Grünkohl – ein norddeutscher Klassiker, erobert Brüssel

GruenkohlDeftig, spritzig und sehr witzig ging´s am Dienstagabend in der EU-Vertretung des Landes Niedersachsen zu, wohin Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident, etwa 500 Gäste zum traditionellen Grünkohlessen eingeladen hatte.

Aber vor dem Gourmet-Vergnügen stand zunächst die Arbeit. Stephan Weil war ja nicht nur als Oldenburgs frisch gekürter Grünkohlkönig nach Brüssel gereist. In Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Staatskanzlei, den Unternehmerverbänden Niedersachens und dem Verband der Chemischen Industrie fand in Brüssel das hochkarätige Niedersachsenforum statt, auf dem die Reform des Emissionshandels thematisiert wurde, und sich alles um CO2-Kosten, Klimaschutz, Kyoto-Protokoll und hochkomplexe Zertifikatspreise drehte.

Am Abend war sodann bei Grünkohl, Kassler, Speck, Pinkel-Kochwurst leichte Geprächskost angesagt.

«Die Suppe dampft schon, aus dem schönsten aller Bundesländer, aus Niedersachsen, habe ich viel Grünkohl und Getränke mitgebracht,  die bis drei Uhr in der Früh oder noch länger reichen», kündigte Weil an, der sich bei den zahlreich erschienenen Gästen bedankte, dass sie sich trotz aller Brüsseler Partyoptionen für den Grünkohl entschieden hätten. Und für den Norddeutschen Klassiker, eine Vitaminbombe par exellence, rührte der so gar nicht steife, sondern sehr spritzig und witzige Ministerpräsident, eifrig die Werbetrommel. Bei solch kulinarischen Genüssen lerne man die nettesten Gesprächspartner kennen, und bei der Begegnung eines Niedersachsens gingen allen die Herzen auf.

(c) Alexander Louvet

Und genau so war es, was Europas Erster Vizepräsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, in seinen Grußworten unter (witzigen) Beweis stellte.

Viele Gemeinsamkeiten gäbe es zwischen den Niedersachsen und seinem Heimatland Holland, betonte er. Beide Länder seien sehr flach, der höchste Berg Niedersachsens sei gerade mal 150 Meter hoch, und dass man dort nicht nur mit  Trekker fahre, sondern auch vieles überfahre, habe er von Otto Walkes gelernt. Aber dass Leute in Niedersachsen Grünkohl essen, müsse er jetzt erst mal seiner Mutter erklären, die meine, dass das gesunde Gemüse ein typisch holländisches Gericht sei.

Mit seinem perfekten unnachahmlichen deutschen Wortwitz nahm Europas «Vize» ebenso den deutschen Fußball auf die Schippe. Er wisse, dass Stephan Weil ein Fan von Hannover 96 sei, aber was wäre der deutsche Fußball ohne Arjen Robben, meinte er.

Nachdem Thomas Brych, Landrat des Landkreises Goslar seine Region mit viel Herzblut vorstellte, die Stephan Weil zuvor als das Griechenland Niedersachens bezeichnet hatte, betrat Günther der Trekkerfahrer die Bühne. Wie bereits in den Vorjahren teilte der Kabarettist mit spitzer Zunge ganz schön aus. Auf´s Korn nahm er die EU-Politik, «filitierte» heimische Politiker ebenso wie das gesamte Bundesland. Und mit Blick auf die einzigartigen belgischen Fritten meinte er humorvoll, dass trotz der  heutigen Anstrengung der Grünkohl wohl keinen Belgier nach Niedersachsen locken werde. Was ja auch nicht nötig war, da der norddeutsche Gaumenschmaus eifrig aufgetischt wurde.

Mit der obligatorischen Roten Grütze, einem eiskalten Schnaps zur Verdauung, schmissigen Songs, guten Gesprächen und einem Ministerpräsidenten «zum Anfassen» wurde das karlorienreiche Mal, abgerundet. So schön, toll und schmackhaft kann Niedersachsen in Brüssel sein, was das Bundesland auch seinen Vertretern aus Industrie- und Wirtschaft zu verdanken hat, die das traditionelle Grünkohlessen gesponsert hatten, und das gelungene Fest mit ihrem unschlagbaren norddeutschen Charme perfekt aufmischten.

Text: Heide Newson
Foto: Alexander Louvet

 

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