Ein Klasse-Journalist

Von Heide Newson.

Udo van Kampen berichtete 19 Jahre für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) aus Brüssel, jetzt erhielt er aus den Händen des deutschen EU-Botschafters Reinhard Silberberg das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Freunde, Kollegen, Familie, Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, darunter EU-Kommissar Günther Oettinger, waren in die Residenz des Ständigen Vertreters geladen, um an der Ordensverleihung teilzunehmen. Udo van Kampen, „das Brüsseler Gesicht des ZDF“, wurde im Auftrag des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wegen seiner langjährigen Verdienste um Europa ausgezeichnet. Ihm sei es in hervorragender Weise gelungen, komplexe europäische Sachverhalte, Hintergründe und Strukturen nachvollziehbar zu erklären, so Silberberg.

Ein Zeitzeuge

Man muss sich nur einmal vor Augen führen, was während seiner Zeit als Fernsehkorrespondent hier in Brüssel so alles passiert ist,“ sagte Deutschlands EU-Botschafter in seiner Laudatio. „Als Udo van Kampen im Jahr 1987 nach Brüssel kam, fingen wir mit der einheitlichen Europäischen Akte an, neue Politiken für den Binnenmarkt zu entwickeln. Während seiner Amtszeit fiel die Mauer, die Sowjetunion desintegrierte sich, wir hatten die Jugoslawienkrise und bekamen die Deutsche Einheit.“

Europapolitisch gesehen war das eine sehr intensive Zeit, und dann entschied sich das ZDF, dich in die Provinz nach New York zu schicken,“ witzelte Silberberg. „Da du dich offensichtlich gut aufgeführt hast, kamst du dann für weitere 11 Jahre nach Brüssel zurück. Und auch das war wieder eine ereignisreiche Zeit mit drei Erweiterungsrunden, es gab die Diskussion zum Europäischen Konvent, die beiden Referenden in den Niederlanden und Frankreich, das Inkrafttreten der Vertrags von Lissabon und die Wirtschafts- und Finanzkrise.“

Lauter Lob

Udo van Kampen, so Silberberg weiter, habe in seiner Tätigkeit Europa nicht nur einfach kommentiert, sondern die EU und Europa den Menschen vor dem Bildschirm in Deutschland wirklich nahegebracht. Dabei sei es ihm immer wieder geglückt, diese facettenreiche Europäische Union mit ihren komplizierten Prozeduren auf eine Art und Weise so darzustellen, so dass die Menschen sie nachvollziehen konnten. Weiter sprach er von einem journalistischen Profi, der Europa auch als Mensch wahrgenommen, und menschlich dargestellt habe. Europa habe er nicht als eine technokratische Übung, sondern als Mensch verstanden. „So brachte er Europa seinem Publikum nahe, er berührte es, worin wohl sein großes Verdienst und sein Erfolg liegt.“

Auch EU- Kommissar Günther Oettinger lobte die Verdienste Udos, der seinen Job von Grund auf gelernt habe. Er sei ein überzeugter Europäer, der Europa begreifbar gemacht habe. Jetzt sei er für die Bertelsmann Stiftung tätig und berate jeden, der beraten werden müsse.

Er ist, was europapolitische Themen anbetrifft, übrigens der Lieblingsjournalist meiner 91jährigen Mutter, die ein wenig dement ist,“ fuhr er fort. „Als ich ihr telefonisch mitteilte, dass ich ihn heute Abend sehen würde, bat sie mich, ihm schöne Grüße zu bestellten, und ihm auszurichten, dass sie ihn schon lange nicht mehr gesehen habe.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der verhindert war, aber gerne mitgefeiert hätte, überbrachte eine Videobotschaft. „Ich kann nicht glauben, dass Udo van Kampen nicht mehr in Brüssel ist. Leider gibt es wegen der Subsidarität keinen Europäischen Orden, den er sonst erhalten hätte.“

„Den Brexit werden wir überleben“

Erfreut und auch sichtlich gerührt nahm Udo van Kampen die hohe Auszeichnung entgegen. Er habe nur seinen Job gemacht, meinte er bescheiden. „Unser Optimismus darf nicht verloren gehen, den Brexit werden wir überleben, alle Chancen liegen vor uns. Bei all der Europa Kritik, die wir vernehmen: es ist wichtig darüber zu reden, was Europa schon alles geschaffen und erreicht hat. Denn zu einer Generation gehören, deren Kinder einmal sagen, dass wir alles an die Wand gefahren hätten, möchte ich nicht!“

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