Enge deutsch-belgische Abstimmung bei Corona-Bekämpfung

Von Michael Stabenow.

Der jüngste rasche Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Belgien zwingt zu mehr eigenverantwortlichem Verhalten jedes Einzelnen. In dieser Einschätzung waren sich am Mittwoch Oliver Paasch, Ministerpräsident Ostbelgiens, sowie Martin Kotthaus, deutscher Botschafter in Belgien, auf einer von „Belgieninfo“ organisierten virtuellen Diskussionsveranstaltung einig. „Je weniger wir uns alle bewegen, desto besser und einfacher ist es, das Virus zu besiegen“, sagte Kotthaus.

Paasch äußerte die Befürchtung, dass Belgien, derzeit hinter Tschechien „Vize-Europameister“ bei den Neuinfektionen, bald den unrühmlichen Spitzenplatz übernehmen werde. Er stellte mit Blick auf die am Freitag stattfindende nächste Sitzung des „Konzertierungsausschusses“ von Föderal- und Regionalregierungen, an der er als Vertreter der Deutschsprachigen Gemeinschaft teilnimmt, weitere Verschärfungen der erst seit Montag wirksamen neuen Corona-Beschränkungen in Aussicht.

„Veranstaltungen jedweder Art werden verboten werden“, sagte Paasch und verwies insbesondere auf die derzeit überprüften Regeln für Kultur- und Sportveranstaltungen. Er erwartet, dass es Fußballspiele demnächst und bis auf weiteres nur noch im obersten Profibereich geben wirf. Es gelte, einen „klassischen Lockdown unbedingt zu vermeiden“ und insbesondere die Schule weiter geöffnet zu halten.

Kotthaus und Paasch zeigten sich zwar sehr besorgt über die rasante Zunahme der Corona-Infektionen. Sie unterstrichen aber auch, dass die Grenze zwischen beiden Ländern offen bleiben wird, insbesondere für kurzfristige, 24 Stunden dauernde Reisen aus Belgien nach Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz für die kein Testnachweis erforderlich ist. Umgekehrt könnten sich Reisende aus diesen beiden Bundesländern bis zu 48 Stunden ohne Test in Belgien aufhalten.

Bei längeren Aufenthalten und Reisen in andere Bundesländer gelte es, sich zunächst ein genaues Bild über die in Deutschland im Detail geltenden Regeln zu machen, sagte Kotthaus. Er verwies insbesondere auf die dazu auf der Website der deutschen Botschaft (www.bruessel.diplo.de) verfügbaren Informationen. Dort gibt es die Übersicht der in Belgien geltenden Corona-Beschränkungen sowie Hinweise zu den Reisemöglichkeiten. Er empfahl, gegebenenfalls beim für das Reiseziel in Deutschland zuständigen Gesundheitsamt anzurufen und nachzufragen. Grundsätzlich müsse stets die Devise gelten: „Bleiben Sie vorsichtig. Halten Sie Distanz!“

Paasch warnte vor der auch in Ostbelgien jüngst beobachteten schnellen Zunahme der Anzahl der Infektionen. Er verwies aber auch auf die Zusammenarbeit mit den Kliniken aus der Region und die vereinbarte Aufnahme von ostbelgischen Patienten durch Krankenhäuser in Aachen und Prüm.

Als einen Grund für den rapiden Anstieg der Neuinfektionen auf das Rekordniveau von zuletzt rund 800 je 100.000 Einwohner in Belgien nannte Paasch, dass nach seinem Eindruck das Virus zuletzt nicht mehr ernstgenommen worden sei. In Ostbelgien, das innerhalb weniger Tage von einer „grünen“ zu einer „roten Zone“ wurde, seien es wohl insbesondere Studierende an der Universität Louvain-la-Neuve gewesen, die sich dort infiziert und das Virus nach Hause, auf die Kirmes oder den Fußballplatz mitgebracht hätten. Seit einigen Tagen fielen die Infektionszahlen glücklicherweise weniger erschreckend aus. „Die Leute sind sich der Gefährlichkeit und der Präsenz des Virus wieder bewusster geworden“, sagte Paasch.

Zu der in Belgien bis auf weiteres beschlossenen Aussetzung von Covid-Tests asymptomatischer Menschen sagte der ostbelgische Regierungschef, dies sei nicht nur durch Engpässe in den Laboren, sondern auch durch die Überlastung von Hausärzten und ihren Mitarbeitern bedingt. Eindringlich rief Paasch dazu auf, durch eigenverantwortliches Handeln der weiteren Ausbreitung möglichst wenig Spielraum zu bieten. Ähnlich äußerte sich Kotthaus: „Es kommt wirklich auf jeden einzelnen an.“ Letztlich bliebe Reisenden, die nach Deutschland wollen derzeit keine andere praktikable Lösung, als sich bei der Ankunft dort testen zu lassen und die Wartezeit in Quarantäne zu verbringen. Das sei zwar nicht schön, aber aktuell nicht anders lösbar. Der neue belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sei jedoch in Gesprächen mit Deutschland, um dort Test analysieren zu lassen.

Die Botschaft hat eine Übersicht mit aktuellen Fragen und Antworten zur Corona-Situation erstellt.

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