Hessens Jahresempfang: Ein Salut auf den Euro

Von Heide Newson.

Heiß begehrt war die Einladung des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der zusammen mit „seiner“ Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, am 5. Juni zum Jahresempfang in die Brüsseler Landesvertretung geladen hatte. Und weit mehr als 400 der Geladenen kamen, und das trotz hochkarätiger Parallelveranstaltungen. Kein Wunder…. denn zum diesjährigen Jahresempfang hatte Bouffier den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Dr. Jens Weidmann, mitgebracht, der dann die mit Spannung erwartete Festrede hielt.

Anlässlich des Jahresempfangs wollte Hessens Landesvater die Fahnen, die dann auf Halbmast gesetzt wurden, eigentlich ganz hoch hängen. „Auch wenn es für uns heute ein Tag der Freude ist, so ist es für Belgien ein trauriger Tag,“ sagte er. Am Tag des hessischen Jahresempfangs hatte die Abschiedsfeier für die beiden Polizistinnen stattfgefunden, die Opfer eines Terroranschlags in Lüttich geworden waren, und Bouffier bekundete seine Solidarität und Anteilnahme. Die belgische Trauer erklärte auch das Fehlen belgischer Politprominenz. Nach dieser bewegenden Ehrerweisung gab´s viel Lob für die hessische Landesvertretung, die in der Rue Montoyer vor fünf Jahren als Mehrregionenhaus eröffnet worden war, und die heute so viel Zuspruch finde.

Finanzplatz Frankfurt

Mit Blick auf den Brexit, so Bouffier, wolle er hier für den Finanzplatz Frankfurt werben. Das tat er bei Jean-Claude Juncker, Haushaltskommissar Günther Oettinger sowie den für den Euro und Finanzpolitik zuständigen EU-Kommissar Valdis Dombrovskis.

Weiter ging er auf die Flüchtlingsproblematik, den US-Handelkrieg, die neue italienische Regierung, die Anlass zur Beunruhigung gebe, Veränderungen und Unsicherheiten innerhalb der EU und weitere Themen ein, die Europas Bürger auf den Nägeln brennen. Mit den Worten, Europa brauche eine Vision, politische, aber ebenso wirtschaftliche Stabilität, sprach er über den Euro, dessen Einführung er als Erfolgsgeschichte bezeichnete, was dann von Jens Weidmann in seiner Festansprache bestätigt wurde.

In den zwei Jahrzehnten seit seiner Einführung hat sich der Euro als Erfolg erwiesen. Er ist stabil, und mit 1,7 Prozent im Mittel der vergangenen 20 Jahre ist die Teuerungsrate niedriger als viele erwartet hatten,“ betonte der Weidmann. „Laut dem jüngsten Eurobarometer unterstützen drei Viertel (74 Prozent) der Befragten den Euro, nur jeder Fünfte (21 Prozent) lehnt die Gemeinschaftswährung ab.“

Dennoch sollten die erfreulichen Umfrageergebnisse nicht darüber hinweg täuschen, dass das zweite Jahrzehnt des Euro von Krisen und Problemen geprägt war. In diesem Zusammenhang ging der Bundesbank-Präsident auf die Finanzkrise, die Euro-Schuldenkrise, Bankenkrise, Rezession und die Arbeitslosigkeit ein. Im übertragenden Sinn könnte man sagen, dass der Euro eine unbeschwerte Kindheit, aber eine schwierige Jugend gehabt habe.

Die Reformen in den Mitgliedstaaten

Jetzt möchte ich aber ganz klar betonen, dass der Euroraum heute in vielerlei Hinsicht besser als vor der Krise dasteht, was etwas mit den eingeleiteten Reformen in Mitgliedstaaten wie Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Zypern zu tun hat“.

Auch ein wenig Privates gab er preis. Seit vielen Jahren arbeite er in Hessen, genauer gesagt im schönen Rheingau, beziehungsweise im pulsierenden Frankfurt. „Dort fühle ich mich längst heimisch.“ Hessen liege nicht nur in der Mitte Deutschlands, sondern auch im Herzen Europas. Mit einem Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck schloss er seine vielbeachtete Rede. Gauck habe gesagt, dass diese Union ein Geben und Nehmen sei, für niemanden dürfe sie eine Einbahnstraße sein. Sie folge dem Prinzip der Gegenseitigkeit, der Gleichberechtigung und der Gleichverpflichtung. Mehr Europa müsse heißen: mehr Verlässlichkeit. „Verlässlichkeit und Solidarität stehen und fallen miteinander.“

Dem hatte Hessens Europamisterin nicht mehr viel hinzuzufügen. Sie hielt sich kurz und lud die Gäste zum Drink und landestypischen Spezialitäten auf die wundervolle Dachterrasse ein. Dort mischte sich ein strahlender, gut gelaunter Ministerprädent unter die Gäste, plauderte über Gott und die Welt, schüttelte die vielen Hände, die sich ihm entgegenstreckten, und all seine Gäste fühlten sich pudelwohl. Es wurde spät, aber es gab ja auch so unendlich viel zu diskutieren, und die Getränke gingen auch nicht aus.

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