Gastronomie meets Kunst

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Von Heide Newson. 

Wer kennt in Uccle nicht den Park Wolvendael, in dem sich der aus dem 18. Jahrhundert stammende „Pavillon Louis XV“ befindet? Weniger bekannt ist dagegen, dass dieses unter Denkmalschutz stehende Juwel seit geraumer Zeit das Restaurant, „Le Louis XV“, beherbergt, in dem die Kunst zur Speisekarte gehört.

Kunst und Gastronomie – was zunächst nach einer eher ungewöhnlichen Kombination klingt, wird im „Louis XV“ gelebt, und harmonisiert ganz vortrefflich miteinander. In diesem stilvollen Ambiente werden die Speisen sowie die ausgestellten Gemälde stets neu kreiert und interpretiert.

Hohe Decken mit Stuckverzierungen, ein kleine gemütliche Nische, und ein kunstvoller Marmorboden, und eine einladende (Sommer) Terrasse, sorgen für viel Extravaganz. Dabei liegt der kleine, aber feine Pavillon, oder vielmehr das „Louis XV“, nicht nur zur Sonnenseite, sondern eröffnet gleichwohl einen  Blick auf den wunderschönen Wolvendael Park, im Herzen von Uccle. Dabei zieren als dekorative Hingucker Gemälde belgischer Künstler die weißen Wände so weit das Auge reicht.

Gastronomie und Kunst im Einklang

„Uns ging es darum, jungen Künstlern einen Raum zu eröffnen, in dem sie ihre Werke ausstellen können, und unseren Gästen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, sich bei einer guten Gastronomie in einem stilvollen Ambiente mit der Kunst auseinanderzusetzen,“ sagt der aus Charleroi stammende Mathieu Maenhout.

Die Idee, Gastronomie und Kunst in einem Restaurant zu vereinen, stammt von ihm sowie seinem Bruder Maxence, die sich bestens ergänzen. Während sich der bei einer belgischen Bank tätige Mathieu um die Kunstgalerie sowie die Finanzen kümmert, steht sein Bruder, der in gehobenen belgischen Restaurants sein (Koch) Handwerk lernte, am Herd. Zur  jungen Mannschaft gehört zudem die aus Antwerpen stammende Julia Chelechko, die mit Charme und Fachkenntnis Auskunft zu Speisen, Getränken und Gemälden gibt.

In vielen mediterranen Ländern, wie z.B. in Italien, sei es durchaus üblich, dass in Restaurants Bilder von ortsansässigen Künstlern an den Wänden hingen, und mit einer Kunstgalerie verbunden würden. Hier in Belgien sei das dagegen eher selten,“ sagt Mathieu, der die Symbiose zwischen Gastronomie und Kunst als eine natürliche Kombination empfindet. Kunstgenuss und  Gaumenfreuden verbinde halt mal viel, meint er.
Die konkrete Suche, solch ein ehrgeiziges Projekt ohne die notwendigen Finanzmittel in Brüssel  zu realisieren, gestaltete sich zunächst als schwierig, erzählt Mathieu. Nicht alle in Augenschein genommenen Immobilien waren für ein Restaurant in Verbindung mit einer Kunstgalerie geeignet. Aber das Trio, dass weder aufgab noch sein Ziel aus den Augen verlor, fand genau das, was ihm vorschwebte.

Von Amsterdam nach Brüssel

Seit einigen Jahren, stand der denkmalgeschützte Pavillon, der schon längst der Gemeinde Uccle gehört, leer, und verfiel zunehmend. Dabei hatte alles in Amsterdam mit viel Glanz und Glorie begonnen. Im 18. Jahrhundert hatte der kleine Pavillon seinen festen Standplatz nicht im Park von Wolvendael, sondern in Amsterdam. Das sollte sich ändern, als sich die Ehefrau von Léon Janssens in das entzückende Kleinod verbliebte. Im Jahr 1909 wurde der Pavillon auf Initiative ihres Ehemannes mit großer Sorgfalt abgebaut, und Stein für Stein von Amsterdam nach Brüssel, in den Park Wolvendael transportiert, der damals Léon Janssens gehörte. Schon bald wurde er zum Wahrzeichen der grünen, damals noch privaten Idylle.

Im Laufe seiner Zeit durchlebte das kleine Gebäude, das zeitweise für den Horeca Sektor genutzt wurde, Höhen und Tiefen. Nach zweijährigem Leerstand, entschieden die Verantwortlichen der Uccler Gemeinde, ihm durch Kunst oder Gastronomie ein neues Leben einzuhauchen. Im Rahmen einer Ausschreibung gingen mehr als 80 Projektvorschläge in der Gemeinde von Uccle ein, darunter eins der Maenhout Brüder, die mit ihrem Vorschlag Esskultur mit Kunst zu verbinden, überzeugten. Ein (Voll)- Treffer für die beiden, konnte der Pavillon doch nicht besser zu ihrem Projekt und Vorstellungen passen.

Schnell entwickelten sie ein tragendes Konzept, das Kunst- und Gaumenfreuden gleichwohl gerecht wird. Am 8. August 2014 öffneten sie „Le Louis XV“, und seitdem kann man dort auf eine Entdeckungsreise gehen, auf eine, die Esskultur und Kunst zu zivilen Preisen, verbindet.

Abwechslungsreiche Küche

Während wir noch die modernen Gemälde betrachten, werden am Nachbartisch kleine, aber sehr feine regionale Gerichte, serviert. Und so kreativ die Bilder sind, so abwechslungsreich ist die Küche. Zur Auswahl stehen Menüs zu 38,44, oder 50 Euro. Wir entscheiden uns für das „Menu Découverte“ zu 44 Euro.  Zum „amuse bouche“ gehören ein Carpaccio sowie eine im Glas gereichte hervorragende Pilzsuppe. Bei der Vorspeise kann man zwischen einem Risotto, oder einer Fasanenpastete wählen. Ich entscheide mich für das Risotto mit Tintenfisch, das köstlich ist, und genieße einen belgischen Wein (Flasche 25 Euro), der es mit einem „Franzosen“ durchaus aufnehmen kann. Auch das Hauptgericht, eine Dorade mit Polenta, die wie ein kleines Kunstwerk präsentiert wird, ist gehobene Gastronomie. Begeistert sind wir ebenso von unserem Nachtisch, einem Schweizer Zitronen Baisir.
Lunchmenüs, bestehend aus einer Vor- und Hauptspeise sowie einem Kaffee, werden an Wochentagen zu 25 Euro angeboten.

Auch für diejenigen, die in diesem prachtvollen „Louis XV“ Ambiente eine Hochzeit, einen Geburtstag, eine Kinderkommunion oder sonstiges feiern wollen, ist dieser Pavillon die richtige Adresse. Zunehmend, so Mathieu, werde die Kulisse auch von Filmemachern benutzt.

„Was für eine super Idee, die Kunst mit der Gastronomie zu verbinden, hier finde ich viel Inspiration, für meine Malerei sowie meine Kochkunst, die noch ein wenig zu wünschen übrig, läßt,“ sagt Genevieve van Hullhoven, die von dem Konzept, das Kultur-und Essfreude integriere, begeistert ist. Toll findet sie ebenso, dass der Küchenchef seine Speisen, die sie als (franko-belgo) klassisch mit modernem Anstrich umschreibt, dem stilvollen Ambiente, einer Mischung aus der Louis XV- Klassik, angepasst hat.

Sie komme wieder, nicht zuletzt, da die Ausstellungen sowie die Menükarte monatlich wechsle, und sie sich in einem sehr gepflegten Rahmen in aller Ruhe mit Kunst und Gastronomie gleichzeitig auseinandersetzen könne.

Info: Le Louis XV, 44 avenue Wolvendael, 1180 Uccle
Tel. 02 372 28 60
www.lelouisxv.be
Öffnungszeiten : Dienstag bis Samstag, mittags und abends, Sonntag von 11 bis 15 Uhr, Montags geschlossen

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