Erwin Wurm im gekrümmten Raum

Capture d’écran 2014-05-31 à 12.17.35Was verbindet die Funk-Music-Band Red Hot Chili Peppers mit Ludwig Wittgenstein? Wo findet der Bleistift seine natürliche Halterung in Nase und Ohr? Wer schmelzt Schiffe auf Dalí – Art und kreiert Michelin-Männchen, -Autos und -Häuser?

Die Antwort: Erwin Wurm.

Der gebürtige Steirer – Bildhauer, Aktionist, „Installationist“- macht Kunst mit einem Augenzwinkern. Er verwendet alltägliche Gebrauchsgegenstände aus „Jedermanns“ direktem Umfeld wie Möbel, Häuser, Autos, Eimer, Plastikflaschen, die er unter Anleihe bei Science-Fiction und Comic Strips in ungewohnten Kombinationen und Situationen zu neuen, verblüffenden Resultaten führt.

„Wenn man sich der Kunst mit Humor nähert, heißt es gleich, man sei nicht seriös“, sagt Erwin Wurm. „Aber man kann sich Wahrheiten, die unsere Gesellschaft betreffen auch anders annähern, auf leichte Art; schweren Themen weniger mit Pathos begegnen als mit Zynismus und Humor.“

one-minute-sculpture

Bei Erwin Wurm steht der Mensch im Zentrum. In seinen Ausstellungen schließt Wurm einen Pakt mit dem Betrachter. Er lädt ihn ein, sich selbst praktisch mit Kunst zu beschäftigen, selbst ein Kunstwerk zu werden – ein Kunstwerk, das genau so lange besteht, wie es ausgeführt wird. Im 18. Jahrhundert hieß man sie „tableaux vivants“, lebende Bilder, Wurm nennt sie one-minute-sculpture oder performative sculpture und bannt sie auf Fotos.

Erwin Wurm versucht, die Sprache der Zeit allgemein verständlich zu machen, um möglichst viele Leute zu erreichen. Er will nicht auf ein „eingeschworenes Insider-Publikum“ angewiesen sein. Seine Kunstannäherung ist sehr persönlich:

Capture d’écran 2014-05-31 à 12.17.25

„Ich schaue auf die negativen Seiten der Persöinlichkeit, auch meiner, wo kann ich mich im Verhältnis zum Weltganzen sehen, eingliedern, ist das überhaupt möglich? All die Heroen der Philosophie, Wissenschaft, Politik, Kunst, da kann man ja von Anfang an nur verzweifeln. […] In jeder Zeit haben sich die Politiker und Heerführer ernst genommen. Man ist berechtigt, darüber auch zynisch zu berichten, mit zynischem Witz, um diese Doppeldeutigkeit, Doppelmoral, Lächerlichkeit auch aufzuzeigen.“

Capture d’écran 2014-05-31 à 12.17.15Das starke Bild

Er sucht das „starke Bild“, beschäftigt sich mit Zeitgeist, den Ikonen der Zeit, die für ihn „aggressive in ihrer Präsenz“ sind und macht auch vor Philosophen nicht Halt: in seinen Skizzenbüchlein und Werken evoziert er Wittgensteins „gekrümmten Raum“ – und wird dabei selbst zur Ikone, wie im Musikvideo „Can’t stop“ der Red Hit Chili Peppers, das auf seine One-minute-sculptures anspielt.

In Middelheim nahe der Modestadt Antwerpen ergreift er die Chance, mit Modedesigner Walter van Beirendonck zusammenzuarbeiten, der ebenso wie Wurm gerne mit verschiedenen Materialien, Farben, Volumen experimentiert. Am 6. August um 20 Uhr und am 25. September um 16 Uhr steht eine Gruppen-Performance mit Walter van Beirendonck auf dem Programm.

Nicht jeder wird in Erwin Wurm’s Kunst Kunst sehen. Aber jeder sollte bei dieser „Inklusiv-Kunst“, die alle und alles miteinbezieht, schmunzeln und sich vielleicht den einen oder anderen Gedanken machen.

 

 

Fotos: Erwin Wurm (c) Elsa Okazaki downsized.jpg und Erwin Wurm, performativesculpture, 2011 (c)Ellfie Semotan in collaboration with Wallpaper downsized.jpg,ErwinWurm_Misconceivable_c_Jesse Willems (22).jpg

Übrigens: Erwin Wurm ist auch hörenswert: www.youtube.com/watch

Bis 25 September im Museum Middelheim www.middelheimmuseum.be

Täglich ist im Museum eine der „Performative Sculptures“ zu sehen.

Capture d’écran 2014-05-31 à 12.17.05

Autor:  Margaretha Mazura

Tags: Kunst

Ein Kommentar

  1. Wenn man solch einen Unsinn in den Nachrichten hört, dann muss man auch unweigerlich an die eigene Verdauung denken und dabei den Brechreiz unterdrücken. Unfassbar, das unsere Gesellschaft keine anderen Probleme hat, als WC-Enten auf dem Dummkopf zu balancieren. Kunst ist ein Ausdruck von Talent. Ein Talent kann ich bei diesem hirnlosen Gebaren leider in keinster Weise erkennen. Früher wurde Kunst als Handwerk der Ingenieure angesehen (Wasserkunst im Bergbau, etc.) und war ein Ausdruck besonderer Anerkennung für intellektuelle Leistungen. Auch talentierte Maler, Musiker und Bildhauer betreiben somit Kunst, da diese durch herausragendes Talent einen gesellschaftlichen und kulturellen Mehrwert schaffen. Der kulturelle Mehrwert, der entsteht wenn man seine Hohlbirne in einem Mülleimer versenkt, der erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Einfach erbärmlich, dass sich heute jeder Volldepp als Künstler profitieren muss und dabei auch noch Kohle absahnen will. Der Steuerzahler blecht dann noch ordentlich, damit der Herr Künstler für wahnwitzige Preise WC-Enten balanciert und sich dafür von der High Society feiern lässt, die wieder mal einen Vorwand gefunden hat um der Allgemeinheit das Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei solch einer geistigen Diarrhoe könnte mir glatt der Sack platzen. Einfach unglaublich. Könnt ihr euch nicht mit etwas sinnvollem beschäftigen, oder reicht euer Grips dazu schlicht nicht aus? Kunst bezeichnet eine herausragende Leistung, die im Gegensatz zu natürlich Vorhandenem vom Menschen geschaffen wurde. Wo ist denn euer Werk der Schöpfung? Ich könnte mich immer wieder amüsieren, wenn Leute versuchen euren Unsinn zu interpretieren und darin irgend einen Sinn sehen zu wollen. Ich kann verstehen, dass eure Form der „Kunst“ für Kleingeister wie ihr es seid die einzig mögliche Beschäftigungstherapie ist, aber dann verschont uns bitte von eurem Schwachsinn und präsentiert eure Werke in der Geschlossenen. Schade es miterleben zu müssen, wie unsere Gesellschaft zunehmend verblödet und dem Schwachsinn anheimfällt.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.