Hommage zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach- Brüsseler Oper spielt Hoffmanns Erzählungen

Von Egon C. Heinrich.

Mit einer Neu-Inszenierung seiner einzigen Oper, nämlich „Hoffmans Erzählungen“ (Les Contes d’Hoffmann) ehrt die Brüsseler Oper „La Monnaie/De Munt“ den vor 200 Jahren in Köln geborenen Komponisten Jacques Offenbach. Vom 10. Dezember 2019 bis 02. Januar 2020 wird es insgesamt zehn Aufführungen geben. Die Nachfrage dürfte groß und die Tickets daher rasch verkauft sein.

Die musikalische Leitung liegt beim Chefdirigenten der Monnaie, Alain Altinoglu, die Inszenierung hat der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski übernommen. Er gilt als einer der tonangebenden europäischen Theaterregisseure und hat im letzten Jahrzehnt bereits mehrere Opern an der Monnaie inszeniert. 2009 kürte die deutsche Zeitschrift „Opernwelt“ seinen „Macbeth“ zur „Inszenierung des Jahres“. Die Operndirektion schreibt zu Warlikowskis Inszenierung: „Mit Warlikowski am Ruder können wir uns auf eine originelle Lesart der „Contes d’Hoffmann“ einstellen, die sich dramaturgisch hauptsächlich mit der Figur der „segmentierten Frau“ auseinandersetzt.“ Dies bedeutet, dass die Zuschauer eine eher moderne Inszenierung mit Überraschungen erwarten dürfen, was sicherlich nicht allen gefallen wird.

Nach dem Ende des II. Weltkriegs gab es zwei herausragende Inszenierungen von Hoffmanns Erzählungen an der Brüsseler Oper:  1961 unter der Regie des legendären Choreographen Maurice Béjart und 1985 unter der musikalischen Leitung von Sylvain Cambreling. Die neue Inszenierung soll diese Reihe der großen Inszenierungen an der Monnaie fortführen, so hofft man an der Place de la Monnaie.

Jacques Offenbach konnte sein 102. Bühnenwerk nicht selbst vollenden; er erlebte auch nicht mehr die Uraufführung der Oper am 10.02. 1881 an der Opéra-Comique in Paris, da er am 05. Oktober 1880, ebenfalls in Paris, verstorben war. Auf Wunsch der Familie vervollständigte Ernest Guiraud das Libretto und die Partitur. Seither kam es zu zahlreichen Änderungen an Text und Partitur. Die kommende Neu-Inszenierung an der Monnaie stützt sich auf die Vorarbeiten des französischen Musikologen und Offenbach-Kenners Jean-Christophe Keck. Dieser hat mit den Nachkommen Offenbachs eine „definitive Edition“ erarbeitet. Keck wird am 11. Dezember in der Monnaie einen Vortrag über die faszinierende Geschichte der Partitur und ihre zahlreichen Fassungen halten.

Theaterstück diente als Vorlage für die Oper

Der Text der Oper basiert nicht auf einem üblichen Libretto, sondern auf dem gleichnamigen Theaterstück der französischen Dichter Jules Barbier und Michel Carré aus dem Jahre 1851, also rund 30 Jahre vor der Oper Offenbachs. Die Franzosen hatten ihr Theaterstück aus verschiedenen Erzählungen des deutschen romantisch-phantastischen Dichters E T. A. Hoffmann fabriziert, unter anderem aus folgenden Werken: Der Sandmann, Rat Crespel, Die Abenteuer der Silvester-Nacht, Der goldene Topf und nicht zuletzt Kleinzack, mit dessen Legende die Oper beginnt.

In der Oper erzählt der schon ziemlich alkoholisierte Hoffmann seinen Freunden die Erlebnisse mit seinen vier Geliebten. Wie in einer Oper zu erwarten, gibt es kein Happy End. Der arme Hoffmann bleibt vielmehr jedes Mal als enttäuschter, verlassener oder betrogener Liebhaber zurück. Clevere Verführer schnappen ihm die Frauen weg oder täuschen ihn gar mit einer mechanischen Puppe.

Jean Cocteau: Offenbach ist ein Musikgenie

Musikalisch gesehen sind die „Contes d’Hoffmann“ ohne Zweifel ein Meisterwerk der Opernliteratur. Die Oper stellt höchste gesangliche und darstellerische Anforderungen an alle Mitwirkenden, naturgemäß vor allem an die Interpreten der Hauptrollen. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die Rollen des Hoffmann und seiner Geliebten auch gleich zweifach besetzt. Den Dichter teilen sich die Tenöre Eric Cutler (USA) und Encea Scala (Italien), die Frauenrollen werden von Nicole Chevalier und Patricia Petibon übernommen; beide haben schon an der Monnaie gesungen. Den vierfachen Bösewicht interpretiert der Bass Gábor Bretz, der auch schon mehrmals in Brüssel gastierte. Auf die Zuschauer warten zudem eine Balletteinlage und sogar ein Jongleur.

Jean Cocteau sagte über Jacques Offenbach: „Musicien de génie. Tout est inventé, neuf, aérien, inimitable.“

 

Info & Tickets

Tel. 02-229 12 11

E-mail: tickets@lamonnaie.be  und Box Office MM Tickets

Preise von 10,– bis 159,– Euro

 

Bilder: La Monnaie Press Service

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