Im Schatten der Plastikvegetation. Auf die Palmen, ihr Affen, der Strand wird gefegt

7da74e361fIn Blankenberge, dem populärsten Badeort der belgischen Küste, gedeihen immer mehr Plastikpalmen. Wem der Trip zum Sunset-Boulevard oder in den Dschungel zu teuer ist, braucht auch bei uns am Strand auf Palmen, Plastikkokosnüsse und Stoffaffen, die sich daran festklammern, nicht zu verzichten.

Die einen finden es kreativ, die anderen einfach nur kitschig. Plastikpalmen am Nordseestrand sind auch in Zeiten, in denen bereits Ende April das Strandwasser zum Wellenhüpfen (Erwärmung der Weltmeere lässt schön grüßen) einlädt, Geschmacksache.

FroschAnscheinend kommt das Südsee-Ambiente, das PVC-Bauteile und Herden von Plüschtieren erzeugen, beim Publikum gut an, denn in den vergangenen Jahren hat sich der Palmenbestand am Hauptstrand des Touristenortes Blankenberge verdoppelt. Dem Lockruf der immergrünen Südseegewächse konnten auch die Tiere nicht widerstehen. Seit dem Vegetationszuwachs sind übergroße Frösche, Menschenaffen, Schimpansen, Schildkröten und Leoparden dazugekommen, um den gelangweilten Sonnenanbetern stumme Gesellschaft zu leisten.

Die Frage, ob Palmen wirklich an die Nordsee gehören, soll jeder für sich selbst ausmachen. Unter kreativen Gesichtspunkten ist es jedenfalls mal etwas anderes. Ein Liegestuhlvermieter scheint seinen lieben Spaß an der Plastik- und Kuscheltierwelt gefunden zu haben. Vor einigen Jahren fing er an, Palmen in den Sand zu stecken. Als diese immer mehr wurden, hingen plötzlich auch Kokosnüsse aus PVC in deren Kronen.

Kokosaffe am PalmenstammUnd was, bitte, sind Palmen ohne Kokosaffen, die am Stamm klammern? Folgerichtig sind auch sie nun da, wo sie eigentlich nicht hingehören. Mehr noch: an fast jeder Treppe hinunter zum Strand warten auf kindgerechtem Strandmobiliar diverse Plüschtiere auf die lieben Kleinen. Pinguine neben Löwen, Eisbären (im Moment sehr gefragt …) neben Krokodilen.

 

Konkurrenzkampf

Kommerziell? Klar, denn an der belgischen Küste muss das sein. Der Rubel muss rollen, und auch unter den Liegestuhlvermietern gibt es Konkurrenz. Und wenn die Kinder lieber dorthin wollen, wo die knuddeligen Plüschtiere auf sie warten, fällt bei überall gleichen Preisen die Entscheidung der Eltern meist nicht schwer, solange sie denn die Kühlbox nicht endlos über die Promenade schleppen müssen.

Mal ganz ökonomisch betrachtet, schaffen die Kuscheltiere und Palmen also einen Standortvorteil. Der Vermieter nebenan will (und kann vielleicht nicht) das Markenzeichen seines Nachbarn kopieren. Was macht er stattdessen? Utensilien zum Burgenbauen hinstellen. Denn das macht auch der Papa ab und an mal gerne, wenn das Kind in ihm zum Vorschein tritt.

Ja, an Belgiens Hauptstränden, insbesondere an dem von Blankenberge, ist ein wahrer Konkurrenzkampf um die schönste Stranddeko entbrannt. Es fehlen nur noch bunte Papageien mit Elektroflugantrieb und Haie mit batteriebetriebenem Fleischwolf im Maul, die dann das richtige Florida-Feeling herbeizaubern.

Baywatch à la belge – das fehlte gerade noch. Wieso eigentlich nicht? Statt Pamela Anderson könnte die blonde und bildhübsche Schauspielerin Ann Ceurvels (sie hat schon in der Serie Windkracht 10 Erfahrung im Rescue-Team gesammelt) einspringen, und den Part von David Hasselhoff übernimmt Soap-Star Peter van Asbroeck, der mit seinem Sixpack-Body bestimmt ebenbürtig ist!

Von Armin Möller

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