Hoffnung und Leben überall

 Capture d’écran 2014-05-10 à 11.45.41Es ist viel geschehen im Garten seit dem vorigen Bericht aus dem Biotop unserer Gartenexpertin. Der Rasen überwächst endlich die kahlen Winterflecken, Kirschen, Felsenbirnen, Azaleen und frühe Rhododendren entfalten ihre Blütenpracht. Der Teich erwacht mit Algenwuchs und den ersten Fröschen. Im Beet und in den Töpfen zeigen die späten Tulpen endlich ihre Farben. Hoffnung und erwachendes Leben überall.

Inzwischen reicht der Strauch bis zur Dachrinne, die dunkelgrünen harten Blätter sind unbeschadet durch den Winter gekommen, denn wie schon seit inzwischen 15 Wintern zeugt die zauberhafte weiße Kamelie (Titelfoto) an der Nordostseite unseres Hauses von ungeahnter Widerstandskraft. Ohne viel nachzudenken pflanzte ich sie und einige weniger wüchsige Kolleginnen an diesen Platz, wo sie geschützt sind vor Wind und Wintersonne. Sie lieben den hiesigen sauren Boden und wissen meine Sorge um ihren Wasserbedarf auch im Winter zu schätzen. Andere Gärtner verpacken sie in Stroh oder ziehen Kübel nach drinnen, bei mir gedeihen die kapriziösen Schönheiten beinahe zu gut. Ich werde einen recht radikalen Schnitt vornehmen müssen, des Tageslichts im Badezimmer wegen. Wagen Sie den Versuch mit dieser asiatischen Dame, Sie werden begeistert sein!

Capture d’écran 2014-05-10 à 11.45.52Die Magnolien erblühten alle auf einen Schlag, die frühen Sorten wie M. stellata, wie auch die späten wie „Susan“ oder die Purpurmagnolie (M. liliflora). Die beiden letzten mit ihren dunkelrosa Blüten sind durch ihren filigranen Wuchs und ihre späte Blüte besonders dankbare Gewächse. Bemerkenswert ist die Sternmagnolie in ihrer rosa Form (M. stellata „Rosea“). Eine Freundin hatte sie im Kübel gekauft und sich auf der Terrasse ihrer anmutigen Blüte erfreute. Die Scheu, sie anschließend einzupflanzen, konnte ich ihr nehmen. Alles was in Töpfen gezüchtet wurde, kann zu beinahe jedem Zeitpunkt in den Boden, vorausgesetzt, die Gewächse bekommen in den ersten Wochen ein wenig liebevolle Aufmerksamkeit.

Staude des Jahres

Capture d’écran 2014-05-10 à 11.46.10Ich habe sie Ihnen schon einmal empfohlen, die verschiedenen Varietäten der Wolfsmilchgewächse. Gerade jetzt bohren sich die kräftigen Triebe der Himalaya-Wolfsmilch (Eurphorbia griffithii „Fireglow“) aus dem Boden, die später ihre leuchtend orangeroten Blütenstände entfalten werden. E. polychroma ist die wohl dankbarste Sorte für den Garten, standfest trotz 60-70 cm Höhe, mit ihren grüngelben Blütenständen eine neutrale Begleiterin für beinahe alle Farbtöne. Sie ist langlebig und eine pflegeleichte Gartenbewohnerin.

Besonders gut gedeiht bei mir die kleinere Mandelwolfsmilch (Foto) Euphorbia amygdaloides „Purpurea“. Vor vielen Jahren, in der Zeit, als wir alle den Gartenideen von Elisabeth de Lestrieux nacheiferten, entstand bei mir ein „gloomy border“, dessen Farbgebung sich zwischen bordeauxrot und schwarzrot bewegte. Die dunkelrote Christrosen, ein rotblättriger Schlitzahorn (Acer dissectum „Garnet“), der rotblättrige Knöterich (Polygonum mircocephala „Red Dragon“), dunkelrotblättrige Purpurglöckchen wie Heuchera „Palace Purple“, sie waren die Pflanzen meiner Wahl, dazwischen ein Exemplar Leycesteria formosa, ein Strauch mit äußerst spannenden schwarzroten Traubenblüten. Und ehe ich mich versah, hatte sich ein farblich passender Sämling der oben erwähnten Mandelwolfsmilch dazwischen gemogelt. Auch die gezähmte und kultivierte Natur hält Überraschungen bereit.

Was sonst noch auffällt

Capture d’écran 2014-05-10 à 11.46.30Gewiss, in diesem Monat gibt der Garten alles, überall leuchtet und blüht es. Bei den Sträuchern sind es die Schneeballsorten, die mit ihren meist weißen, oft rosa überpuderten Blüten und ihrem sensationellen Duft unsere Sinne bezaubern, der Dauerblüher Viburnum tinus, der immergrüne Viburnum burkwoodii, Viburnum carlesii, der am meisten Rosa aufzuweisen hat. Durch gezielten Schnitt – direkt nach der Blüte – gut zu bändigen sind sie auch für kleinere Gärten geeignet.

Tot Geglaubte leben länger, sagt man. Ich dachte, meine Samthortensien hätten diesen zweiten harten Winter in Folge nicht überlebt. Doch innerhalb weniger Tage geschah das Wunder: Kräftiger Austrieb erschien und lässt auf einige Blüten hoffen. Dieser etwas sparrig wachsende Strauch eignet sich besonders für den schattigen Beethintergrund.

Bescheidener gebärden sich die früh blühenden Stauden, die Elfenblumen (Epimediumsorten), bei denen ich es gerade noch schaffte, das alte Laub rechtzeitig abzuschneiden. So kommen die gelben oder weißen Blütchen gut zur Geltung.

Duft in milden Maiennächten

Capture d’écran 2014-05-10 à 11.46.42Recht selten in Gärten zu finden ist die folgende Pflanze, eigentlich eine Wildstaude. Sie kennen wahrscheinlich „Monnaie du pape“ oder Judaspfennig. Diese Zweijährige sät sich willkürlich im Garten aus, mal in Weiß, mal in Lila. Doch die wenigsten kennen ihre Staudenschwester, Lunaria rediviva, deren Name „Mondviole“ viel über ihren Habitus aussagt, über die zartlila Blüten, die etwas Unwirkliches haben und ihren Duft in milden Mainächten. Auch sie sät sich aus, allerdings sparsamer. Einen Versuch wert!

Jetzt bleibt eigentlich nur, Ihnen gnädige Eisheilige zu wünschen, so dass Ihre Glyzinie nicht erfriert. Außerdem erfolgreiche Einkäufe in der Gärtnerei, denn wie auch ich fiebern Sie wahrscheinlich schon dem Bepflanzen der Balkonkästen entgegen. Ich habe schon einmal vorgefühlt, es gibt wieder wundervolle Neuigkeiten!

 

Text und Fotos: Heidrun Sattler

Heidrun Sattler ist begeisterte Gärtnerin und im Vorstand der Koninklijke Tuin- en Landbouwmaatschappij (tuinpunt), wo sie unter anderem die Verbindung zur Muttergesellschaft Groei&Bloei in den Niederlanden koordiniert.

Fotos von und aus dem Garten der Autorin

Erstveröffentlichung am 01. Mai 2013

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