Felix Timmermans: Das Jesuskind in Flandern

Timmermans (c) Wikipedia

Von Sibylle Schavoir.

In dem Rahmen und in den Landschaften unseres schönen und guten Flanderns habe ich mir die göttliche Erzählung vom Jesuskinde, seiner süßen Mutter und seinem guten Pflegevater vor Augen geführt und durch etwas Schreibekunst mit großem Behagen ausgeschmückt.“ So die Worte des flämischen Dichters und Malers Felix Timmermans zu seiner bezaubernd verträumten Erzählung von „Het Kindeken Jezus in Vlaanderen“, erschienen 1918. Aus der Erzählung spricht eine innige, aus der Erde des flandrischen Landes wie selbstverständlich emporgewachsene Frömmigkeit, der sich der Leser kaum entziehen kann.

Felix Timmermans wurde in Lier bei Antwerpen geboren und war das dreizehnte von vierzehn Kindern. Schon als Jugendlicher interessiert er sich für Poesie und veröffentlicht im Alter von nur 17 Jahren seine ersten Gedichte. Mit seinem wohl berühmtesten Werk „Palliter“, welches auch ins Deutsche übersetzt wurde, wird Timmermans nicht nur in Belgien, sondern auch in Deutschland gefeiert. 1942 wird ihm der Rembrandt-Preis der Universität Hamburg verliehen. Mit „Sankt Nikolaus in Not“, „Das Triptychon von den Heiligen Drei Königen“ und „Das flandrische Weihnachtsspiel“ schenkt uns der begnadete Erzähler in seiner ihm eigenen bilderreichen Sprache besinnliche und lebensfrohe Geschichten zur Weihnachtszeit.

Gerade in unserer unruhigen Zeit, in der das Weihnachtsfest mehr und mehr in einen Kaufrausch ausartet und sein eigentlicher Sinn verloren geht, kann das Lesen oder Vorlesen von Timmermans Weihnachtsgeschichten Stunden der Besinnung schenken. Auch Heinz Rühmann schätzte die Erzählungen von Felix Timmermans. Er las in der Hamburger Michaeliskirche an vier Adventssonntagen weihnachtliche Geschichten des flämischen Dichters vor.

Weihnachten in Belgien

Werfen wir einen kurzen Blick in die Vorgeschichte unseres Weihnachtsfestes. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung war den Christen das Weihnachtsfest noch völlig unbekannt. Der höchste Feiertag war für sie das Osterfest mit der Auferstehung Jesu. Erst im 4. Jahrhundert wurde dann die Geburt Jesu festlich begangen. Bis jedoch daraus „unser“ Weihnachtsfest entstand vergingen noch viele Jahrhunderte. Der Überlieferung nach wird das Weihnachtsfest in Belgien und das Schmücken eines Tannenbaums um das Jahr 1800 herum erstmals erwähnt. Das Feiern war allerdings den gehobenen Familien vorbehalten, denn ein Tannenbaum war teuer, und die ärmeren Menschen konnten ihn sich nicht leisten.

Heute wird das Weihnachtsfest als „Fest der Liebe“ vermarktet, ist zu einem Geschenke- und Familienfest geworden, wobei der christliche Inhalt verloren geht. So gesehen ist es vielleicht keine schlechte Idee, Weihnachtsgeschichten von Felix Timmermans zu verschenken, um dank seiner Erzählungen, „flämisch gesund wie die klassische Malerei dieses reichen Landes“ entspannte und besinnliche Stunden in der Weihnachtszeit zu verbringen.

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