Happy Birthday zum 40. Geburtstag, KAS!

Von Heide Newson.

Unter dem Motto « Europa- das nächste Kapitel » startete im Cercle Royal Gaulois ein Jubiläumsempfang, den so schnell keiner vergessen wird. Wie sonst nur zum (Brüsseler) Oktoberfest standen die zahlreich erschienenen Gäste lange und geduldig Schlange, um am runden Geburtstag des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) teilzunehmen. Langeweile kam dabei nicht auf. Denn zum Diskutieren und Spekulieren gab´s schon auf dem Weg jede Menge (Zünd-) Stoff. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht verbreitet, dass etwas geschehen war, womit wohl keiner gerechnet hatte. In einer geheimen Kampfabstimmung hatte sich in Berlin der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Ralph Brinkhaus, gegen den bisherigen Vorsitzenden Volker Kauder, der 13 Jahr im Amt gewesen war, durchgesetzt.  

« Das ist ein klares Misstrauensvotum und eine Klatsche gegen Merkel, » so die ersten Kommentare der Geburtstagsgäste.

Was würde wohl der ehemalige Bundestagspräsident und heutige Vorsitzende der Konrad-Adenauer Stiftung, Prof. Dr. Nobert Lammert dazu sagen, der ebenso wie der belgische Vize-Premierminister Kris Peeters als Hauptredner an der Feier teilnahm?

Mundfaul

Viel sagte er nicht, obwohl ihm das Merkel Debakel ins sorgenvolle Gesicht geschrieben war. Ohne Namen zu nennen, ging er kurz und nur ungern auf die Abwahl des gestürzten Kauder ein.

Viel lieber sprach er über die europäischen Errungenschaften, die in den letzten Jahrzehnten mit technologischen Sprüngen und tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen verbunden gewesen seien. Allein die Europäische Union, und die damit verbundene Aufhebung von Souveränität auf eine höhere Ebene, könne sicherstellen, dass die Nationalstaaten weiterhin in einer globalen Welt Einfluss auf Geschehnisse nehmen könnten.

Die im Jahr 1978 gefallene Entscheidung, das Europäischen Parlament direkt zu wählen, sei ausschlaggebend für die Gründung einer Außenstelle der KAS in Brüssel gewesen. Angesichts der schwindenden Begeisterung für die Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte rief Lammert zu einem beherzten Einsatz für den europäischen Einigungsprozess auf – nicht ohne auf Großbritannien und die Entwicklungen in Italien, Ungarn und Polen hinzuweisen.

Migration, Brexit

Belgiens Wirtschaftsminister Kris Peeters lobte die langjährige Arbeit des Europabüros und den Einsatz der KAS in Belgien. In diesem Sinne erhoffe er sich eine weitere gute Zusammenarbeit. Er unterstrich sowohl die Bedeutung des Schutzes sozialer Standards, als auch eine stärkere Einflussnahme Europas in der europäischen Migrationspolitik. Ein wichtiges Kapitel nahm ebenso der Brexit ein. « Als gute Belgier sind wir zu einem Kompromiss bereit, aber nicht auf Kosten des Binnenmarktes » sagte er.

Dann sprach er von einer multigelagerten Identität innerhalb Europas. « Wir können uns als Flamen, Belgier oder Europäer fühlen » meinte er voller Stolz. Denn in all diesen Identitäten fänden wir eine gemeinsame Vergangenheit und Zukunft.

Kurios war, dass Peeters seine wallonischen Nachbarn, so als gehörten sie nicht zu Belgien, mit keinem Wort erwähnte. Vielleicht lag´s an den bevorstehenden Kommunalwahlen…

Mit einem virtuosen musikalischen Intermezzo erfreuten die Europaschüler alle Gäste, und zauberten auch ein Lächeln auf Lammerts besorgte (Merkel) Miene.

Während des Empfangs war es so voll, dass man sich zunächst weder bewegen noch zur Bar durchdrängeln konnte. Im Schneckentempo wurde dennoch eifrig debattiert. Das beherrschende Thema… die Abwahl Kauders und der damit verbundene Autoritätsverlust der Kanzlerin. « Ich glaube nicht, dass sich die Abgeordneten bei der Abwahl Kauders über die Dimension ihres Votums im Klaren waren », so ein noch immer fassungsloser Lammert gegenüber belgieninfo.

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