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Ein verborgenes Kleinod – Kunstzentrum Rouge-Cloître zeigt den Auderghemer Maler Pierre Devis

Von Reinhard Boest.

Manche Schätze entdeckt man nur durch Zufall (und fast zu spät) – etwa wenn man in der Buchhandlung an der Kasse ansteht und auf ein kleines Prospekt stößt, das auf eine Ausstellung mit Werken des Malers Pierre Devis der ehemaligen Abtei Rouge-Cloître in Auderghem aufmerksam macht.

Rouge-Cloître (Roodkloster) in Auderghem kennen sicher viele. Auch wenn von der imposanten Anlage zur Hochzeit des Klosters im 15. und 16. Jahrhundert nicht mehr viel übrig ist, zieht der Ort auch wegen seiner idyllischen Lage am Eingang des Forêt de Soignes viele Besucher an. Das gesamte Anwesen ist seit 1992 Eigentum der Region Brüssel-Hauptstadt und steht unter Denkmalschutz. Ein Teil des umliegenden Geländes ist Naturschutzgebiet und Teil des europäischen Netzwerks NATURA 2000. Außerdem lockt der Spielplatz Familien an; es ist einer der größten in Brüssel. Das Restaurant im früheren Refektorium ist leider schon seit vielen Jahren Geschichte. Durch umfangreiche Renovierungsarbeiten seit 1998 ist aber unter anderem ein Kunstzentrum entstanden, das sowohl Theater als auch bildende Kunst beherbergt. Dies knüpft an die Vergangenheit des Ortes als „Künstler-Paradies“ Ende des 19. Jahrhunderts an.

Einem dieser Künstler ist eine Ausstelung gewidmet, die im Kunstzentrum noch bis zum 13. März gezeigt wird. Pierre Devis gehört gewiss nicht zu den bekanntesten Malern, aber sein Name ist mit der Gemeinde Auderghem eng verbunden, die schon 1913 eine Straße nach ihm benannt hat. Geboren 1849 in Boitsfort, leitete Devis zwischen 1875 und 1905 das Atelier, in dem die Bühnendekorationen für das Théâtre de la Monnaie hergestellt wurden. Eines seiner Meisterwerke zeigte die Grand Place in Brüssel, das er für die Oper „De Herbergprinses“ des flämischen Komponisten Jan Blockx angefertigt hatte. Zu seiner Zeit waren anscheinend die Besucher von seiner Dekoration so begeistert, dass gesagt wurde, man gehe zum „Schauen“, nicht zum „Hören“ in die Oper.

1905 ließ er sich in Auderghem nieder und widmete sich ausschließlich der Malerei. Neben Stilleben zeigen viele seiner Gemälde Motive aus seiner Heimatgemeinde, insbesondere aus der Umgebung von Rouge-Cloître. Im Jahr 2001 erhielt die Gemeinde als Schenkung 60 Bilder aus seinem Nachlass, die Devis‘ Tochter Ida Bommer zunächst einem Verein hinterlassen hatte. Eine kleine Auswahl davon wird in der Ausstellung gezeigt. Dabei handelt es sich vor allem um kleinformatige Landschaftsbilder im Stil des Realismus, die einen Eindruck von der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts vermitteln. Diese poetischen Impressionen werden in der kleinen, aber feinen Ausstellung ergänzt durch fotografische Ansichten aus Auderghem, die zur gleichen Zeit entstanden sind. Kein Zweifel: Pierre Devis ist eine schöne Entdeckung – mit einer nicht nur für eingeborene „Auderghemer“ sehenswerten Ausstellung an einem reizvollen Ort. Es müssen ja nicht immer die oft überdimensionierten „must see“-Ausstellungen in den großen Museen sein…

Ausstellung im Kunstzentrum Rouge-Cloître bis zum 13. März 2022. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Eintritt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Kinder unter 12 Jahren frei. Keine Kartenzahlung möglich. 

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