Gedenken an den belgischen Widerstand

Von Klaus Inderfurth.

In der Belgischen Botschaft in Berlin wurde des 75. Jahrestages des Überfalls auf den 20. Deportationszug vom Sammellager Mechelen nach Ausschwitz und des 80. Jahrestages der Rettung jüdischer Kinder durch die Kindertransporte gedacht. Botschafter Ghislain D’hoop hatte eingeladen, Jossif Gofenberg & Chor sangen jiddische Lieder und gaben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen.

Am 19. April 1943 hatten drei Widerstandskämpfer aus Belgien einen Zug gestoppt, mit dem in Mechelen gefangen gehaltene Juden in das Lager Ausschwitz deportiert werden sollten. Der Zug war bewacht; trotzdem gelang es den tollkühnen jungen Männern Youra Livchitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau, ihn auf freier Strecke zu Stehen zu bringen und vielen der Insassen die Flucht in die Nacht zu ermöglichen. Dadurch bewahrten sie ihn vor dem sicheren Tod in der Gaskammer.

Es gibt dazu das genau recherchierte, fesselnde Buch „Stille Rebellen“ (2000, Aufbau Verlag). Die Autorin Marion Schreiber war von 1986 bis 1996 Spiegel-Korrespondentin in Brüssel und verstarb dort im Jahr 2005.

Die Journalistin Ilse Bechner berichtete während der Veranstaltung über die Kindertransporte, bei denen kurz vor dem Krieg jüdische Eltern versuchten wenigstens ihre Kinder in Sicherheit zu bringen, in der Hoffnung, sie nach dieser schweren Zeit wieder zu sehen… Viele dieser Kinder kamen über Belgien in andere Länder oder blieben in Belgien, wo sie von engagierten Bürgern versteckt, versorgt und beschützt wurden.

Die Gedenkveranstaltung in der Mitte Berlins für ein 75 Jahre zurück liegendes Ereignis fand vor dem aktuellen Hintergrund statt, dass in Berlin vor drei Tagen zwei Kipa tagende Männer auf offener Straße zusammengeschlagen wurden.

Es war eine würdige Veranstaltung, die jiddischen Lieder waren traurig und froh zugleich, die vorgetragenen Berichte von Zeitzeugen berührend.

Ein Kommentar

  1. Diese Aktion der drei jungen Männer (Youra Livchitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau) wurde unter dem Schutz des brüsseler Malers Marcel Hastir in sein Haus 51 rue du commerce, vorbereitet. http://ateliermarcelhastir.eu

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