Sport

Einmal Brüsseler Marathon laufen

Von Sandra Parthie.

Der Marathon in Brüssel steht im Ruf einer der schwereren Stadtmarathons zu sein. Und das beileibe nicht zu unrecht. Was man im Alltag als kleine Steigung kaum registriert, wird spätestens ab km 18 vom Hügel zum Berg. Das kann ich seit Sonntag aus eigener Erfahrung bestätigen. Da bin ich nämlich den ersten Marathon meines Lebens gelaufen. Gebraucht hab ich 4h07 und lag damit gut im Startermittelfeld.

Die Strecke: vom Jubelpark über Justizpalast, die Tunnel auf der Louise, Bois de la Cambre, Boulevard du Souverain, Tram-Museum bis hinaus zum Schloss und dem Teich von Tervuren und wieder zurück über den Jubelpark, den Grand Place bis zum Ziel an der Börse. Ein stetiges Auf und Ab, das ziemlich in die Beine und alle anderen Laufmuskel geht.

Die Waden, die Oberschenkel, die Schultern, etc.

Aber es ist eine grandiose Erfahrung. Die Organisatoren haben, zumindest aus Läufersicht, alles richtig gemacht. Gute Startorganisation, ausreichend viele Versorgungsstationen auf der Strecke, mit Getränken sowie Bananen und Rosinen. Von letzteren habe ich unterwegs gefühlt ein halbes Kilo gegessen. Das gab Energie und hat das Bewältigen der Distanz etwas erleichtert. Dass einem irgendwann die Waden, die Oberschenkel, die Schultern, etc. weh tun, gibt’s gratis. Da muss man dann durch. Nur die Harten… usw.. Sie kennen den Spruch.

Wirklich toll sind die vielen Unterstützer an der Strecke, von Trommelgruppen über Dudelsackspieler bis hin zu Stehgeigern und jubelnden, klatschenden, plakatschwenkenden Familienangehörigen und Freunden. Irgendwo standen sogar zwei Mädchen, die die Läufer über ihren aktuellen Kalorienverbrauch informierten. (In meinem Fall musste ich die Rosinen wieder dazurechnen.) Auch die medizinische Versorgung war gut vertreten. Und im Gegensatz zu den 20km von Brüssel im Mai war auch das Wetter sehr marathonfreundlich – trocken, nicht zu kalt und nicht zu warm. Das hat die Zahl der Erschöpfungszusammenbrüche doch deutlich reduziert. Trotzdem gab es genügend arme Tröpfe, die mit Krämpfen zu kämpfen hatten. Das ist echt gemein – da trainiert man über Wochen und Monate und dann machen die Muskeln einfach dicht und man wird zum Stehenbleiben und ungewollten Stretchingeinheiten gezwungen. Ich blieb davon zum Glück verschont und konnte stetig durchlaufen. Nicht zuletzt auch dank einer guten Massage am Vortag.

Was das Läuferherz begehrt

Es ist übrigens auch eine sehr internationale Erfahrung. Selbst wenn der Brüsseler nicht auf demselben Level steht, wie die Marathons in Berlin, Boston oder New York, muss er sich definitiv nicht verstecken, was die Vielfalt an Nationen angeht. Das gilt auch für die gut vertretene Fitnessindustrie. Im großen Registrierungszelt im Jubelpark gibt es alles, was das Läuferherz begehrt, auch Dinge, von denen es noch gar nicht wußte, dass es sie zu begehren gibt. Die funktionalste Funktionskleidung in Quietschfarben; alle möglichen elektronischen Geräte und Apps zum messen von Puls, Herz, Distanz, Trainingsfortschritt, etc.; Weltraumnahrung oder was man dafür halten könnte, also Energiegels, -riegel und –getränke in allen Geschmacksrichtungen; spezielle Laufrucksäcke und –gürtel, um die ganze Verpflegung dann auch zu transportieren und Reiseangebote zum nächsten Marathon-Highlight. Nur laufen muss man halt doch selber.

Außer einem guten Training ist der Marathon vor allem eine Frage des Durchhaltewillens. Es gehört schon einiges dazu, sich selbst zum Weitermachen zu motivieren, wenn man im Mittzwanziger Kilometer-Niemandsland schon viel kräfteraubende Strecke hinter sich hat, aber das Ziel noch in weiter Ferne ist, während die Muskeln langsam anfangen, dauerhaft zu schmerzen. Eine gute Playlist hilft, ebenso wie die Unterstützung vom Streckenrand. Und Rosinen. Rosinen sind toll.

Bloß kein Schluffi sein

Und man sollte vorher möglichst vielen Leuten erzählen, dass man einen Marathon laufen wird. Das erhöht den Druck, es dann auch durchzuziehen und nicht als Schluffi dazustehen. Außerdem bekommt man danach ganz viel Zuspruch, Lob und liebe Worte. Ein schönes Gefühl!

http://www.sport.be/brusselsmarathon/2017/en/

One Comment

  1. Rosemarie Pieck

    Ein tolles Resumme’ , liebe Sandra! Ich freue mich für dich und alle Läufer-innen,
    die das Ziel unbeschadet erreichen konnten. Ein gutes Ausdauertraining und stabile Gelenke sind da nur von Vorteil – ich freue mich, einen kleinenTeil dazu beigetragen zu haben!
    Herzliche Grüsse
    rosemarie Pieck
    Zeit für dich/Balance

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