Ein letztes Mal Stühle rücken

Die hessische Landesvertretung feierte mit einem Empfang den Abschied von ihrer ehemaligen Residenz. An der Diskussionsrunde zum Thema duale Ausbildung nahm auch eine gute Bekannte teil: Kultusministerin Beer hatte in diesen Räumen drei Jahre als Europastaatssekretärin gearbeitet.

Nun sind sie endgültig vorbei. Die Zeiten, in denen das Publikum nach einer hitzigen Podiumsdiskussion seine Stühle an die Wand räumen musste, um Platz für das Buffet zu machen. Die Sitzungen in Partykeller-Atmosphäre. Und die Tage, in denen niemand so genau wusste, in welchem Büro die Staatssekretärin dieses Mal Platz gefunden hatte. Denn die Hessen sind umgezogen. Sie vertreten ihr Bundesland bei der EU von nun an in einem wesentlich größeren Gebäude in der Rue Montoyer 21.

Ein bisschen Wehmut

Ein bisschen wehmütig sei er schon, gestand Friedrich von Heusinger, Leiter der hessischen Vertretung, beim letzten Empfang im ehemaligen Haus in der Avenue de l´Yser. Knapp 22 Jahre lang hatten die Hessen in dem Maison de Mâitre ihr Bundesland repräsentiert und zahlreiche Großveranstaltungen darin abgehalten. Doch über die Jahre ist das Haus zu klein geworden. Immer mehr Mitarbeiter und Fachbereiche kamen hinzu, sodass selbst der funktionale Anbau nicht mehr ausreichte, um alle angemessen unterzubringen. So mancher Fachbereich musste daher von vorneherein ausgelagert werden.

Im neuen Gebäude stehen den Hessen nun ganze 6116 Quadratmeter Fläche zu Verfügung Zuvor waren es nur 1714 Quadratmeter. Doch selbstverständlich braucht die Vertretung diesen Platz nicht völlig für sich allein. Dort, in unmittelbarer Nähe zu den wichtigsten EU-Institutionen, wird nun das Konzept des Mehr-Regionen-Hauses weitergeführt. Auch die Partnerregionen der Hessen Aquitaine (Frankreich), Emilia-Romagna (Italien) und Wielkopolska (Polen), die zuvor sehr beengt im Dachgeschoss arbeiteten, beziehen nun größere Büros im neuen Gebäude.

Und ein handfestes Thema

Zum Abschied von ihren alten Räumen brachten die Hessen jedoch noch einmal ein handfestes Thema auf den Tisch. Schließlich geht es in der EU nicht nur um Smalltalk, sondern um den Anspruch, Politik in Europa zu verändern. So hatte von Heusinger Vertreter der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Vertreter der EU, die hessischen Europaabgeordneten Thomas und Barbara Weiler und den spanischen Botschaftsrat für Arbeit eingeladen, um über ein brisantes Thema zu diskutieren: Jugendarbeitslosigkeit in Europa.

Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer, stellte ein aktuelles Projekt vor, das spanischen Jugendlichen ab diesem Sommer eine Duale Berufsausbildung in Hessen ermöglicht. Damit sollen ihnen größere Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Und ganz nebenbei besetzt das Land mit ihnen einige von 600 derzeit offenen Lehrstellen, die kaum von hessischen Jugendlichen nachgefragt werden.

Im Anschluss entspann sich eine lebhafte Diskussion über die Vor- und Nachteile von Dualen Berufsausbildungen, bei der sich auch Hessens Kultusministerin Nicola Beer immer wieder zu Wort meldete. Sie bewegte sich an diesem Abend nicht nur inhaltlich auf vertrautem Terrain. Denn vor ihrem Amtsantritt vor knapp einem Jahr arbeitete sie drei Jahre lang als Europastaatssekretärin in Brüssel – in der Hessischen Landesvertretung. Weil Beer jedoch durch die Umbildung im hessischen Kabinett so schnell in die Heimat zurückbeordert wurde, hatten ihre ehemaligen Mitarbeiter keine richtige Gelegenheit gehabt, sich von ihr zu verabschieden. Das holten sie jetzt nach. Und von Heusinger versicherte, dass sie auch in den neuen Räumen stets herzlich willkommen sei.

Lediglich knarzende Treppen und ständig defekte Haustüren sollten bitte der Vergangenheit angehören.

Unsere Autorin, Isabel Christian.

Unsere Autorin, Isabel Christian.

 

Autor: Isabel Christian

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.