um die Zukunft des Schiffes ein Ende. Belgische Organisationen zum Schutz des maritimen Erbes und für Industriearchäologie hatte vergeblich versucht, Geldgeber für die Rettung des Schiffs und seinen Rücktransport in die Heimat zu finden. Es war das letzte Fracht- und Passagierschiff aus einer Reihe, die in Hoboken und die Route Antwerpen – Matadi (Kongo) bediente. Die DDR-Seereederei hatte das Schiff gekauft, und es hatte zuletzt im Rostocker Stadthafen gelegen und als Hotel- und Herbergsschiff gedient. Seit Ende 2012 ruhte der Betrieb.

Der Trägerverein als Eigentümer des Schiffes  befand sich im Insolvenzverfahren, und nach Aufhebung des Denkmalschutzes konnte es der Käufer des Schiffs, eine Gesellschaft mit Sitz auf den Seychellen, mit Zustimmung des Insolvenzverwalters abschleppen lassen. Wie er mitteilte, war das Schiff versichert. Das Risiko der Überfahrt trage der Käufer.

Seesicherheit trotz Schlagseite?  

Beim Auslaufen am Dienstag, dem 28. Mai hatte die Georg Büchner eine leichte Schlagseite Zuvor hatte eine letzte Sicherheitsprüfung stattgefunden. Auch ein Versicherungsvertreter war an Bord gewesen. Während ihres Einsatzes als DDR-Ausbildungsschiff war übrigens die Außenhaut des Schiffes bei Schweißarbeiten beschädigt worden, und es war danach trotz Reparatur nicht mehr seetüchtig. Sollten Schäden zurückgeblieben sein?

Weitere offene Fragen

Adriaan Linters, der Vorsitzende der Vereinigung für flämische industrielle Archäologie ( VVIA), vermutet, dass das Schiff etwa „aus Versicherungsgründen zum Sinken gebracht“  worden ist, wie die „Gazet van Antwerppen“ berichtet. Weitere Fragen: Stellt das Wrack nun ein Hindernis oder eine Gefahr für die Schifffahrt dar? Muß es geborgen werden? Und wer müsste für die Kosten aufkommen? Jedenfalls liegt die Georg Büchner, einst Charlesville, bis auf Weiteres auf dem Grunde der Ostsee.

 

Autor: Jan Kurlemann

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