Es geht immer um das Licht

 

Von Angela Franz-Balsen.

Das große und großartige Museum für Fotografie in Charleroi hat 2017 seinen 30igsten Geburtstag gefeiert. Die gerade eröffneten Ausstellungen zeigen zeitgenössische belgische Fotokunst.

Großer Auftrieb Anfang Dezember im „Musée de la Photographie“ zur Eröffnung der Ausstellung „La lumière et les choses“ des belgischen Fotografen Marc Trivier und zur Verleihung des „Prix national Photographie Ouverte“ (thematisch offener Wettbewerb für alle belgischen Fotografen) und weiterer Preise. 269 Bewerbungen hat es für den Prix national gegeben, daraus hat eine Jury 18 Laureaten ausgewählt, deren Werke bis zum 22. April in einer Sonderausstellung zu sehen sind.

Aber zunächst zum eindrucksvollen Werk des heute 57jährigen Marc Trivier, der ausschließlich in schwarz-weiß fotografiert. Zunächst sind es Künstlerportraits, die er in großer Anzahl aufnimmt (u.a. von Francis Bacon, Samuel Beckett, Andy Warhol oder Thomas Bernhard). Die Bilder haben etwas gemeinsam, Trivier platziert die Künstler in eine karge Ecke ihres Heims oder Ateliers, gibt ihnen keine Möglichkeit, sich eitel zu inszenieren. Er reduziert sie auf die Essenz ihrer Person.

Kein Kommentar oder Titel ist nötig für die Bilder, die den zweiten Schaffensstrang ausmachen: leidende Kreatur im Abbatoir von Brüssel, Kühe und Schweine, die ahnen, was im Schlachthof mit ihnen geschieht, konzentrierte Männer bei der Arbeit, ausgeweidete Skelette – der Titel ist immer derselbe: „Abbatoir“.

Nach einer Schaffenspause kehrt Trivier mit Bildern von Landschaften an die Öffentlichkeit zurück, meistens sind sie neblig, mysteriös. Er packt sie zu Sequenzen zusammen, die an Negativreihen oder Filmaufnahmen erinnern. Seine Erkenntnis nach Jahren intensiver Beschäftigung mit Fotografie: Im Grunde geht es bei der Fotografie immer um das Licht. Bemerkenswert ist die von ihm vorgenommene Hängung der Bilder im Museum: Nicht Chronologie oder Themen strukturieren die Wände, sondern Mischungen aller Genres, die neue Interpretationen ermöglichen.

Das Musée de la Fotografie in Charleroi entstand auf Initiative des Fotografen Georges Vercheval in einem Karmeliter-Kloster im Stadtteil Mont-sur-Marchienne, 1987 eingeweiht, entwickelte es sich zu einem der bedeutendsten und umfangreichsten Fotomuseen in Europa: 6000 m2 Ausstellungsfläche, 80.000 Bilder, davon 800 in Daueraustellungen sowie die Archivierung von drei Millionen Negativen, diese Zahlen sprechen für sich. Natürlich erforderte das Anbauten an den sakralen Backsteinbau, was hervorragend gelungen ist. Das Museum ist von innen modern und attraktiv gestaltet und bietet seinen Besuchern vom Café bis zum Shop, von der Werkstatt bis zu Bibliothek alles, was nötig ist, um dort locker einen Tag zu verbringen.

Trotzdem leidet dieses Kleinod unter seiner Lage im Städtchen Charleroi. Mit der jährlichen Verleihung aller wichtigen Fotopreise von Belgien, ist ein wichtiger Schritt gelungen, um mehr Publikum anzuziehen. Die Fotokunst der Preisträger 2017 ist vielfältig, bunt und schräg.

 

Alle Infos zum Museum unter: http://www.museephoto.be/

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